Landwirtin: Immer mehr Frauen in männlicher Domäne
Hanna erfüllt sich ihren Kindheitstraum

Telgte -

Hanna Richter stammt von einem Bauernhof in Rinkerode und will seit Kindertagen Landwirtin werden. Und an diesem Traum arbeitet die 19-Jährige seit über einem Jahr aktiv. Ihr zweites Ausbildungsjahr absolviert sie im Familienbetrieb Pröbsting und lernt dort alles rund um Haltung, Fütterung und Aufzucht von Kälbern, Rindern und Kühen, sowie das Melken der Kühe.

Samstag, 02.11.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 14:02 Uhr
Hanna Richter (r.) mit ihrem Ausbilder Andreas Pröbsting und ihrer Berufskollegin Ann-Christin Fry (Mitte), die nach ihrer Ausbildung auf dem Hof Pröbsting weiter teilweise mitarbeitet.
Hanna Richter (r.) mit ihrem Ausbilder Andreas Pröbsting und ihrer Berufskollegin Ann-Christin Fry (Mitte), die nach ihrer Ausbildung auf dem Hof Pröbsting weiter teilweise mitarbeitet. Foto: Pohlkamp

So wie Hanna Richter streben immer mehr Frauen den Beruf der Landwirtin an. Die 19-Jährige befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr auf dem Betrieb der Familie Pröbsting in der Bauerschaft Versmar. Gerade ist sie dabei, mit ihrem Ausbilder Andreas Pröbsting die Kühe zu waschen und aufzuhübschen, damit diese am nächsten Tag in Hamm bei der Zuchtviehauktion einen guten Preis erzielen. Hanna Richter ist auf ihrem elterlichen Bauernhof in Rinkerode aufgewachsen. Ihr älterer Bruder bewirtschaftet dort den Familienbetrieb. Auch sie hat sich schon in ihrer Kindheit für die Landwirtschaft begeistert. Daher entschied sie sich schon während ihrer Schulzeit und nach ihrem Fachabitur für eine landwirtschaftliche Ausbildung. Aufgrund ihrer Vorbildung benötigt sie hierfür nur zwei Ausbildungsjahre für jeweils ein Jahr auf zwei verschiedenen anerkannten Bauernhöfen. Das erste Jahr absolvierte sie auf einem Betrieb in Gievenbeck.

Dort lernte sie etwa die Milchwirtschaft kennen und wie die Kühe von einem Melkroboter gemolken werden. Auf dem Hof Pröbsting gibt es dagegen einen Melkstand. Was das bedeutet, erklärt Hanna Richter: „Die Kühe werden morgens und abends gemolken und der Landwirt muss sich persönlich um diesen Arbeitsprozess kümmern.“ Betriebsleiter Andreas Pröbsting sieht hierin einen finanziellen Vorteil und die regelmäßige Tierkontrolle. Nachteil: Man sei an Zeiten gebunden.

Schon als Schülerin absolvierte Hanna Richter ein freiwilliges Praktikum bei der Familie Pröbsting. Während die Auszubildende die Tiere für die Zuchtviehauktion fein macht, fällt es ihr leicht, die Gründe zu nennen, warum sie sich für die Landwirtschaft so stark interessiert und weshalb sie den Beruf ihrer Eltern und ihres Bruders ergreift: „Landwirtin ist ein spannender, vielseitiger und sehr abwechslungsreicher Beruf, der mich mit der Natur- und Tierwelt sowie mit der vielseitigen Technik zusammenbringt.“ Außerdem verlange der Beruf Flexibilität, Durchhaltevermögen und Einfallsreichtum. Hanna Richter ist selbstbewusst und überzeugt, ihren Kindheitstraum zu verwirklichen.

„Auf dem Familienbetrieb Pröbsting lerne ich alles über die Haltung, Fütterung und Aufzucht von Kälbern, Rindern und Kühen, das Melken der Kühe eingeschlossen. Gerade der Umgang mit Tieren ist für mich immer wieder etwas Besonders.“ Schon mehrfach durfte sie bei der Geburt eines Kalbes dabei sein. „Das geht oft nicht ohne Hebamme“, lacht sie und setzt dabei ihre Arbeit fort: „Es ist nie langweilig, es gibt immer etwas zu tun. Dank der Technisierung halten sich die körperlichen Anstrengungen in Grenzen“, sagt die angehende Landwirtin.

Hanna Richter hat als Auszubildende einen geregelten Tagesablauf. Sie wohnt auf dem elterlichen Betrieb in Rinkerode. Tagsüber ist sie bei der Familie Pröbsting, auch an jedem zweiten Wochenende: Um acht Uhr beginnt sie mit dem Füttern der Tiere. Anschließend fährt sie – wie in den Herbsttagen – mit dem Traktor auf die Felder, um die Bodenbearbeitung mit Grubber, Pflug oder Scheibenegge vorzunehmen. Darin hat sie schon gute Erfahrungen gesammelt. Weil Kälber und Rinder auf dem Stroh leben, steht am Vormittag auch Stallarbeit auf dem Programm. Maschinenpflege ist ebenfalls Teil der täglichen Arbeit, vor allem dann, wenn diese im Einsatz waren.

Um 12 Uhr ist Mittag. Dann wird gemeinsam mit der Familie und mit allen Angestellten gegessen. „Das fördert die Kommunikation, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt und ist eine schöne Möglichkeit, über den Tellerrand zu blicken und Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen“, genießt Hanna Richter auch diese Zeit in doppeltem Sinne.

Mit zu den letzten Feldarbeiten vor dem Winter gehört die Maisernte: „Die Silage, die als Rinderfutter dient, fiel in diesem Jahr durchschnittlich aus“, spürt Andreas Pröbsting die Folgen der regenarmen Monate. So muss der Landwirt für die Winterfütterung Silomais vom Nachbarn zukaufen.

Arbeit gibt es dabei trotzdem genug. Vor dem Silieren und vor allem auch danach: Das Silo muss, wenn es gefüllt ist, fachgerecht abgedeckt werden. „Denn“, so erklärt Hanna Richter, „erst mit dem gutem Zudecken entsteht hochwertiges konserviertes Futtermittel für die Tiere.“ Die Tierfütterung beginnt bereits am frühen Nachmittag: 40 Kälber wollen gut versorgt sein, dreimal täglich muss sie so die Jungtiere verpflegen. Um 16.30 Uhr beginnt das Melken der 175 Milchkühe, ein wichtiger Abschnitt in der Ausbildung. In einer tiefer gelegenen Melkgrube kann die landwirtschaftliche Auszubildende nun auf Augenhöhe die Euter der Kühe erreichen. Zunächst wird jede Kuh für das Melken stimuliert. In einem schwarzen Becher kann sie die Milch auf Veränderungen prüfen und erkennen, ob eine Entzündung im Euter vorliegt. „Sollte so etwas mal vorkommen, was selten ist, wird die Kuh extra gemolken und die Milch in einem Extrabehälter gefüllt“, sagt Andreas Pröbsting. Wenn das Melken abgeschlossen ist, werden die Kühe wieder auf die Weide geführt: Übrigens haben alle Kühe einen weiblichen Vornamen. Andreas Pröbsting kennt sie alle, Hanna zunächst nur wenige. „Es ist schon eine große Denksportaufgabe, einzelne Vornamen mit den jeweiligen Tieren zu verbinden.“ In den Ställen erfolgt noch einmal ein Kontrollgang, ob alle Tiere gut versorgt sind. Dann ist für Hanna oft gegen 18.30 Uhr Feierabend und sie fährt heim zum elterlichen Hof.

Die Ausbildung findet jedoch nicht nur auf dem Bauernhof statt: Hanna Richter besucht einmal wöchentlich die Berufsschule am Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg Münster. Dort vertieft sie ihr Wissen: Pflanzliche Erzeugung, Betriebsführung, Tierische Erzeugung und Vermarktung stehen dort auf dem Stundenplan.

Am Wochenende gelten Extrazeiten. Jeden zweiten Sonntag steht für Hanna Melkarbeit an: Von 5 bis 8 Uhr und von 16 bis 19 Uhr sind ihre Arbeitszeiten, an jedem zweiten Samstag ist sie von 5 Uhr bis 12 Uhr bei Pröbsting tätig. Das Aufstehen fällt ihr leicht: „Das habe ich als Kind bereits Tag für Tag erlebt, wenn ich meine Eltern bei der Tierpflege, Stall-, Hof- und Feldarbeit unterstützt habe.“

Was kommt nach der Ausbildung bei der Familie Pröbsting? Hanna Richter: „Dann will ich Agrarwissenschaft in Osnabrück studieren. Landwirtschaft ist so vielseitig und es bietet allerlei Chancen, etwa Betriebsleiterin in einem Betrieb zu werden, in die Forschung zu gehen oder Landwirtschaftspolitik zu betreiben“, sagt die 19-jährige Auszubildende in der Landwirtschaft.

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