Glaube und Leben in der Weimarer Zeit in Telgte
„Telgte war pechschwarz“

Telgte -

Hochspannend war der Vortrag, in dem Professor Dr. Rüdiger Robert über „Der Glaube und das Leben in der Weimarer Zeit in der Emsstadt“ berichtete. Als Grundlage seiner Forschungen hatte der ehemalige Hochschullehrer den sogenannten „Marienboten“ verwandt.

Donnerstag, 14.03.2019, 20:00 Uhr
Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Vortragsraum des Museums als Dr. Rüdiger Robert über Glaube und Leben in der Weimarer Zeit in Telgte sprach.
Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Vortragsraum des Museums als Dr. Rüdiger Robert über Glaube und Leben in der Weimarer Zeit in Telgte sprach. Foto: Große Hüttmann

Professor Dr. Rüdiger Robert ließ keinen Zweifel: „Telgte war seinerzeit pechschwarz“, sagte der ehemalige Hochschullehrer und Vorsitzende des Freundeskreises Religio bei einem Vortrag im Museum. Er gab in seinem Vortrag vor knapp 80 Anwesenden einen Überblick darüber, wie der Glaube und das Leben in der Weimarer Zeit in der Emsstadt quasi eine Einheit waren.

Als Grundlage seiner Forschungen hatte er den sogenannten „Marienboten“ verwandt, das einzige als Pfarr- und Amtsblatt während der Weimarer Zeit kontinuierlich in Telgte erscheinende Publikationsorgan.

Robert ging sogar soweit, von einer „Harmonisierung des kirchlichen und weltlichen Lebens“ in Telgte zu sprechen. Als Beispiel dafür benannte er unter anderem die Vereine, die ihr Tun stark etwa an den Gottesdienstzeiten oder kirchlichen Veranstaltungen oder Festen ausgerichtet hätten. Welche Bedeutung religiös-caritative Vereine zu dieser Zeit hatten, machte er anhand von Zahlen deutlich. 2700 Mitglieder seien in der Weimarer Zeit in diesen Gruppen organisiert gewesen, weitere rund 2000 in Missionsvereinen und „nur“ rund 1000 in politisch-sozialen Vereinen.

Entsprechend der katholischen Durchdringung der Gesellschaft habe das Zentrum bis zur Machtübernahme durch die Nazis die wesentliche Rolle gespielt. Selbst 1933 hätten noch rund zwei Drittel der Telgter bei den Reichstagswahlen für das Zentrum gestimmt – im Vergleich zum Landesdurchschnitt ein gigantischer Wert.

Das rührt nach Angaben von Rüdiger Robert unter anderem auch daher, dass das Zentrum von der Geistlichkeit auf lokaler Ebene durchdrungen gewesen sei. Der Vorsitzende sei entweder der Dechant oder Propst gewesen, weitere wichtige Schlüsselpositionen im Vorstand hätten etwa die Vikare besetzt. Auch die Schriftleitung des „Marienboten“ habe bis auf einen kurzen Zeitraum am Ende, 1935 wurde die Publikation eingestellt, in den Händen der Vikare gelegen.

Gewalttätigkeiten gegen Juden, so Rüdiger Robert, habe der „Marienbote“ grundsätzlich abgelehnt. Allerdings sei andererseits auch davon berichtet worden, dass Katholiken, etwa im Hinblick auf die „Geldgier der Juden“, wachsam sein sollten. „Insofern ist es sehr schwierig, die genaue Einstellung zum Judentum zu charakterisieren“, so Rüdiger Robert.

Als der „Marienbote“ 1935 eingestellt wurde, hätten sich auch die gesellschaftlichen Strukturen in der Emsstadt grundlegend verändert, so Robert.

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