Kabarett in Telgte
Ein letzter gemeinsamer Blick zurück

Telgte -

Florian Schroeder und Volkmar Staub präsentierten im Bürgerhaus ihren persönlichen Jahresrückblick.

Montag, 28.01.2019, 13:34 Uhr aktualisiert: 28.01.2019, 13:36 Uhr
Florian Schroeder (l.) und Volkmar Staub haben zum letzten Mal gemeinsamen ihren ganz eigenen Jahresrückblick bestritten
Florian Schroeder und Volkmar Staub haben zum letzten Mal gemeinsamen ihren ganz eigenen Jahresrückblick bestritten Foto: Arndt Zinkant

Dass Florian Schroeder und Volkmar Staub nach 15 Jahren nun ihren letzten gemeinsamen Jahresrückblick bestreiten, erwies sich bei ihrem Telgte-Auftritt als nur wenig betrüblich. Was der jüngere Schlaks und der ältere Dicke im Bürgerhaus servierten, bewegte sich auf Mainstream-Kabarettpfaden und bewitzelte jedes Thema nur an der Oberfläche. Tiefgang? Fehlanzeige.

Das Publikum im Bürgerhaus amüsierte sich dennoch. So jauchzten die Zuschauer vor Vergnügen, als Schroeder „Die Geschichte der Linken“ im satirischen Schweinsgalopp präsentierte. Da wurden auf der Leinwand immerfort „falsche“ Gesichter präsentiert, während der Spötter den Marxismus-Leninismus erklärend zum Stalinismus und von dort zu Wagenknecht und Co. beförderte. Als die Rede auf Rosa Luxemburg kam und dabei Katja Kipping herablächelte oder Schroeder das ikonische Che-Guevara-Porträt mit „Jimi Hendrix“ betitelte, schlug sich der Saal auf die Schenkel.

Ältere werden sich erinnern: Früher wurde im Kabarett noch der Bundeskanzler kritisiert. Wer aber diesem Duo zuhört, könnte glauben, die ewige Kanzlerin Merkel sei bereits aus dem Amt geschieden und hätte mit der Lage im Land nicht das Geringste zu tun. Stattdessen arbeiten sich beide manisch an Horst Seehofer ab. So bezeichnet Florian Schroeder Bayern als „autokratischen Gottesstaat“ ohne Gleichberechtigung. Gibt es neben solch bayerischem Fundamental-Christentum vielleicht noch andere religiöse Strömungen, die uns Sorgen machen müssten? Nicht bei Schroeder und Staub.

Die AfD bekommt natürlich ebenfalls mächtig ihr Fett weg - allerdings ohne dass sich die Spötter intelligent mit deren Positionen befassen würden. Stattdessen gibt es öde Wortspiele über „Braunkohle“ in Alice Weidels Spendenaffäre. Von versierten Profis darf man mehr erwarten. Denn Florian Schroeder ist fraglos ein Talent, was seine schwäbische Kretschmann-Parodie beweist. Und als Volkmar Staub den „Winnetou“ gibt und mit mächtiger Häuptlings-Plauze seinen „roten Brüdern“ von der SPD die Leviten liest, merkt man, dass dieser Abend mehr Potenzial gehabt hätte.

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