Karl-Heinz Greiwe ist erster stellvertretender Bürgermeister
Viel mehr als nur der „Grußonkel“

Telgte -

Seit 2009 ist Karl-Heinz Greiwe erster stellvertretender Bürgermeister. Er nimmt Termine wahr, die Bürgermeister Wolfgang Pieper nicht schaffen würde. Greiwe gratuliert bei Geburtstagen und Firmenjubiläen, ist aber auch schon mal bei Ausstellungseröffnungen oder Gedenkveranstaltungen anzutreffen. Im Gespräch äußert er sich auch dazu, ob er nach der Kommunalwahl weitermacht – oder nicht.

Mittwoch, 12.02.2020, 19:43 Uhr aktualisiert: 12.02.2020, 19:50 Uhr
Seit 2009 ist Karl-Heinz Greiwe Telgtes erster stellvertretender Bürgermeister.
Seit 2009 ist Karl-Heinz Greiwe Telgtes erster stellvertretender Bürgermeister. Foto: Flockert

„Zum großen Teil ist das auch so, dass man der Grußonkel ist“, sagt Karl-Heinz Greiwe , ohne das auch nur im geringsten schlimm zu finden, auf die Frage, ob ein stellvertretender Bürgermeister – wie von vielen behauptet – nur zum Händeschütteln da ist. Seit 2009 hat er den Posten des ersten stellvertretenden Bürgermeisters inne. Erster Stellvertreter deshalb, weil er der stärksten Ratsfraktion, der CDU , angehört. Zweite Stellvertreterin ist die Grüne Tatjana Scharfe.

„Wir haben mit Wolfgang Pieper abgesprochen, dass wir die Geburtstage und Firmenjubiläen übernehmen. Aber wir sind auch bei offiziellen Terminen wie Ausstellungseröffnungen oder bei den Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag. Wir machen alles das, wo der Bürgermeister nicht da ist.“ Zunächst werde er, so Greiwe, als erster Stellvertreter gefragt. Aber eigentlich stimme er sich immer mit Tatjana Scharfe ab. Als Rentner habe er doch deutlich mehr Zeit als seine Kollegin. Deshalb könne er mehr Termine übernehmen als die Grünen-Ratsfrau. „Wir ergänzen uns gut. Wenn der eine nicht kann, fährt der andere hin.“

Bei ihm selbst sei das in den ersten Jahren auch deutlich schwieriger gewesen, als er in seinem Installationsbetrieb noch voll habe arbeiten müssen.

Wir machen alles das, wo der Bürgermeister nicht da ist.

Karl-Heinz Greiwe

Genau kann er sich an seinen Start als erster stellvertretender Bürgermeister erinnern. Es war das Jahr 2009, als in Telgte ein ziemliches politisches Chaos herrschte. Erst waren 600 Wahlzettel geschreddert worden, bei der Neuwahl vier Monate später scheiterte der amtierende Bürgermeister Dietrich Meendermann (CDU) – ohne Gegenkandidat – an knapp 40 fehlenden Stimmen.

Telgte stand ohne hauptamtliches Stadtoberhaupt da. „Da war ich auf einmal sozusagen Bürgermeister“, lacht Greiwe. Bis zum dritten Urnengang im Mai 2010, als sich Wolfgang Pieper gegen den SPD-Mann Ingo Deitmer durchsetzte, hatte er zusammen mit dem kommissarischen Verwaltungschef Heribert Schönauer viele Entscheidungen zu treffen. „Für den Bau eines neuen Pumpwerks in Westbevern musste ich für 80 000 Euro unterschreiben“, wird er nie vergessen. Neben seinem regulären Job sei das eine stressige Zeit gewesen. „Aber das hat auch richtig Spaß gemacht. Ich habe viel über die Verwaltung gelernt.“

Zukunft noch offen

Noch offen lässt er, ob er für den Posten auch nach der Kommunalwahl am 13. September zur Verfügung steht. Zum einen hänge das natürlich davon ab, ob seine Partei ihn aufstelle. Zum anderen werde er im April 71. Und neben der Ratsarbeit habe er mit dem Vorsitz bei der Seniorenunion Telgte/Westbevern und bei der Kreis-Seniorenunion weitere Posten, die ebenfalls Zeit kosteten. „Ich muss endlich Herr meiner Zeit werden“, erzählt er. „Ich mach‘s gerne. Aber ich bin bis auf zwei Tage die Woche immer unterwegs.“ Deshalb müsse er sich von seiner Frau auch schon mal anhören: „Du kriegst nicht mal den Rasen gemäht.“

Die schönsten Termine sind für ihn goldene und diamantene Hochzeiten, aber auch Geburtstage. „Da trifft man Leute wieder, die man jahrelang nicht gesehen hat.“ Bei manchen dieser Termine würden die Jubilare der Stadt auch schreiben: „Herr Greiwe gewünscht.“

Vor jedem dieser Termine muss er sich etwas einfallen lassen. Mal ist es ein kurzes Grußwort, manchmal spricht er auch fünf bis zehn Minuten. „Je nachdem, wie man drinsteckt.“

Ums Geld geht’s nicht

Als stellvertretender Bürgermeister erhält man den dreifachen Satz eines Ratsmitgliedes als Salär. „Aber ums Geld geht‘s überhaupt nicht. Wenn man den ganzen Aufwand zusammenzählt, dann ist da sogar ein Zusatzgeschäft. Es geht einfach darum, dass man Spaß daran hat.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7255727?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F191%2F
Preußen erhalten neuen FLVW-Preis für Zivilcourage
Leroy Kwadwo (l.) wird hier von Marco Königs getröstet.
Nachrichten-Ticker