DHL will nur ein Drittel des Wertes erstatten
Pakete sind verschwunden

Telgte -

In der Vorweihnachtszeit haben die Paketdienste viel zu tun. Wenn jedoch gerade ein Weihnachtspaket verschwindet, ist das für die Betroffenen gleich doppelt ärgerlich. So geschehen bei Wolfgang Engbert und Lena Dhaliwal. Obwohl die Päckchen versichert waren, will der Paketdienst nur ein Drittel erstatten.

Montag, 03.02.2020, 06:12 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 13:18 Uhr
Traurig – aber wahr: Wolfgang Engbert und Lena Dhaliwal werden ihre Ende November in der Poststelle Telgte aufgegebenen Pakete wohl nicht wiedersehen.
Traurig – aber wahr: Wolfgang Engbert und Lena Dhaliwal werden ihre Ende November in der Poststelle Telgte aufgegebenen Pakete wohl nicht wiedersehen. Foto: Pohlkamp

Die Post hatte in der Adventszeit alle Hände voll zu tun. Etwa elf Millionen Pakete musste die DHL Paket GmbH in der Adventszeit täglich ausliefern. Da bleibt auch schon mal etwas auf der Strecke. Nicht alles läuft rund. Wolfgang Engbert und Lena Dhaliwal können davon ein „Lied singen“.

Pakete erreichen ihr Ziel nicht

Am letzten Novemberfreitag 2019 hatte Wolfgang Engbert ein Paket im Orkotten für seinen Sohn in Wien aufgegeben. Viele schöne Weihnachtsartikel im Werte von etwa 160 Euro befanden sich darin. 22,99 Euro kostete der Versand. Seine Tochter Lena hatte ein Kinderkleid für einen Internetverkauf bereits am Vorabend als Paket aufgegeben. Beide Pakete – mit 500 Euro versichert – befanden sich im selben Paketfahrzeug. Sie erreichten das DHL-Paketzentrum in Greven nicht – und ihre Ziele damit auch nicht.

Bei der Sendungsverfolgung im Internet sah es nach dem Sendungsverlauf so aus, dass sich Engberts Pakete weiterhin in der Poststelle Telgte befinden. Drei Tage später wollte Wolfgang Engbert wissen, was aus seinem Paket geworden sei. Auf Nachfrage erfuhr er in der Poststelle, dass sein Paket mit weiteren rund 300 Paketen in einem Paketwagen verladen worden sei und Telgte verlassen habe. Er erhielt Kontaktdaten und die Empfehlung, sich direkt in Bonn zu beschweren.

Nachforschung eingeleitet

„Das habe ich am selben Tag getan. Ich habe das Telefonat mit der DHL-Mitarbeiterin dann so verstanden, dass auch eine Nachforschung eingeleitet wird. Erst bei einem weiteren Telefonat, das ich dann eine Woche später führte, wurde mir erläutert, dass ich noch einen Nachforschungsauftrag erteilen müsse, was ich dann am gleichen Tag erledigt habe. Ich bin insbesondere über das Verhalten der DHL enttäuscht. Zusagen wie Rückrufe und selbstgesetzte Bearbeitungszeiten wurden nicht eingehalten“, beklagte sich Engbert. Die gesamte Bearbeitung bezeichnet der Telgter als intransparent.

Nachdem der Nachforschungsantrag gestellt worden war und der Verbleib der beiden Pakete nicht nachgewiesen werden konnte, vergingen weitere Wochen.

Wolfgang Engbert kann jedem Mitbürger, der ein Paket bei der Post abgibt, nur empfehlen, vor der Aufgabe eines Paketes exakt zu prüfen: „Wie wichtig ist mir der Inhalt, habe ich eine Rechnung zu den Produkten im Paket oder schließe ich mit der Paketaufgabe besser noch eine weitere Transportversicherung ab?“

Von Rainer Ernzer von der Pressestelle in Düsseldorf war zu erfahren, dass am letzten Novemberwochenende eine nicht genannte Zahl an Paketen nicht beim Empfänger angekommen sei. „Wie viele kann ich derzeit nicht sagen. Unsere internen Ermittlungen laufen“, so der Pressesprecher, der ergänzt: „Hier scheint etwas nicht normal gelaufen zu sein. Was daraus wird, können wir nicht sagen. Wir ermitteln.“

Dafür zeigt Wolfgang Engbert ja noch Verständnis, nicht jedoch für die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde und wie die DHL jetzt den Schaden mit 50 Euro zuzüglich der angefallen Paketgebühren erstatten will. In Rechnung gestellt hatte Wolfgang Engbert 159,45 Euro. Den gesamten Inhalt hatte er mit den damit verbundenen Kosten aufgelistet. Nur ohne Belege. Den Wert des Paketinhaltes erhält der Telgter nicht erstattet. Es fehlen die Rechnungen. Rainer Ernzer antwortet auf die Frage, was der Geschädigte vorlegen müsse, um den Gegenwert des Paketinhaltes erstattet zu bekommen: „Wir haften für den unmittelbaren Schaden. Dieser muss belegt sein, etwa durch Kassenbon, Kaufvertrag oder durch einen Nachweis auf Kontoauszügen.“

Zwei Firmensendungen verschwunden

Wie die Westfälischen Nachrichten aus sicherer Quelle erfuhren, sollen am letzten Novemberwochenende zwei komplette Firmensendungen verschwunden sein. Dabei soll es sich jeweils um 200 Pakete gehandelt haben. Ernzer mochte die Schadenshöhe derzeit nicht bestätigen: „Wir prüfen und ermitteln.“

Grundsätzlich haftet die DHL Paket GmbH für DHL-Pakete beim deutschlandweiten Versand gegen Verlust oder Beschädigung bis 500 Euro entsprechend den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Der Schadensersatz erfolgt auf Basis der vereinbarten Haftung. Bei Wahl des Services „Transportversicherung“ regelt sich der Schadensersatz nach dieser.

Für besonders wertvolle Sendungen bietet die DHL eine Transportversicherung bis 2500 Euro (+ sieben Euro zusätzlich zum Paketpreis) oder 25 000 Euro (+ 18 Euro zusätzlich zum Paketpreis) an.

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