Telgter sind begeisterte Taubenzüchter
Leidenschaft eher zufällig geweckt

Telgte -

Dieter Krüger und sein 24-jähriger Sohn Sven sind begeisterte Taubenzüchter. Nur durch einen Zufall ist die Familie zu diesem Hobby gekommen.

Samstag, 16.03.2019, 13:00 Uhr
Dieter Krüger und sein 24-jähriger Sohn Sven sind begeisterte Züchter. Viel Zeit investieren sie in ihr Hobby.
Dieter Krüger und sein 24-jähriger Sohn Sven sind begeisterte Züchter. Viel Zeit investieren sie in ihr Hobby. Foto: privat

Eine außergewöhnliche Begegnung mit einer Brieftaube führte Dieter Krüger , seit fünf Jahren erster Vorsitzender der Reisevereinigung Telgte, zu seinem Hobby. Kaninchen waren eigentlich bis zu diesem Zeitpunkt seine Leidenschaft. Doch an diesem Tag spielte der Zufall eine Rolle.

Was war geschehen? Eine Brieftaube spazierte einfach so durch die offene Haustür der Familie Krüger. „Sie stand plötzlich vor mir, schien geschwächt und suchte Nahrung“, schildert Dieter Krüger die Begegnung. „Problemlos konnte ich sie in die Hand nehmen und setzte sie gleich in meinen Kaninchenstall: Mit Wasser und Reis päppelte ich sie wieder auf. Nach wenigen Tagen war sie gestärkt. Ich ließ sie fliegen, doch nach einigen Minuten kehrte sie wieder zurück und setzte sich in meinen Kaninchenstall – ihr neues Zuhause.“

Eine Taube allein ist einsam, dachte sich Dieter Krüger und bat den damaligen Vorsitzenden der Reisevereinigung Telgte um Rat: „Ich schenke dir eine zweite, dann hast du ein Paar und kannst mit dem Hobby loslegen“, motivierte er den Telgter, Brieftaubenzüchter zu werden. „Das wurde ich dann. Und nicht nur ich war mit Begeisterung dabei, sondern meine gesamte Familie entwickelte eine wachsende Leidenschaft.“ 33 Jahre sind seitdem vergangen: Die Familie Krüger hat keine Kaninchenställe mehr, dafür jedoch im Garten einen modernen Taubenschlag mit Platz zum Nisten, für den Nachwuchs und Platz für die „Renner der Lüfte“, die für Langstreckenflüge fit gemacht werden sollen.

Im Laufe der Jahre lernte Familie Krüger viel über die Tiere, über ihr Verhalten, über ihre Treue und über das angeborene Orientierungsvermögen: „Die Bindung zwischen Männchen und Weibchen sowie auch zwischen den Eltern und ihren Jungtieren ist sehr eng. Jedes Tier besitzt einen ausgeprägten Heimatdrang, will also unbedingt zurück“, so Dieter Krüger. Er betont, dass eine Taube ihren Heimatdrang auch dann nicht verliere, wenn sie zwischendurch einige Tage fremdversorgt werde. „So gesehen war es 1985 bei mir eine glückliche Fügung.“

Belohnt werden Dieter Krüger und sein 24-jähriger Sohn Sven – auch ihn hat die Leidenschaft gepackt – mit der Leistung der Brieftauben. Natürlich heißt es auch hierbei: „Ohne Fleiß kein Preis.“ Die Jungtiere werden behutsam auf die Langstrecken, die bis zu 600 Kilometer betragen können, vorbereitet. Sven Krüger, der an der Fachhochschule Münster Energietechnik studiert, schildert seine spezielle Trainingsmethode: „Mit meinen Jungtieren fahre ich zum Beispiel zunächst nach Sendenhorst und lasse sie von dort aus zurückfliegen. Danach erhöhe ich jedes Mal die Distanz zum Heimatschlag. Spätestens nach einem halben Jahr sind sie bereit für Langstreckenflüge.“ Fünf Jungtauben- und 13 Alttaubenflüge veranstaltet die Reisevereinigung Telgte jedes Jahr von April bis September.“ Die neue Saison steht also fast vor der Tür.

Sven Krüger ist fasziniert von den Tauben, weil diese in Freiheit gehalten werden und trotzdem wieder zurückkehren. Krüger junior, wie er im Verein genannt wird, erklärt: „Mit Unterstützung der Sonneneinwirkung, des Magnetfeldes der Erde und des Geruchssinns kehren Brieftauben zu ihrem Heimatort zurück, auch wenn sie bis zu 600 Kilometer fliegen müssen.“ „Einmal jedoch,“ schiebt der Vater ein, „gab es einen Anruf einer Dame aus dem Sauerland. Ihr sei eine Brieftaube zugeflogen. Diese sei handzahm und würde jetzt im Badezimmer gehalten. Wir sind ins Sauerland gefahren und haben das Tier abgeholt.“

Woran hat die Dame aus dem Sauerland erkannt, dass es sich um Krügers Brieftaube handelte? Der Telgter sagt: „Diese Brieftaube – wie alle anderen auch – trägt zwei Ringe. In dem einen fest geschlossenen Identifikationsring sind die Vereinsnummer, der Jahrgang und die Telefonnummer des Züchters eingetragen. So kann die Brieftaube an jedem Ort der Welt dem Züchter zugeordnet werden.“ Außerdem trägt das Tier auf Wettkampfflügen einen Chipring, der elektronisch ausgelesen werden kann.

Die Tauben sind im Schlag nach Geschlechtern getrennt. So bleiben sie ruhig. Täglich erhalten die „Renner der Lüfte“ viel Wasser, Mineralien sowie Vitamine und werden zudem auch gebadet. „Denn ihre Gesundheit ist uns wichtig“, betonen die Telgter.

Sven Krüger, der bereits mit sieben Jahren mit dem Hobby begonnen hat, ist davon überzeugt, dass sich über die tägliche Zusammenarbeit mit den Tauben ein Vertrauensverhältnis zwischen Tier und Mensch entwickelt.

Auch im Winter gönnen die Züchter ihren Tieren Freiflüge. „Doch diese sind wesentlich kürzer als im Sommer, und die Tauben müssen nach ihrem Flug schnell wieder im Schlag sein, damit Greifvögel keine Chance haben“, weiß Dieter Krüger, der zusammen mit seinem Sohn Sven viel Freizeit für die Tiere opfert. Daher sei es wichtig, dass auch die Familie mitziehe. „Denn Brieftauben sind unsere Leidenschaft“, sagen die beiden.

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