„Mikro-Philharmonie“ im Telgter Bürgerhaus
Zauberlehrling macht Furore

Telgte -

Die „Mikro-Philharmonie“ präsentierte unter der Leitung von Dirigent Joachim Harder ein Konzert der ganz besonderen Art.

Donnerstag, 04.07.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 17:35 Uhr
Dirigent Joachim Harder präsentierte mit der „Mikro-Philharmonie“ ein besonderes Konzert. Meister-Hornist Marc Gruber (kl. Foto) leistetet seinen Beitrag zu einem gelungenen Abend.
Dirigent Joachim Harder präsentierte mit der „Mikro-Philharmonie“ ein besonderes Konzert. Meister-Hornist Marc Gruber (kl. Foto) leistetet seinen Beitrag zu einem gelungenen Abend. Foto: Zinkant

„Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“ Beinahe jeder kennt das geflügelte Goethe-Wort aus dem Gedicht „Der Zauberlehrling“. Auch Dirigent Joachim Harder zitierte es in seiner Konzert-Einführung, denn er hatte die berühmte Vertonung des Komponisten Paul Dukas aufs Programm gesetzt. Ist die Welt – auch die politische – nicht voll von „Zauberlehrlingen“, welche Geister rufen, die sie nicht mehr loswerden? Harder nannte als Beispiel die einst euphorisch begrüßte Atomkraft mit den Folgen strahlenden Atommülls.

Das Besondere an dem tollen Konzert der „Einklang-Philharmonie“, die unter Harders Leitung oft an ungewöhnlichen Orten spielt, war jedoch die Besetzung dieses Abends: Denn sie trat hier, reduziert auf 15 bis 18 Spieler, als „Mikro-Philharmonie“ auf. Was sonst mit Wucht und üppiger Streicherzahl daherkommt, wird transparenter und klarer, gleichsam unters „Mikroskop“ gelegt. Das bescherte dem begeisterten Publikum im Bürgerhaus Telgte ein besonderes Konzert. Auch Mozart und Mendelssohn klangen überraschend neu und anders.

Am besten vertraut wirkte noch Mozarts Hornkonzert Nr.3 KV 447, das der 26-jährige Meister-Hornist Marc Gruber großartig intonierte. Weich und warm im Ansatz, virtuos in der Technik und innig im Ausdruck. Gruber, Solohornist beim Hessischen Rundfunkorchester, klärte über die Meriten des Mozart-Konzerts auf – und freute sich darüber, dass man den Streicherkollegen viel besser zuhören könne, wenn es nur vier an der Zahl sind wie hier.

Felix Mendelssohn Bartholdys berühmte vierte Symphonie („Italienische“) ist ein veritabler Klassik-Hit. Umso mehr freute man sich über die nie gehörten Details im fein gesponnenen Orchester-Satz. Und den nötigen Drive brachte die Mikro-Philharmonie auch mit. „Der Zauberlehrling“ von Dukas klang am weitesten vom Original entfernt, machte aber dennoch viel Furore, zumal die Akustik der Bürgerhauses ideal war.

Das Ganze hat Tradition, wie Dirigent Harder erklärte: Bereits Arnold Schönberg praktizierte vor 100 Jahren solch abgespeckte Versionen in seinem „Verein für musikalische Privataufführungen“ – übrigens ohne Presse und sogar ohne Applaus. Das Publikum sollte seinerzeit neue Werke nüchtern und gleichsam „pur“ erleben können, fernab normaler Premieren, die damals oft skandalumwittert waren. In Telgte gab es am Mittwoch ausschließlich begeisterten Beifall.

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