Biogasanlage zur Energiegewinnung auf dem Hof Hertleif
Strom und Wärme komplett hausgemacht

Telgte -

Die Klinik Maria Frieden erhält seit vielen Jahren vom 500 Meter entfernten landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Hertleif die Wärme fürs ganze Haus und fürs Schwimmbad.

Samstag, 29.02.2020, 11:50 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 14:08 Uhr
Johannes und Antonius Hertleif stehen in ihrem hofeigenen Kraftwerk, das die Wärme auch zur 500 Meter entfernten Klinik Maria Frieden befördert.
Johannes und Antonius Hertleif stehen in ihrem hofeigenen Kraftwerk, das die Wärme auch zur 500 Meter entfernten Klinik Maria Frieden befördert. Foto: Bernd Pohlkamp

Seit zwölf Jahren erhält die Klinik Maria Frieden vom 500 Meter entfernten landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Hertleif die Wärme fürs ganze Haus und fürs Schwimmbad.

Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb – in Sichtweite zum Krankenhaus gelegen – befinden sich große Tanks. Darin schwappen Gülle, Maissilage und andere nachwachsende Rohstoffe. Mikroorganismen verdauen diesen „Cocktail“ unter Luftabschluss und setzen dabei Biogas frei. Aus dem Gas, das sich in der Biogasanlage entwickelt, wird sowohl Strom als auch nutzbare Wärme gewonnen.

Das gereinigte Biogas treibt den Motor des Blockheizkraftwerks an. Bei einer Temperatur von 42 Grad entsteht Methangas. Damit wiederum wird der Motor angetrieben. Dadurch entstehen elektrische Energie und Wärme. Etwa ein Drittel der Wärme fließt zurück in die Biogasherstellung. Mit dem verbleibenden Überschuss werden landwirtschaftliche Produkte wie Getreide oder Holz getrocknet. Einen Großteil erhält zudem die Klinik Maria Frieden: Das sind jährlich rund 1,2 Millionen Kilowattstunden. „Das entspricht umgerechnet etwa 120 000 Litern Heizöl“, weiß Johannes Hertleif.

Im Vordergrund steht jedoch die Erzeugung von Strom: Mit der Biogasanlage erzielt die Hertleif-Biogas OHG eine jährliche Leistung von etwa 2,1 Millionen Kilowattstunden. Das reicht nach Einschätzung der Betreiber für etwa 400 Durchschnittshaushalte.

Diese Energie wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist und steht dem allgemeinen Energiemarkt zur Verfügung. Johannes Hertleif, der staatlich geprüfter Agrar-Betriebswirt ist, erklärt wie der Wärmeaustausch mit der Klinik abläuft: „Der Motor in unserem kleinen Kraftwerk wird sehr warm. Diese Abwärme nutzen wir dafür, das Wasser auf 85 Grad zu erhitzen. In den Sommermonaten sind es sogar 90 Grad. Diese Wasserwärme wird über eine Leitung bis zur Klinik Maria Frieden transportiert.“

Die 500 Meter lange Leitung besteht aus stark gedämmten Kunststoffrohren mit einem Durchmesser von 70 Millimetern. Durch die gute Dämmung bleibt der Wärmeverlust sehr gering. „Im Keller der Klinik wird die Wärme des Wassers über einen Wärmetauscher in das Heizungssystem des Hauses und des Schwimmbades eingeleitet“, erläutert Johannes Hertleif.

Das Wasser wird durch diesen Prozess auf 60 Grad abgekühlt und fließt über eine zweite Leitung zurück zur Biogasanlage. So ist der Kreislauf geschlossen. Stündlich werden im Kraftwerk 250 Kilowatt elektrische Leistung und 240 Kilowatt thermische Leistung produziert.

Dadurch entstehen erneuerbare Energien. Die Familie Hertleif trage so dazu bei, dass die Energieversorgung „auf eine ökologisch verträgliche Stufe gestellt wird“, heißt es. Sie leiste einen Beitrag zum Klimaschutz.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7300605?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F191%2F
Nachrichten-Ticker