Benötigt Telgte ein weiteres Hotel?
„Wirtschaftlich nicht darstellbar“

Telgte -

Benötigt Telgte ein weiteres Hotel? Thomas Buschhoff, Vorsitzender des Wirtevereins, sagt nein. Wirtschaftlich sei das nicht darstellbar.

Mittwoch, 04.09.2019, 18:00 Uhr
Sabine und Thomas Buschhoff sehen die pauschale Forderung nach einem weiteren Hotel als falsch an.
Sabine und Thomas Buschhoff sehen die pauschale Forderung nach einem weiteren Hotel als falsch an. Foto: Große Hüttmann

„Telgte benötigt ein weiteres Hotel.“ Thomas Buschhoff , Vorsitzender des Wirtevereins und selbst erfahrener Hotelier, kennt diese pauschale Forderung – die seit Jahren immer mal wieder laut wird. Aber er kann sie fachlich nicht nachvollziehen. Denn: „Wer einigermaßen Ahnung vom Geschäft hat und um die betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten weiß, der wird das nicht sagen“, betont der Telgter.

Zur Untermauerung seiner Aussage greift er zum Taschenrechner. Flink flitzen die Finger über die Tastatur. Denn angesichts von derzeit rund 350 Betten in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen in Telgte ergeben sich auf das Jahr (365 Tage) gerechnet theoretisch über 127 000 Übernachtungskapazitäten am Markt. Und noch eine Rechnung macht der Hotelier auf: Legt man nun die zuletzt in einer IT.NRW-Statistik für Telgte genannten zwischen 32 416 und 24 395 Übernachtungen jährlich in der Emsstadt zugrunde, dann kommt man auf eine Auslastungsquote von um die 20 Prozent. „Hotelberater sehen eine Auslastung von 60 Prozent als notwendig an, damit ein Haus wirtschaftlich geführt werden kann“, erläutert Thomas Buschhoff. Und auch, wenn Pensionen und Ferienwohnungen möglicherweise mit anderen Auslastungsquoten rechnen würden, für Hotels sei das nicht wirtschaftlich.

Keine Frage: „Im Sommer, wenn das Wetter gut ist und viele Radfahrer und Touristen unterwegs sind, wären zusätzliche Betten sicherlich manchmal wünschenswert“, sagt Buschhoff. Aber über das Jahr gerechnet mit den zumeist sehr schwachen Wintermonaten und vor dem betriebswirtschaftlichen Druck, unter dem ein Hotelier heute stehe, sei eine solche Forderung realitätsfern.

Seine Frau Sabine führt noch weitere Gründe an, die in den vergangenen Jahren dafür gesorgt hätten, dass die Situation für die bereits ansässigen Hoteliers nicht einfacher geworden sei. In Münster seien die bestehenden Kapazitäten durch Neubauten deutlich ausgebaut worden, zudem Veranstaltungen wie der Lichter-Weihnachtsmarkt, die an einigen Wochenenden im Winter die Betten gefüllt hätten, längst Geschichte. Dass Wallfahrer in Hotels übernachten oder Radfahrergruppen über mehrere Tage bleiben, auch das sei nicht mehr der Fall. Eine Übernachtung als Zwischenstopp auf dem Emsradweg sei normal, dann gehe es wieder weiter.

„Wir haben in Telgte sowohl gastronomisch als auch bei den Betten ein sehr gutes Angebot“, betont der Vorsitzende des Wirtevereins, das höre er auch immer wieder von seinen Gästen. Seiner Meinung nach müsse es das Bestreben aller Akteure – darunter auch die Stadt – sein, dieses zu stärken und zugleich eine ganzjährige Attraktivität Telgtes im Blick zu haben. „Letztlich profitieren davon am Ende wieder alle“, sagt Buschhoff.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6900128?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F191%2F
Nachrichten-Ticker