Johannes Schröder begeistert das Publikum im Telgter Bürgerhaus
Ein echter Schlauberger

Telgte -

Johannes Schröder begeisterte das Publikum im Telgter Bürgerhaus mit seinem Programm unter dem Thema „World of Lehrkraft – ein Trauma geht in Erfüllung“.

Sonntag, 01.03.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 17:08 Uhr
Johannes Schröder wusste im Bürgerhaus mit einer rasanten Wortspiel-Achterbahn zwischen Schelmerei und Schlaubergerei zu überzeugen.
Johannes Schröder wusste im Bürgerhaus mit einer rasanten Wortspiel-Achterbahn zwischen Schelmerei und Schlaubergerei zu überzeugen. Foto: Arndt Zinkant

Als sich der Spötter mit Lehrbefugnis und der Optik eines gealterten Schülersprechers auf die Bühne begab, waren sofort ein paar gallige Selbstbeschreibungen fällig: „Korrekturen-Sohn“ hatten ihn die eigenen Schüler in Form eines Tafelwitzes getauft. Er selbst verortet sein Leben indes am „Korrekturrand der Gesellschaft“, und überhaupt sei er ein Beamter „mit Frustrationshintergrund“. Da wusste der Saal sofort Bescheid, wohin es gehen sollte: Auf eine rasante Wortspiel-Achterbahn zwischen Schelmerei und Schlaubergerei.

„World of Lehrkraft – ein Trauma geht in Erfüllung“ – selten brachte ein Titel seinen Inhalt besser auf den Punkt als am Freitagabend bei dem Auftritt von Johannes Schröder im Bürgerhaus.

Das erinnerte an den ebenfalls „pädogischen“ Auftritt von Grammatik-Kenner Bastian Sick – allerdings weniger bildungsbeflissen, dafür etwas witziger. Was Johannes Schröder aus zwölf Jahren Schuldienst komödiantisch gezimmert hatte, machte dem Publikum im gut besuchten Bürgerhaus Telgte viel Spaß.

Was nicht zuletzt daran lag, dass der Comedy-Pauker den Saal umgehend zu seiner „Klasse“ umdefinierte. Nicht nur, dass er sich ausbat, mit einem lauten „Guten Morgen, Herr Schröder!“ begrüßt zu werden „Bitte mehr gedehnte Langeweile in der Stimme!“ Er hatte zudem ruckzuck im Publikum einige Kollegen ausfindig gemacht, die im Folgenden per Du für so manchen Spruch herhalten mussten.

Da wäre zum Beispiel Horst, der ebenso wie Schröder Deutschlehrer ist und ebenso das „Treffen in Telgte“ nie gelesen hat. Oder auch Kollege Hermann („Hast du dein Denkmal dabei?“). Auf der Schülerseite befand sich dagegen Ida aus der siebten Klasse mit dem Lieblingsfach Pause.

Ziemlich schnell war klar: Hier bleibt der Ernst des Lebens außen vor. Johannes Schröder suchte zwischen Tafelkreide und Cordjackett das Heitere und Augenzwinkernde in den Bildungseinrichtungen der Republik – und fördert Wortspiele am laufenden Band zutage.

Das eigene Mathematik-Trauma erscheint ihm als „Algorithmus-Störung“, und die syrischen Schüler nannte er in seinem Programm neckisch seine „Fluchtzwerge“.

Dennoch gibt es hin und wieder kleine Tiefenbohrungen. Etwa, wenn Schröder es zu Recht bedenklich findet, dass ein Ministerpräsident wie der Grüne Winfried Kretschmann korrekte Rechtschreibung in Zukunft „klugen Geräten“ anvertrauen will. Oder wenn er moniert, dass selbst berühmte Romane mittlerweile als 15-Minuten-Podcast offeriert werden. Da wird aus Effi Briest im Handumdrehen „Effizient“.

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