Ferienfreizeit auf dem Schulbauernhof Emshof in Telgte
Einmal Bäuerin oder Bauer sein

Telgte -

Auf dem Schulbauernhof Emshof findet in diesen Tagen eine Ferienfreizeit der besonderen Art statt. Die 30 Teilnehmer lernen das Leben von Bauer und Bäuerin hautnah kennen.

Mittwoch, 17.07.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 18.07.2019, 13:24 Uhr
Dorffest am Lagerfeuer. Die gesamte Einwohnerschaft hat sich versammelt.
Dorffest am Lagerfeuer. Die gesamte Einwohnerschaft hat sich versammelt. Foto: Pohlkamp

„Das Leben auf dem Bauernhof“ ist in dieser Woche ein Planspiel von 30 Mädchen und Jungen zwischen neun und 13 Jahren und wäre reif für einen Lehrfilm. Als „Drehort“ dient ein alter Bauernhof in der Bauerschaft Verth, genannt das „Dorf“. Auf dem Schulbauernhof Emshof kann erlebt werden, wie schnell Kinder in eine Rolle schlüpfen können. In dieser Woche spielen sie Bäuerin oder Bauer und lernen die Grundkenntnisse der Landwirtschaft kennen.

Eine Szene aus dem Planspiel ist markant: Sie spielt sich vor dem Knuffimarkt ab. Das ist der Supermarkt, der von den Biobauern Obst, Gemüse, Blumen und auch Hühnereier erhält. Dort gibt es nur Produkte, die auf dem Bauernhof selbst produziert werden. Bezahlt wird mit Spielgeld. Die Biobauern bieten ihre Produkte zum Kauf an. Es wird viel diskutiert, gehandelt bis schließlich ein Preis erzielt ist.

Die Küche, in der die Mahlzeiten zubereitet werden, kauft die Lebensmittel im Knuffimarkt ein. Am ersten Tag beklagte sich das Küchenpersonal, dass der Supermarkt viel zu teuer sei und es nun ein Minus in der Küchenkasse gebe. Wer die Diskussionen wahrnimmt, spürt, wie schnell die „Dorfbewohner“ ihre Aufgaben meistern und spielerisch die Zusammenhänge in der Landwirtschaft kennenlernen – etwa weshalb ein Bio-Ei mehr kostet. Und auch warum die Kartoffeln in diesem Jahr teurer sind: „Wir mussten viel Zeit investieren und erst einmal alle Kartoffelkäfer mit der Hand einsammeln“, begründete ein Biobäuerin den Preisanstieg.

In der Kette führte das dann soweit, dass das Restaurant, zu dem auch die Küche gehört, die Preise für das Mittag- und Abendessen schon am zweiten Tag anhob. Diese und weitere Herausforderungen besprechen die Kinder im Dorfrat, der unter den Eichen täglich tagt. Dort werden alle Probleme angesprochen und Lösungen gesucht, die dann die Gemeinschaft mitträgt.

Fünf Tage und vier Nächte verbringen die Kinder, die aus Münster und dem Kreis Warendorf kommen, im Schatten des historischen Bauernhofes in ihren Zelten. Als Projektleiterin ist Andrea Blauensteiner natürlich mittendrin, in einem etwas kleineren Zelt. Der Tag endet am Lagerfeuer. Wenn die Dunkelheit anbricht, gehen auch keine Lichter mehr an. Dann ruht das Dorf.

Auch wenn der Hahn bei Morgendämmerung kräht, dürfen die Kinder weiterschlafen. Um 8 Uhr wird gemeinsam gefrühstückt. Es folgt die Besprechung des Tagesablaufes: Tiere versorgen (Schweine, Schafe, Hühner und zwei Esel), Ställe säubern, Garten- und Feldarbeiten, Küchenarbeit. Aufgeteilt sind die 30 Kinder in unterschiedliche Gruppen. Da gibt es die Familie, die den Knuffimarkt betreibt, ein Restaurant-Team und verschiedene Landwirte. Die Kinder lernen so spielend, Lebensmittel zu produzieren, zu vermarkten und schließlich in der Küche zusammen mit dem Sozialpädagogen Hannes Greven zu verarbeiten. Dort wird ja nicht nur für das Dorf gekocht, auch Kuchen werden gebacken und Marmelade wird hergestellt. Über die Tageserlebnisse berichtet ein Presse-Team mit den Emshof-News.

„Dieses Planspiel“, so Projektleiterin Andrea Blauen­steiner, „verbindet Themenbereiche wie Landwirtschaft, Handel, Konsum und Ernährung.“ Die Kinder haben so die Möglichkeit, in die reale Lebenswelt der Landwirtschaft mit all den Vernetzungen einzutauchen, eine bestimmte Rolle einzunehmen und Prozesse demokratisch mitzugestalten. Andrea Blauensteiner schaut immer einmal bei den „Gruppenarbeiten“ zu. „Ich bin begeistert, wie das abläuft.“ Natürlich erhielten die Dorfbewohner zu Beginn auch Informationen über den Beruf des Landwirtes oder der Landfrau. So lernen die Kinder, dass es sich hierbei um einen der ältesten Berufe handelt, da die bäuerlichen Betriebe schon immer die Lebensmittel für den Menschen produziert haben, oft in der Natur sind und die Landwirtschaft wie alle Menschen auf die Natur angewiesen ist. Die 30 „Schauspielschüler“ fanden sich in ihren Rollen sehr schnell ein.

Wenn am Freitag diese einwöchige Ferienfreizeit mit jeder Menge Abenteuer und Herausforderungen zu Ende geht und auf dem Dorfplatz unter den Eichen ein Abschiedsfest mit Eltern stattfindet, hat eine Gruppe junger Menschen eine Woche lang Bäuerin oder Bauer gespielt und – so Andrea Blauensteiner: „Dabei haben wir die Kinder im Umfeld eines Bauernhofes spielend an lebensnahe Räume herangeführt und Grundkenntnisse der Landwirtschaft vermittelt.“

Nach dieser Freizeit mit Übernachtung folgen in den Sommerferien noch drei weitere Wochenfreizeiten ohne Übernachtung mit jeweils 36 Teilnehmern, die jedoch alle ausgebucht sind.

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