Bekenntnisschulen in Telgte
Prozess wird nicht in Gang gesetzt

Telgte -

Die drei Telgter Bekenntnisgrundschulen werden nicht in Gemeinschaftsgrundschulen umgewandelt. Der Schulausschuss hat entschieden, den dafür notwendigen Prozess nicht in Gang zu setzen. Das Thema ist damit allerdings noch nicht vom Tisch.

Freitag, 14.06.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 16.06.2019, 15:13 Uhr
Im Telgter Stadtgebiet gibt es vier Grundschulen. Drei sind katholische Bekenntnisschulen. Eine ist einen Gemeinschaftsschule.
Im Telgter Stadtgebiet gibt es vier Grundschulen. Drei sind katholische Bekenntnisschulen. Eine ist einen Gemeinschaftsschule. Foto: Große Hüttmann/Flockert

Es wird kein von der Politik initiiertes Verfahren zur Umwandlung von katholischen Bekenntnisgrundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen geben. Das hat der Schulausschuss am Donnerstagabend mehrheitlich beschlossen. SPD , FDP und Teile der Grünen hatten allerdings für ein Umwandlungsverfahren votiert.

Die Emsstadt verfügt mit der Don-Bosco-Schule, der Marienschule und der Christophorus-Grundschule über drei katholische Bekenntnisgrundschulen. Die einzige Gemeinschaftsgrundschule ist die Brüder-Grimm-Schule. Bei Bekenntnisgrundschulen werden zunächst katholische Kinder aufgenommen. Sie haben Vorrang. Dort erhöht sich der Anteil der katholischen Kinder. Dadurch kommt es aber immer wieder dazu, dass Nachbarschaften getrennt werden. Auf der anderen Seite steigt der Anteil andersgläubiger Mädchen und Jungen an der Brüder-Grimm-Schule.

Viele Ausschussmitglieder pflichteten Bürgermeister Wolfgang Pieper bei, als er die Existenz der Bekenntnisgrundschulen als „Anachronismus“ bezeichnete. Trotzdem war das Stadtoberhaupt zusammen mit der Verwaltung im Vorfeld der Sitzung zu dem Schluss gekommen, dass die Einleitung eines solchen Prozesses durch Politik und Verwaltung derzeit keinen Sinn mache.

In Gesprächen mit den Grundschulleitungen waren starke Bedenken geäußert geworden, ob bei dem sehr aufwendigen Prozess der Durchführung eines Abstimmungsverfahrens überhaupt die erforderlichen Mehrheiten für eine Umwandlung erreicht werden könnten.

Jede Schule müsste separat abstimmen. Von allen Eltern, die aktuell ein Kind an der Bekenntnisgrundschule haben, müssten mehr als 50 Prozent an der Abstimmung teilnehmen und bezogen auf die Gesamtzahl der Eltern müssten mehr als 50 Prozent für eine Umwandlung stimmen. Wenn eine Stimmabgabe nicht erfolgt, zählt diese Stimme automatisch als Gegenstimme.

Die CDU begründete ihre Ablehnung damit, dass die Initiative zu einem solchen Schritt von den Eltern selbst kommen müsse. Sabine Grohnert (Grüne) bezeichnete die Bekenntnisschulen hingegen als „überholt“. „Es ist unbegreiflich, dass man nicht überall Gemeinschaftsschulen schafft.“ Markus Tertilte (FDP) erinnerte daran, dass es „selbst die Bayern“ geschafft hätten, das Pro­blem der Bekenntnisschulen zu lösen. Der spätere Bundeskanzler Helmut Kohl habe diese bereits zu seiner Zeit als Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz abgeschafft.

Einen Vorschlag, „den ich schon vor 36 Jahren gemacht habe“, trug Dr. Heinz Stratmann in der Einwohnerfragestunde vor. Würde die Brüder-Grimm-Schule in eine Bekenntnis-Grundschule umgewandelt, sei das Problem gelöst. Alle Grundschulen in der Stadt müssten dann Schüler aller Konfessionen aufnehmen. Es gäbe dann keine Gemeinschaftsschule mehr. „Dadurch würden wir allen den kürzesten Weg zu Schule ermöglichend“, so Stratmann.

Wolfgang Pieper lehnte es ab, das Problem durch „eine taktische Finesse“ zu lösen. Die Verwaltung werde sich aber nicht drücken und helfen, sollte sie gefragt werden. Ein Umwandlungsprozess müsse aber von anderen angestoßen werden. Vielleicht vom Stadtelternrat, schlug Pieper beispielsweise vor.

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