Kindergartenöffnungszeiten in Telgte
Randzeitenbetreuung kein großes Thema

Telgte -

Über die Kindergartenöffnungszeiten und das Thema Randzeitenbetreuung sprachen die WN mit Fachbereichsleiterin Tanja Schnur.

Samstag, 23.02.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 24.02.2019, 09:36 Uhr
Zu den Kindergartenöffnungszeiten und dem Thema Randzeitenbetreuung nahm Fachbereichsleiterin Tanja Schnur Stellung.
Zu den Kindergartenöffnungszeiten und dem Thema Randzeitenbetreuung nahm Fachbereichsleiterin Tanja Schnur Stellung. Foto: colourbox

Vor sieben Uhr morgens und nach 17 Uhr am Nachmittag finden Eltern in Nordrhein-Westfalen nur wenige Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder. Das hatte Familienminister Joachim Stamp vor wenigen Tagen im Landtag gesagt. Über den Ist-Zustand in Telgte sowie Möglichkeiten, Betreuungszeiten ausdehnen zu können, sprach WN-Redakteur Andreas Große Hüttmann mit Tanja Schnur , zuständige Fachbereichsleiterin in der Verwaltung.

Frau Schnur, nur vier Prozent der Kindergärten in NRW haben nach 17 Uhr geöffnet, gewünscht wird aber in diesem Zusammenhang immer wieder eine Betreuung bis 18 Uhr. Wie sieht die Situation in Telgte aus?

Tanja Schnur: Die Kitas in Telgte bieten in der Regel eine Betreuungszeit bis 16.30 beziehungsweise 17 Uhr an. Darüber hinaus gehend gibt es auch bei mindestens einem Träger die Möglichkeit Extrazeit bis 18 Uhr zu buchen.

Morgens beklagen Eltern ebenfalls, dass sie ihre Kinder nicht früh genug abgeben können. Was sagen sie dazu, was ist der „Standard“ in den Einrichtungen in Telgte?

Schnur: Die Öffnungszeiten am Morgen liegen zwischen 7 und 7.30 Uhr.

Gibt es derzeit Überlegungen, den Wünschen der Eltern weiter entgegenzukommen?

Schnur: Grundsätzlich kann ich natürlich nicht für alle Kitas in Telgte sprechen, da wir eine Trägervielfalt haben und diese Träger auch unterschiedliche Schwerpunkte setzen und Angebote machen. Für die städtische Kita werden die Bedarfe für die Betreuungszeiten jedes Jahr bei den Eltern abgefragt. In der Vergangenheit ist immer wieder mal überlegt worden, ob die Öffnungszeiten über den Zeitraum von 7 bis 17 Uhr hinausgehen sollten. Wenn Bedarfe angemeldet worden sind, waren es aber immer Einzelfälle. Leider können wir mit den Öffnungszeiten einer Kita nicht für alle Arbeitszeitmodelle der Eltern eine Lösung anbieten. Aber es gibt Kita-Träger, die zusätzliche Betreuungsangebote machen, die über die regulären Öffnungszeiten hinausgehen. Über das Kinderbildungsgesetz wird geregelt, welche finanziellen Mittel und wie viele Fachkraftstunden einer Kita zur Verfügung stehen. Kindertagesstätten sind seit Jahren strukturell unterfinanziert. Deshalb läuft noch bis zum Ende dieses Kita-Jahres das Kita-Träger-Rettungspaket. Neue gesetzliche Regelungen sind in der Vorbereitung. Aus der Unterfinanzierung resultiert auch, dass die Kita-Träger die Erzieherinnen und Erzieher in erster Linie zu den Zeiten einsetzen, zu denen der Bedarf am größten ist und der Großteil der Kinder in den Einrichtungen ist. Für eine darüber hinausgehende Betreuung wäre eine auskömmliche Finanzierung im Rahmen der gesetzlichen Neuregelungen erforderlich oder die betroffenen Eltern müssten das zusätzliche Angebot bezahlen. Grundsätzlich wird nach meiner Wahrnehmung der Bedarf für eine Randzeitenbetreuung in Telgte eher vereinzelt genannt. Bei einer für die Zukunft hoffentlich auskömmlichen Anzahl an Kitaplätzen in Telgte und damit einhergehend auch der Möglichkeit, dass Eltern die Kita frei auswählen können, wäre eine Bündelung der Bedarfe für eine Randzeitenbetreuung sicherlich ein sinnvolles Angebot.

Wie läuft diesbezüglich die Abstimmung der Einrichtungen untereinander ab? Setzen diese sich an einen Tisch und legen Standards fest?

Schnur: Die Leitungen der Kindertageseinrichtungen kommen halbjährlich zusammen. Zusätzlich sind bei der Regionalkonferenz auch die Kita-Träger, das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien des Kreises Warendorf und die Stadt Telgte an einem Tisch. Belange, die gemeinsam zu klären sind, werden dann besprochen. Es werden aber keine Standards für die Öffnungszeiten festgelegt, da das auch eine Frage der Trägerautonomie und der pädagogischen Konzepte der einzelnen Einrichtungen ist.

Ebenfalls ein Kritikpunkt ist immer wieder die Anzahl der Schließungstage. Sehen Sie einen Richtwert von 20 als notwendig an?

Schnur: Im Kinderbildungsgesetz in Paragraf 13 ist geregelt, dass die Anzahl der jährlichen Schließtage – ohne Samstage, Sonn- und Feiertage – 20 nicht überschreiten soll und 30 nicht überschreiten darf. Die Kita-Träger entscheiden für ihre Kita je nach dem Bedarf und pädagogischen Konzepten über die Anzahl der Schließungstage. Auch bei den Kitas in Telgte variiert die Anzahl der Schließungstage. Es gibt Kitas, die in den Sommerferien Betriebsferien machen. Das hat sicherlich den Vorteil, dass die Erzieherinnen und Erzieher auch einen Großteil ihres Jahresurlaubs dann zu diesem Zeitpunkt nehmen und dafür den Rest des Jahres für die Betreuung der Kinder zur Verfügung stehen. Auch können während dieser Schließungszeiten zum Beispiel bauliche Maßnahmen in den Gebäuden stattfinden, die im laufenden Kitabetrieb schwieriger umzusetzen sind. Der Nachteil ist, dass die Betriebsferien nicht unbedingt mit den Ferienplanungen der Eltern übereinstimmen und auch die Erzieherinnen und Erzieher dann Urlaub nehmen müssen. In der städtischen Kita haben wir auch zwei Jahre im Sommer Betriebsferien gemacht. Mittlerweile ist die städtische Kita wieder in den Sommerferien durchgehend geöffnet, wie weitere Kitas in Telgte auch. Das gibt den Beschäftigten die Möglichkeit die eigene Urlaubsplanung flexibler zu gestalten und auch die Eltern können entscheiden, wann sie mindestens zwei Wochen im Jahr mit ihrem Kind Familienzeit außerhalb der Kita verbringen. Dafür müssen zum Beispiel Sanierungsmaßnahmen im laufenden Betrieb organisiert werden und durch die Verteilung der Urlaubszeiten für die Erzieherinnen und Erzieher über das ganze Jahr, muss die Personalplanung sehr flexibel sein. Die Schließungstage der Kitas werden den Eltern in der Regel sehr früh mitgeteilt, damit die familiäre Planung diese berücksichtigen kann.

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