Bastian Sick begeistert in Telgte
„Wie gut ist Ihr Deutsch?“

Telgte -

Bastian Sick verstand es bei seinem Auftritt im Telgter Bürgerhaus, Oberlehrer-Attitüden so schelmisch über die Rampe zu bringen, dass sie sich in kollektives Grinsen auflösten.

Freitag, 01.11.2019, 15:00 Uhr
Bastian Sick ist ein professioneller Grammatik-Schlauberger. Mit unzähligen Beispielen von sprachlichen Fehlleistungen wusste er, das Publikum zu begeistern.
Bastian Sick ist ein professioneller Grammatik-Schlauberger. Mit unzähligen Beispielen von sprachlichen Fehlleistungen wusste er, das Publikum zu begeistern. Foto: Zinkant

Wie ist es möglich, dass ein professioneller Grammatik-Schlauberger zum gefragten Entertainer wird? Um das zu verstehen, muss man Bastian Sick erleben. Der Mann, der schon vor 15 Jahren den Dativ als Mörder des Genitivs dingfest machte („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“), begeisterte die Zuhörer im Bürgerhaus auf seine typische Art und Weise. Sick verstand es auch diesmal, Oberlehrer-Attitüden so schelmisch über die Rampe zu bringen, dass sie sich in kollektives Grinsen auflösten.

Das kann durch Einsichten in die oft wenig bekannte Herkunft von Redewendungen geschehen („aus dem Stegreif“) – oder durch bizarre Beispiele wie „Wie viele Busen hat eine dreibrüstige Alien-Dame?“. Am größten war der Spaß immer dann, wenn man gemeinsam mit dem witzigen Deutsch-Kenner über haarsträubende Fehlleistungen anderer ablachen konnte. Das Ganze ging oft nach der Quiz-Methode – immer Sicks neuestem Buch gemäß: „Wie gut ist Ihr Deutsch?“

Warum also schreibt sich „Aus dem Stegreif“ ohne h? Weil es weder mit Stehen noch mit Greifen zu tun hat. Vielmehr ist der Stegreif am Pferdesattel gemeint – und die Redewendung bezieht sich auf frühere Fürsten oder sonstige Wichtikusse, die kurz etwas vom Pferd herab mitteilten, so hastig, dass sie nicht einmal abstiegen. Viele im Publikum wussten das auch, wie sie per Handzeichen bewiesen.

Warum aber die dreibrüstige Alien-Dame nur zwei Busen besitzt, wusste kaum jemand. Sick klärte schelmisch auf: Weil das Wort die Einbuchtung zwischen den Brüsten bezeichnet. Das aber liege an der Schamhaftigkeit früherer Zeiten, als man sexuell konnotierte Dinge noch nicht beim Namen nannte und Wörter unverfänglich fand, die auch in der Naturbeschreibung („Jadebusen“) vorkommen.

Man merkt Bastian Sick den Respekt vor der Sprache an – nicht zuletzt dadurch, dass er seine konsequent nicht „gendert“. Auch legt er Wert darauf, dass kein Markenname wie „eBay“ in der Schreibweise über der Grammatik steht. Er geißelt den grassierenden Wahn der Auseinander-Schreibung, die Bindestriche vermeidet. Diese führt dann zu bizarren Stilblüten, etwa die von Sick präsentierte Werbung: „24 Monate ohne Grund Gebühr“. Da jauchzt der Saal vor Vergnügen. Aber auf sein Lieblingskind, den Genitiv, kommt er natürlich auch. Der werde heutzutage oft vom „Vonitiv“ ersetzt. Was liest man etwa in der Zeitung, wenn ein Kritiker Wladimir Putins erschossen wird? „Kritiker von Putin erschossen.“

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