Fahrradwerkstatt des Vereins „Zib“ Telgte
Wunsch ist ein größerer Raum

Telgte -

Seit fünf Jahren betreibt der Verein „Zib“ seine Fahrradwerkstatt im Schatten der Wallfahrtskirche. Unzählige Leezen wurden in dieser Zeit repariert. Zu kämpfen haben die Ehrenamtler mit dem fehlenden Platz in ihrer Werkstatt.

Donnerstag, 08.08.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 13.08.2019, 11:28 Uhr
Ein Treffpunkt für Völkerverständigung ist die Fahrrad-Werkstatt des Vereins „Zib“: (v.l.) Mechtild Koch-Valley, Dr. Arno Lott, Arnold Michels, Hans-Heinrich Hoffmeister und Remzi Dengiz. Erklärt wird dort auch, wie ein Schlauch geflickt wird.
Ein Treffpunkt für Völkerverständigung ist die Fahrrad-Werkstatt des Vereins „Zib“: (v.l.) Mechtild Koch-Valley, Dr. Arno Lott, Arnold Michels, Hans-Heinrich Hoffmeister und Remzi Dengiz. Erklärt wird dort auch, wie ein Schlauch geflickt wird. Foto: Pohlkamp

Sie zeigen ausländischen Mitbürgern, wie sie zu einem gebrauchten Fahrrad kommen und auch wie sich damit im Straßenverkehr zu verhalten haben. Sie reparieren Zweiräder für die Menschen, für die ein Fahrrad weitgehend unbekannt war und die auch nicht Radfahren würden, wenn es sie nicht gäbe: Hans-Heinrich Hoffmeister , Mechtild Koch-Valley , Mohamed Sagher, Arnold Michels und Christiane Hakenes. Sie sorgen dafür, dass ausländische Mitbürger ihre neue Heimat Telgte auch mit dem Zweirad erleben oder mit der Leeze einkaufen oder zur Arbeit fahren können.

Seit fünf Jahren betreibt der Verein „Zib“ – Zusammen ist besser – Verein für Völkerverständigung Telgte diese Fahrradwerkstatt im Schatten der Wallfahrtskirche. Dank der katholischen Kirchengemeinde St. Marien steht dem Verein ein Raum neben dem „Eine-Welt-Laden“ an der Schleifstiege zur Verfügung. Wer sich dieses „Zweirad-Domizil“ allerdings anschaut, wird schnell feststellen, dass es sehr eng ist und kaum Platz für Reparaturen bietet.

„Ja“, sagt „Zib“-Vorsitzender Dr. Arno Lott: „Es ist sehr eng, wir wünschen uns einen größeren Raum, um einerseits die Fahrräder zu reparieren und gleichzeitig auch mit den Menschen, die uns besuchen, zu kommunizieren.“ Nicht immer herrsche donnerstags schönes Wetter, wenn die Fahrradwerkstatt von 18 bis 19.30 Uhr geöffnet habe und Arbeiten auch vor dem Eingang erledigt werden könnten.

Viele der ausländischen Mitbürger können nicht einmal auf zwei Rädern fahren. Auch dafür hat „Zib“ eine Lösung: „Dann gehe ich mit ihnen auf einen Schulhof und bringe ihnen das Radfahren bei“, berichtet Mechtild Koch-Valley, die gerade vor dem Eingang einem Neubürger zeigt, wie ein Loch in einem Schlauch zu flicken ist. „Diese kleinen Reparaturarbeiten bieten wir zwar an, doch wir möchten, dass die Mieter unserer Fahrräder kleinere Arbeiten selbst ausführen können“, wünscht sich das Team um Hans-Heinrich Hoffmeister. „Dann findet eine kleine Lehrstunde statt, und wir zeigen dem Fahrradbesitzer, wie er diese und jene Reparatur auch selbstständig vornehmen kann“, so der frühere Radrennsportler des TV Friesen. Der Zweiradexperte steht mit seiner „75plus“-Gruppe Woche für Woche mehrere Stunden lang in der Werkstatt. Ihm macht es offensichtlich Spaß und für kleine Scherze ist er immer zu haben: „Arbeit hält jung“, lacht er, um hinzuzufügen, wie wichtig ihm die Zusammenarbeit mit den ausländischen Mitbürgern sei. „Wir sind zu wenige. Wir wünschen uns Mitstreiter, die ebenfalls Lust haben, in unserem Team ehrenamtlich Fahrräder zu reparieren,“ wünscht sich das Team.

500 Fahrräder sind inzwischen fertiggestellt, 300 warten noch auf die „Zulassung“. Ein überschaubares Ersatzteillager trägt dazu bei, das „alte Ungebrauchte“ in „neue Gebrauchte“ verkehrssicher gemacht werden können. „Manchmal kaufen wir auch preiswert Ersatzteile wie Fahrradschellen, Schläuche oder anderes Kleinmaterial dazu“, erklärt Arnold Michels, der für die Registratur zuständig ist. Christiane Hakenes sitzt an ihrem Computer und führt die „Kundenliste“. Denn 300 Fahrräder sind vermietet, und hinterlegt ist jeweils der Name des Mieters.

Die Registrierung ermöglicht es, dass der Besitzer an den beiden Abenden – montags und donnerstags jeweils von 18 bis 19.30 Uhr – die Werkstatt anfahren und sein Rad reparieren lassen kann. Schritt für Schritt lernen die „Kunden“ allerdings auch, wie sie ihr Fahrrad – ob platter Reifen oder defekte Beleuchtung – selber reparieren können. Wenn jemand aber nicht weiter weiß, dann ist die „Zib“-Fahrrad-Crew für ihn da.

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