Verlegung in Telgte
Stolpersteine erinnern und mahnen

Telgte -

Als Zeichen der Erinnerung und Mahnung wurden in Telgte am Samstag sechs weitere Stolpersteine verlegt.

Sonntag, 10.02.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 11.02.2019, 08:14 Uhr
Die ersten der sechs neuen Stolpersteine wurden vor dem Rathaus verlegt: (vorne v.l.) Bürgermeister Wolfgang Pieper, Vorsitzende Dr. Barbara Elkeles und der Kölner Künstler Gunter Demnig.
Die ersten der sechs neuen Stolpersteine wurden vor dem Rathaus verlegt: (vorne v.l.) Bürgermeister Wolfgang Pieper, Vorsitzende Dr. Barbara Elkeles und der Kölner Künstler Gunter Demnig. Foto: Pohlkamp

Sechs neue „Denkmäler“, kleine quadratische Steine in das Pflaster eingelassen, prägen das Stadtbild seit Samstag und erinnern an das Schicksal ehemaliger Mitbürger, die bei den Gräueltaten des Dritten Reichs zwischen 1933 und 1945 Opfer des Nationalsozialismus wurden. Neben jüdischen wurden auch geistig behinderte und psychisch kranke Menschen Opfer der nationalsozialistischen Rassenpolitik. An diese ehemaligen Telgter erinnern die nun neu verlegten Gedenksteine. Ihre Schicksale und ihre Namen werden durch diese Stolpersteine nicht vergessen. Diese geben den Toten ein Gesicht. Telgter und Besucher werden immer wieder über sie stolpern, stehen bleiben und erfahren so etwas über das Schicksal ihrer Mitmenschen.

Bereits 2004 hatte der Verein „Erinnerung und Mahnung – Verein zur Förderung des Andenkens an die Juden in Telgte“ an Wohnorten ehemaliger Telgter zehn kleine Gedenktafeln niveaugleich in das Pflaster des jeweiligen Gehwegs eingelassen.

Viele Telgter, unter ihnen auch der Initiator Ludwig Rüter, nahmen am Samstag an dieser Gedenkfeier teil. Bevor die quadratischen Messingtafeln durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt wurden, gab es im Rathaus eine Einführungsveranstaltung. Dort zeigten sich die Vorsitzende Dr. Barbara Elkeles wie auch Bürgermeister Wolfgang Pieper erfreut über die hohe Beteiligung. Sie betonten, dass man über diese Steine immer wieder stolpern und sich erinnern möge. Denn sie seien Erinnerung und Mahnung zugleich. Wolfgang Pieper mahnte an, dass sich diese Zeit der Verbrechen niemals wiederholen dürfe und erinnerte dabei an die aktuelle politische Entwicklung auf der Welt.

„Die Pflege der nun insgesamt 16 Stolpersteine“, so Dr. Barbara Elkeles, „übernehmen Telgter Schulen. So ist auch die folgende Generation in die Erinnerungsarbeit einbezogen und wächst in sie hinein.“ Professor Dr. Peter Kröner stellte in seinem Vortrag die ideologischen Zusammenhänge zwischen Krankenmorden und Jugendvernichtung dar. An den vier verschiedenen Orten wurden Kurzbiografien der Opfer verlesen.

Gebetstexte und Musikstücke sorgten für eine feierlichen Rahmen. Zwei Gedenktafeln wurden auf dem Fußweg vor dem Rathaus für Johann Bernard Lütke Grachtrup und Bernhard Möller verlegt. Eine weitere Gedenktafel an der Dr.-Josef-Koch-Straße 4 erinnert an Anton Erich Sauerland. An der Ritterstraße 64 (früher „Langer Jammer, heute an der Volksbank) ist der Gedenkstein für Oskar Rolf eingelassen.

Gunter Demnig nahm persönlich die Verlegung der Steine vor. Er hat in 18 Jahren mehr als 70 000 Steine an rund 2000 Orten in 24 europäischen Ländern verlegt. Der Künstler bezeichnet diese Arbeit als „notwendige Erinnerungskultur“.

Vor dem Eingang zur Kapelle des St.-Rochus-Hospitals begrüßte Professor Dr. Matthias Rothermundt, Chefarzt und Ärztlicher Direktor, die Gäste. Dort ließ der Künstler Gunter Demnig zwei weitere Gedenktafeln in den Fußweg ein: für die ehemaligen jüdischen Patientinnen Gladys Strauss und Sophia Serphos.

Auch in Zukunft werden weitere Stolpersteine folgen. Wer einen Gedenkstein (Preis: 120 Euro) spenden möchte, ist vom Verein zur „Förderung des Andenkens an die Juden in Telgte“ dazu eingeladen.

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