Informationsveranstaltung in Telgte
Dilemma bei Ausgleichsflächen

Telgte/Westbevern -

Die Stadt hatte zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema „Kompensationsflächen“ eingeladen. Vorgestellt wurden unter anderem Möglichkeiten und Wege einer flächensparenden Kompensation. Etwa 60 Interessierte hörten gespannt zu.

Dienstag, 12.02.2019, 22:00 Uhr
Moritz Hillebrand, Geschäftsführer der Wasser- und Bodenverbände beim WLV-Kreisverband, informierte über Gewässerrenaturierungsvorhaben. Ihno Gerdes (r.) zeigte Lösungsansätze auf.
Moritz Hillebrand, Geschäftsführer der Wasser- und Bodenverbände beim WLV-Kreisverband, informierte über Gewässerrenaturierungsvorhaben. Ihno Gerdes (r.) zeigte Lösungsansätze auf. Foto: Pohlkamp

„Wenn das neue Baugebiet im Telgter Süden nicht zu realisieren ist, dann liegt das daran, dass die Stadt hierfür keine Ausgleichsflächen ausweisen kann.“ Dieses (Horror-)Szenario beschrieb Bürgermeister Wolfgang Pieper am Montagabend im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema „Kompensationsflächen“. Doch soweit soll es natürlich nicht kommen. Lösungen werden derzeit gesucht. Vorgestellt wurden am Montagabend unter anderem Möglichkeiten und Wege einer flächensparenden Kompensation.

Etwa 60 Landwirte, Kommunalpolitiker, Naturschützer und weitere Interessenten hörten gespannt zu, als nacheinander Carsten Rehers , Bau-, Umwelt- und Planungsdezernent des Kreises, Moritz Hillebrand, Geschäftsführer der Wasser- und Bodenverbände beim WLV-Kreisverband Warendorf, und Ihno Gerdes , zuständig für den Natur- und Landschaftsschutz bei der Stadt, Maßnahmen aufzeigten, wie bauliche Eingriffe in Natur und Landschaft ausgeglichen werden können.

Die Landwirte sehen das Ganze mit Sorge, fürchten um einen Teil ihrer Flächen und ihre Zukunft. „Bei uns hat sich das Warendorfer Modell bewährt“, sagte Carsten Rehers. Ausgleichsflächen und Ökokonten werden dabei in einem kreiseigenen Kompensationskataster geführt. Ziel sei es, Maßnahmen für den Landschaftsschutz effektiv zu koordinieren und möglichst wenig landwirtschaftliche Fläche zu beanspruchen.

Moritz Hillebrand stellte die europäische Wasserrahmenrichtlinie vor, die bis spätestens 2027 einen „guten ökologischen Zustand“ aller Gewässer vorsieht. In seinem Vortrag zeigte er Projekte, die beweisen, dass durch aufwendige Gewässer-Renaturierungsvorhaben teils wirtschaftlich interessante Ökowerteinheiten generiert werden können.

Als notwendig bezeichnet Ihno Gerdes es, die durch Wohnbauentwicklungen verursachten Eingriffe wieder auszugleichen. „Die Stadt hat in der Vergangenheit Ökopool-Lösungen auf dem Telgter Gebiet favorisiert.“ Beispielhaft dafür nannte Gerdes etwa die Emsaue, die Obstwiese Lauheide oder Ausgleichsflächen in der Bockhorner Heide.

Ein Ökokonto, das vom Kreis geführt wird, gibt den aktuellen Stand an. Danach sind aus einem Ausgleichsflächenpool von 38 Hektar (entspricht 295 552 Ökopunkten) 37 Projekte in der Stadt realisiert worden: 14 097 Ökopunkte – rund fünf Prozent des Ganzen – sind derzeit nur noch verfügbar. Wie viele Ökowerteinheiten für das neue Wohngebiet benötigt werden, kann zurzeit noch nicht genau gesagt werden. Vergleichbare Wohngebiete erfordern etwa 40 000 Punkte. Somit ergibt sich ein erhöhter Handlungsbedarf. Die Stadt kann allerdings auch auf Privatflächen – in Abstimmung mit der Landschaftsbehörde des Kreises – einen Ausgleich schaffen.

Bei Wohnbauentwicklungen ist zudem der Artenschutz zu berücksichtigen. So zeigte Ihno Gerdes für das geplante Wohngebiet auf, für welche Tiere ein Ausgleich erfolgen muss. Für den Steinkauz 3,7 Hektar, für den Kiebitz 1,5 Hektar und für das Rebhuhn ein Hektar.

Deutlich wurde Gerdes am Ende: „Die Stadt muss für die zukünftigen Eingriffe Ausgleichsflächen ausweisen, da die vorhandenen Poole weitgehend ausgeschöpft sind.“ Die Verwaltung will hierzu in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses am Dienstag, 19. März, Lösungen vorschlagen.

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