Siegfried Hafemann ist leidenschaftlicher Sammler
Der „Uhren-Wunderheiler aus Telgte“

Telgte -

Der Telgter Siegfried Hafemann ist leidenschaftlicher Uhrensammler. Nicht mehr funktionstüchtige Exemplare repariert er selbst.

Samstag, 16.11.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 16.11.2019, 16:03 Uhr
Siegfried Hafemanns große Leidenschaft sind Uhren. Bei ihm sieht es fast so aus wie in einem Museum. Überall im Land hat er sich nach Exemplaren umgeschaut und ist vielerorts fündig geworden.
Siegfried Hafemanns große Leidenschaft sind Uhren. Bei ihm sieht es fast so aus wie in einem Museum. Überall im Land hat er sich nach Exemplaren umgeschaut und ist vielerorts fündig geworden.

Sein Reich ist die Welt der Uhren, seine Räume gleichen einem Uhrenmuseum. Würdevoll stehen und hängen die vielen antiken Stand- und Wanduhren in seinem Hobbyraum neben- und übereinander, erinnern an eine große Vergangenheit. Sie standen einst auf Bauernhöfen in Westfalen oder in Bayern, waren im Privatbesitz oder warteten auf Flohmärkten auf einen Käufer. Bei fast allen Uhren schien eine Reparatur aussichtslos. Auch wollten die früheren Besitzer die historischen Zeitmesser einfach loswerden und freuten sich, in Siegfried Hafemann jemanden gefunden zu haben, der sich für sie interessierte. „Ich habe sie an vielen Orten entdeckt oder angeboten bekommen. Ich habe sie, als sie am Boden lagen und nicht mehr funktionierten, wieder auf die Beine gestellt und alle wieder zum Leben erweckt“, erzählt der Telgter. Kaum zu glauben ist, wenn der 75-jährige Siegfried Hafemann erzählt, wie ihm das gelang.

Seine Kindheit verbrachte er in Ostpreußen. Mit 15 Jahren kam er 1960 mit seiner Familie nach Telgte: Siegfried Hafemann hatte in seinem Berufsleben als Kfz-Mechaniker viele Autos zerlegt und repariert. „Mit 60 Jahren suchte ich eine neue Herausforderung. Eine nicht mehr funktionierende Wanduhr bekam ich geschenkt. Der Besitzer wollte sie nicht mehr haben. An jenem Tag entdeckte ich mein neues Hobby. Daraus entwickelte sich Leidenschaft“, erzählt Hafemann. „Ich begeisterte mich immer mehr für das Innenleben der Uhren. Geduld und Ruhe waren notwendig, um in ganz kleinen Schritten die Funktionsweise der Zeitmesser zu verstehen.“

Der Herr von etwa 230 Exemplaren blickt zurück. Seine erste Wanduhr zerlegte er in Einzelteile: „Ich wollte unbedingt alles über das Herzstück, das Uhrwerk, erfahren. So baute ich sie auseinander, legte jedes Teil nebeneinander, reinigte, polierte, kontrollierte, stellte das Schlagwerk ein und fing an, sie wieder zusammenzusetzen.“ Das gelang ihm nicht direkt, doch mit der Zeit erwarb Siegfried Hafemann ein hohes Maß an Feingefühl für das Reparieren und Restaurieren von Stand-, Wand- und Kuckucksuhren. Immer wieder wurden ihm aus Privatbesitz oder auf Flohmärkten defekte Uhren angeboten, die er erwarb und wieder herstellte. So füllte sich sein privates Museum.

Jede Uhr tickt anders.

Siegfried Hafemann

Gerne erinnert er sich an eine Begegnung mit einer Hiltruper Bürgerin, die nach vergeblichen Anläufen mit ihm die große Hoffnung verband, dass er ihre große Standuhr reparieren könnte. Sie hatte von dem „Uhren-Wunderheiler aus Telgte“ gehört. „Das war für mich eine echte Herausforderung“, gestand er. Stundenlang habe er das Innenleben und vor allem die Gewichte betrachtet. Irgendwann machte es „klick“, und er hatte die Lösung – und die Frau glücklich gemacht.

„Jede Uhr tickt anders“, sagt Siegfried Hafemann und beweist es. Er bringt sie zum Laufen. Und dann wird der Raum minutenlang von Klängen erfüllt, die etwas Konzerthaftes vermitteln: Die eine klingt ganz zart, die andere laut und bestimmt. Und zwischendurch öffnet sich zu jeder Viertelstunde ein Türchen und es ruft irgendwo „Kuckuck“. Auch ein Gongschlag ist zu hören. Dann wird es ganz still. Besinnlichkeit und Ruhe strahlen diese Stand- und Wanduhren aus.

Sammlung aus Platzmangel abgeschlossen

Auf seinem Arbeitsplatz liegt immer das Werkzeug parat, eine Lupe und einige Taschenuhren, die andeuten: „Ich bin noch nicht fertig.“ Daher wünscht sich Siegfried Hafemann, dass er es schafft, auch die letzten Uhren noch zum Ticken zu bringen. Doch seine Sammlung hat er abgeschlossen. Raum und Flur bieten keinen Platz mehr.

Freuen würde er sich, wenn er für die eine oder andere Stand- oder Wanduhr einen Interessenten findet. Schließlich zeigt Siegfried Hafemann auf eine ganz besondere Uhr in seinem „Labor“: Das „Tick-Tack, Tick-Tack“ ist verstummt: Dieses Mal erklingt eine Melodie, ein Weihnachtslied: „Alle Jahre wieder!“ Passend zu den kommenden Tagen.

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