Die Arbeit eines Telgter Landwirts
„Im Winter ist die Arbeit ein wenig gemütlicher“

Telgte -

Martin Wickensack ist Landwirt. Seine Arbeit wollen die WN in den verschiedenen Jahreszeiten begleiten.

Samstag, 09.02.2019, 14:00 Uhr
Ferkel werden das ganze Jahr über geboren. Deshalb ist Martin Wickensack auch in den Wintermonaten mit der Versorgung des tierischen Nachwuchses beschäftigt.
Ferkel werden das ganze Jahr über geboren. Deshalb ist Martin Wickensack auch in den Wintermonaten mit der Versorgung des tierischen Nachwuchses beschäftigt. Foto: Pohlkamp

Welche Arbeiten erledigen Landwirte vorwiegend im Winter, wenn die Ackerflächen ihren „Winterschlaf“ halten, wenn das Futter für die Tiere eingelagert ist. Es sind Themen abseits von Arbeitsspitzen: Aufgaben, die in den übrigen Jahreszeiten zu kurz kommen. Verschiedene Betriebsformen führen in der Landwirtschaft auch zu abweichenden Arbeiten. Die Westfälischen Nachrichten begleiten ein Jahr lang den Landwirt Martin Wickensack, schauen ihm über die Schulter und stellen Arbeiten „auf dem Hof und auf dem Lande“ im Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst vor.

Martin Wickensack ist staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt auf dem Familienbetrieb mit drei Generationen. Wir erfahren, was auf dem Hof zurzeit alles anfällt: zum Beispiel in der Schweinehaltung, die hier Tradition hat und im Winter mehr Energie benötigt. Es handelt sich um einen Schweineveredelungsbetrieb mit Sauenhaltung und Ferkelproduktion, der in einem geschlossenen System wirtschaftet. „Die Ferkelzucht,“ so der 35-Jährige, „geht bei uns nahtlos in die Schweinemast über.“

Die Geburt von Ferkeln erfordert regelmäßige Kon­trollen. Etwa 150 dieser kleinen Schweinchen erblicken jeden Monat in den Ställen das Licht der Welt. Durchschnittlich schafft es ein weibliches Schwein auf elf bis 15 Jungtiere. „Es kam auch schon mal vor, dass 18 Ferkel von einem Muttertier geboren wurden. Regelmäßige Kon­trollen sorgen für mehr Sicherheit.

Für zusätzliche Behaglichkeit sorgt in den Wintermonaten eine umweltfreundliche Hackschnitzelheizung. Sie spendet den Wohnräumen und den Stallungen die notwendige Wärme. Gerade in der kalten Jahreszeit haben die Saugferkel einen erhöhten Wärmebedarf. Die Holzhäckselarbeit und die Beschaffung des Holzes, das auf dem Hof zerkleinert wird, ist eine typische Arbeit im Winter. Ergänzt wird die Nutztierhaltung durch männliche Rinder.

Auf dem Weg in den Bullenstall, wo Martin und sein Vater Heinz gerade den Futtertrog umgestalten und eine Wand mauern, um so zwei abgetrennte Ställe zu erhalten, trifft er seinen Nachbarn Antonius Hertleif . Dieser erzählt, dass er in seinem Wald dabei ist, die von Borkenkä-

fern befallenen Fichten zu fällen. Das Holz müsse möglichst schnell aus dem Wald geschafft werden, um so die Ausbreitung des Schädlings zu verhindern. Antonius Hertleif bezeichnet die Gesamtsituation als weiter kritisch. Umso wichtiger sei die Durchforstung des Waldes, um befallene Bäume möglichst schnell aus dem Wald zu entfernen und den Schaden in diesem Jahr möglichst gering zu halten. Diese Sorge hat Martin Wickensack nicht: „In unserem Wald gibt es keine reinen Fichtenbestände.“

Rund um seinen Betrieb liegen die Ackerflächen, kahl und bis vor Kurzem von einer weißen Schneeschicht überzogen. Gelegentlich überqueren Rehe und auch Wildschweine die Flächen. „Sieben Keiler und Bachen sind kürzlich von Jägern erfolgreich erlegt worden,“ erzählt der Landwirt und weist auf Gefahren hin, die der Landwirtschaft durch Wildschweine drohten.

Zu den Arbeiten, die für die kalte Jahreszeit wie geschaffen sind, gehört auch die intensivere Büroarbeit am Computer. Zahlreiche Auflagen, Nachweispflichten und Kontrollen fordern den staatlich geprüften Agrarbetriebswirt heraus und machen ihn auch zu einem Büromanager. „Buchführung, die Dokumentation zur Einhaltung des landwirtschaftlichen Fachrechts und betriebsspezifische Fördermaßnahmen,“ nennt Martin Wickensack als nur einige seiner Bürotätigkeiten.

Beispielhaft erwähnt sei hier die Fortschreibung seiner Ackerschlagkartei. In dieser zeichnet er die Grunddaten seiner Flächen, die Fruchtfolge, die Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz, Erntedaten und Bodenuntersuchungen auf. So weiß Martin Wickensack immer, wie er seine Flächen bewirtschaftet und auch wie viel Stickstoff er je Hektar ausgebracht hat. Seine gesamte zu bewirtschaftende Fläche ist aufgeteilt in insgesamt 18 Flächen (Schlägen) und werden in dieser Kartei aufgeführt.

Arbeit gebe es genug: Dazu gehört auch die Umzäunung des Löschteiches an der Hofeinfahrt. Dieses natürliche Wasserbecken dient der Freiwilligen Feuerwehr bei Bedarf als Wasserlieferant in Notfällen.

Neben seiner Landwirtschaft führt Martin Wickensack auch ein Lohnunternehmen. Dazu gehört ein Maschinenpark: Traktoren, Mähdrescher, Maishäcksler und weitere Maschinen. Sie stehen im Winter still. Jetzt ist es Zeit, sie zu warten, zu reinigen, zu reparieren und Ersatzteile zu besorgen und sie einzubauen. Martin Wickensack repariert die Maschinen selbst. Das habe er sich selbst über die Jahre angeeignet. Unterstützung erfährt der 35-jährige von seinem Vater Heinz und von Teilzeitarbeitern.

Es ist noch hell: Zeit genug, einen Teil seiner Wallhecken mit Motorsäge und Traktor abzufahren: Seine etwa zwölf Kilometer langen Hecken überprüft er zusammen mit seinem Vater. Hier und dort sind sie zu beschneiden, damit sie im Frühjahr wieder ordentlich wachsen können.

Martin Wickensack ist seit neun Jahren Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Telgte-Westbevern. In diesen Wochen finden auch vermehrt Sitzungen, Versammlungen und Veranstaltungen statt. Dazu zählen Ortsversammlungen, auch eine Winterwanderung und Fortbildungen zu unterschiedlichsten agrarpolitischen Themen. Zu den Nachbarn bestehen enge und freundschaftliche Beziehungen. „Wir helfen uns. Gerade sind wir dabei, zwei Hochsitze zu bauen, die in der Fockenbrocks Heide aufgestellt werden“, so der junge Vater. Auf seinen fast schon obligatorischen Skiurlaub hat er dieses Mal verzichtet. Martin ist zum zweiten Mal Vater geworden.

Es ist Abend: Die Tiere sind versorgt, der Rundgang durch die Stallungen beendet, jetzt nimmt er sich auch mehr Zeit für seine Familie. „Im Winter,“ so der Landwirt, „ist die Arbeit ein wenig gemütlicher“. So könne er sich den Tag besser einteilen. Von Bauernregeln hat Martin Wickensack von seinen Eltern schon so einiges gehört. Ob sie zutreffen? Er lacht: „Sollte jeder selbst entscheiden.

Früher, als es keine präzisen Wettervorhersagen gab, hatten diese Bauernregeln Gültigkeit – wie etwa diese: „Ist der Februar sehr warm, friert man Ostern bis in den Darm.“

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