Knigge-Dinner mit Vier-Gänge-Menü
Kartoffeln niemals zerquetschen

Telgte -

Wie hält man das Besteck korrekt? Wie identifiziere ich einen „Sardinen-Gabel“, und wer darf das Restaurant als erster betreten? Fragen die jüngst beim „Knigge-Dinner“ im Bürgerhaus geklärt wurden.

Montag, 03.02.2020, 06:22 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 13:18 Uhr
Ricarda von Diepenbroick und Edith Plegge erläuterten beim Knigge-Dinner die wichtigsten Regeln beim Essen.
Ricarda von Diepenbroick und Edith Plegge erläuterten beim Knigge-Dinner die wichtigsten Regeln beim Essen. Foto: Arndt Zinkant

Hand aufs Herz: Wer könnte als Normalbürger eine „Sardinen-Gabel“ identifizieren? „Das war die erste Frage in der Ausbildung“, verrieten die Knigge-Expertinnen Ricarda von Diepenbroick und Edith Plegge. Zweck des Utensils sei es, Sardinen oder Sardellen aus dem Topf hinauszubugsieren und das Fett geschickt abtropfen zu lassen. „Nun, nicht jede Gabel braucht man zuhause wirklich“, lächelten die Damen.

Hand aufs Herz: Wer könnte als Normalbürger eine „Sardinen-Gabel“ identifizieren? „Das war die erste Frage in der Ausbildung“, verrieten die Knigge-Expertinnen Ricarda von Diepenbroick und Edith Plegge. Zweck des Utensils sei es, Sardinen oder Sardellen aus dem Topf hinauszubugsieren und das Fett geschickt abtropfen zu lassen. „Nun, nicht jede Gabel braucht man zuhause wirklich“, lächelten die Damen.

Auf Knigge ist Verlass

Zu Lächeln gab es einiges an diesem lehrreichen Abend über Umgangsformen, an dem es auch ein Vier-Gänge-Menü des Restaurants „Mittendrin“ zum Eintrittspreis dazu gab. Motto: „Herr Knigge isst mit“. Denn auf den feinen Freiherrn, dessen Standardwerk 1788 erschien, ist nach wie vor in erstaunlichem Maße Verlass. Man muss die Knigge-Kniffe eben nur beherrschen – so wie Ricarda von Diepenbroick und Edith Plegge, welche die Stilsicherheit mit ihrer Firma „Stilgenau“ in Tecklenburg an den Tischherrn und die Tischdame bringen. 40 davon hatten sich an zwei langen Tafeln im Bürgerhaus Telgte versammelt und lauschten zwischen den Menü-Gängen aufmerksam den Ausführungen und stellten auch Fragen.

Die Tücken beginnen bereits mit der korrekten Drapierung des Bestecks. „Die Messerschneide zeigt stets auf einen selbst und nie zum Tischnachbarn – damit diesem klar ist: Er hat keinen Feind am Tisch.“ Da merkt man der Sitte Alter, denn dies gehe auf Ludwig XVI. zurück, in dessen unpazifistischen Zeiten die Messer noch spitze Klingen hatten.

Weder „Forke“ von „Sezier-Besteck“ ist gefragt

„Und wie hält man das Besteck korrekt?“ wurde gefragt. Weder als „Forke“ noch als „Sezier-Besteck“ wie beim Chirurgen. Das Zerquetschen der Kartoffel sei im guten Restaurant ebenso tabu, wie zerstückelte Spaghetti – bitte auch nicht im Löffel drehen – für für den „Italiener“ einen Affront darstellen. Die kulturellen Andersartigkeiten ausländischer Küche beim Essen mitzudenken, sei einfach eine Frage der Höflichkeit.

Natürlich sind die Modalitäten zwischen Mann und Frau im Fluss, aber insgesamt erstaunlich konstant. Nach wie vor betrete der Mann zuerst das Restaurant, um das Lokal (früher meist eine dunkle Spelunke) für „sie“ als Beschützer in Augenschein zu nehmen.

Übrigens: Die Rauchpausen sollten während des Essens möglichst unterbleiben, wissen die Expertinnen. nicht zuletzt aus Rücksicht aufs Personal, das ohnehin die Wartezeiten geschickt ausbalancieren müsse. Diese Regel wurde als einzige missachtet, als ein Nikotin-Jünger sich grinsend erhob: „Ich geh’ jetzt mal eine rauchen.“

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