H.G. Butzko im Bürgerhaus
Schlauberger mit Ruhrpott-Jargon

Telgte -

H.G. Butzko wirkte bei seinem Kabarettauftritt im Telgter Bürgerhaus, als wäre ein Soziologiestudent mit Political-Correctness-Fimmel in den Körper eines Bauarbeiters geschlüpft.

Freitag, 17.01.2020, 17:59 Uhr aktualisiert: 19.01.2020, 14:54 Uhr
Der Gelsenkirchener Kabarettist H.G. Butzko war im Bürgerhaus zu Gast.
Der Gelsenkirchener Kabarettist H.G. Butzko war im Bürgerhaus zu Gast. Foto: Zinkant

Wer den Begriff „Kognitive Dissonanz“ verstehen will, sollte sich H.G. Butzko ansehen. Bei dem Gelsenkirchener Kabarettisten erlebt man das den ganzen Abend über. Früher wirkten Ruhrpott-Spötter wie der beste Kumpel des Zechen-Arbeiters, mit Herz und Ohr für dessen Nöte. Butzko aber wirkt, als wäre ein Soziologiestudent mit Political-Correctness-Fimmel in den Körper eines Bauarbeiters geschlüpft – der nun in nöligem Ruhrpott-Jargon Intellektuelles über Sexismus, Rassismus und andere Ismen in den Saal schlauber­gert.

Das war so witzig wie eine Soziologie-Vorlesung an der Bierbude und so lehrreich wie eine Relativitätstheorie für Hilfsschüler. Denn um Relativität geht es bei Butzko immerzu. Keine medialen Aufreger, die der Spötter nicht zu relativieren und in den „richtigen“ Blickwinkel zu nehmen wüsste – seinen. Wer zum Beispiel über mangelnde Integration von Migranten klage, solle sich doch bloß mal klarmachen, dass auch ein waschechter Ostfriese in Oberbayern kaum zu integrieren sei. Oder: Wer sich über 13 totgefahrene Opfer von Dschihadisten echauffiere, möge doch bitte bedenken, dass die totgefahrenen Opfer von Handy-Nutzern am Steuer in die Tausende gingen.

Allerdings versteht Butzko keinen Spaß mehr, wenn er an die maskulin strukturierte deutsche Sprache denkt. Bei Begriffen wie „Frauen-Mannschaft“ oder „herrenloses Damenfahrrad“ kriegt er die Krise.

Insgesamt folgte H.G. (Hans-Günter) Butzko einem Trend, der sich seit Jahren erkennen lässt: Kabarett, das ohne ein einziges Merkel-kritisches Wort auskommt. Wozu auch? Die wahren Verantwortlichen für alle Malaisen hat die Kabarett-Zunft ohnehin woanders ausgemacht – in den Chef-Etagen der Banken und Großkonzerne, wo sinistre Profitmaximierer den Weltenlauf steuern, ohne je gewählt worden zu sein.

Auf diese schießt sich Butzko dann manisch ein, insbesondere auf jene „sozial gestörten“ Silicon-Valley-Bosse, mit denen Butzko und Co. als Schüler nicht bolzen wollten, und die nun mittels perfider Digitalisierung die Jugend in eine drogenähnliche Handy-Sucht versetzen und sie für die Zukunft zu empathielosen Robotern programmieren. Zum „Beweis“ zitiert er leitende Bosse von Apple, Google oder Facebook, welche die Gefahren der Handy-Seuche selber zugegeben hätten. Na dann: Gute Nacht, Zukunft!

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