CO²-Kompensation kann das Klimaproblem nicht lösen
Verzicht ist der beste Weg

Telgte -

Wer sich mit dem Flugzeug oder dem Auto auf den Weg in den Urlaub macht, der sorgt für zusätzliche Treibhausgas-Emissionen. Marco Imberge, Telgtes Klimaschutzmanager, würde es am liebsten sehen, wenn die Bürger den CO²-Ausstoß komplett vermieden. Die Kompensation könne nur eine Zwischenlösung sein.

Dienstag, 16.07.2019, 20:00 Uhr
Klimaschutzmanager Marco Imberge
Klimaschutzmanager Marco Imberge Foto: Große Hüttmann

Ferienzeit ist Reisezeit. Ob mit dem Flugzeug, dem Kreuzfahrtschiff oder dem Auto, die meisten Telgter machen sich in diesen Tag auf den Weg, um etwa in der Sonne oder in der Einsamkeit neue Kraft für den Alltag zu danken.

„Das gönne ich jedem von Herzen, auch ich mache mich bald auf den Weg. Vielleicht könnte der wohlverdiente Urlaub aber auch ein guter Zeitpunkt sein, über die dadurch entstehenden Treibhausgas-Emissionen und über einen möglichen Ausgleich nachzudenken“, sagt der städtische Klimaschutzmanager Marco Imberge .

Denn: „Für den Zustand der Erdatmosphäre ist es eigentlich völlig gleich, an welchem Ort auf der Erde Treibhausgase ausgestoßen werden. Letztlich ist nur die Summe der weltweiten Emissionen entscheidend. Also kann man Klimaschutz betreiben, indem man den Ausstoß von Treibhausgasen an einem Ort durch Klimaschutzmaßnahmen an einem anderen Ort wieder kompensiert“, erläutert der Fachmann.

Ein Beispiel: Knapp zweieinhalb Stunden dauert ein Flug aus der Region nach Mallorca, eines der liebsten Reiseziele der Deutschen. Eigentlich keine große Entfernung, fürs Klima aber schlecht, denn im Schnitt werden durch Hin- und Rückflug rund 500 Kilogramm COpro Reisendem ausgestoßen. In der Klimabilanz eines jedes Einzelnen macht sich das deutlich bemerkbar: Der durchschnittliche Pro-Kopf-Jahresausstoß in Deutschland liegt bei rund zehn Tonnen. Es sollten allerdings maximal zwei Tonnen sein, um die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts deutlich unter der Zwei-Grad-Obergrenze halten zu können, wie im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbart, weiß Imberge.

Die beste Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, sei es eigentlich, auf solche Reisen ganz zu verzichten, sagt der städtische Klimaschutzmanager. Er propagiert den Grundsatz: vermeiden, reduzieren und – wenn das nicht möglich ist – erst kompensieren.

Eine Möglichkeit, den Schaden etwas auszugleichen, zugleich aber die Kreuzfahrt oder den Flug zu machen, ist die CO-Kompensation. Das heißt: Im Internet geben Reisende in einem entsprechenden Rechner beispielsweise ihre Strecke an sowie den Flugzeugtyp und die Sitzplatzklasse und erfahren dann, wie viel COihre Reise verursacht. Anschließend spenden sie einen bestimmten Betrag, mit dem entsprechende extern zertifizierte Anbieter – der Markt ist hier vielfältig – an anderer Stelle Emissionen einspart. Das kann etwa durch Projekte in Entwicklungsländern geschehen wie der Bau von Biogasanlagen in Indien oder die Förderung von energieeffizienten Kochöfen in Tansania oder Windkraftanlagen in Südafrika.

„Kompensation kann das Klimaproblem selbstverständlich nicht lösen, weil sie nichts an den eigentlichen Treibhausgas-Quellen ändert. Sie stellt aber eine mögliche Zwischenlösung dar, solange die beste Lösung noch nicht existiert“, betont der Klimaschutzmanager. Und darüber könnten solche Projekte für die Menschen vor Ort zudem einen Zusatznutzen darstellen, indem sie häufig zum ersten Mal Zugang zu sauberer und ständig verfügbarer Energie erhielten – ein Muss für Bildung und Chancengleichheit. Und auf noch eines macht er aufmerksam: Die Spende wiederum ist steuerlich absetzbar.

Die Stadt tut selber auch einiges: Aktuell wird im Rathaus überlegt, demnächst auch – die Zustimmung der Politik vorausgesetzt – etwa den Wärmeverbrauch in städtischen Gebäuden zu kompensieren. Zudem setzt die Stadt seit Jahren auf Ökostrom.

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