Familie Toonen überbrückt Schulschließung mit Homeoffice
Mit dem Nachwuchs zur Arbeit

Telgte -

Die Schulen geschlossen und Großeltern fallen als Betreuungshilfe ebenfalls aus. Die Corona-Krise hat viele Familien kalt erwischt und es galt spontan und flexibel zu reagieren. Familie Toonen aus Telgte konnte die Betreuung der sechsjährigen Tochter dank Homeoffice organisieren. Dennoch keine leichte Aufgabe.

Montag, 23.03.2020, 07:53 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 13:54 Uhr
Wie so viele Familien, mussten sich Jana, Maja und Christian Toonen plötzlich
Wie so viele Familien, mussten sich Jana, Maja und Christian Toonen plötzlich Foto: privat

Relativ kurzfristig musste sich die Familie Toonen am Freitagnachmittag vor einer Woche etwas einfallen lassen. Denn Jana und Christian Toonens sechs Jahre alte Tochter Maja würde nun für fünf Wochen zu Hause sein. Wie sie sich organisiert haben, erzählen die Telgter am Telefon.

Aufgrund der Corona-Krise haben alle Schulen in Nordrhein-Westfalen erst einmal für fünf Wochen geschlossen. Somit auch die Telgter Marienschule, in der Maja unterrichtet wird. Und vom einen auf den anderen Tag musste sich die Familie umstellen. Theoretisch hätte Maja am Montag und Dienstag noch in der Grundschule betreut werden können. Danach war endgültig Schluss.

Jana Toonen arbeitet in der Buchhaltung des Autohauses Ausber in Telgte und ihr Mann Christian als Zahntechniker in Warendorf bei Preckel und Carneim. Da sich keine andere Möglichkeit bot, nahm er seine Tochter am Montagmorgen erst einmal mit zur Arbeit. Doch das Betreuungsproblem hat sich schnell gelöst: „Mein Chef hat gesagt, dass er so wenige Leute im Autohaus haben möchte wie möglich“, sagt Jana Toonen. Sie arbeitet nun vorerst im Home-Office und kann so zuhause auf Maja aufpassen.

Trotzdem ist das Ganze nicht mit normaler Arbeit zu vergleichen, denn die Mutter schafft natürlich weniger als sonst. Zwar hat die Sechsjährige Aufgaben von ihrer Schule, aber die schaffen in der Regel nur Beschäftigung für zwei Stunden. „Ich habe einerseits ein schlechtes Gewissen dem Kind gegenüber, aber auch dem Arbeitgeber. Aber mein Chef ist sehr entgegenkommend“, betont die 38-Jährige.

Bisher klappt noch alles ganz gut bei dem guten Wetter. So kann die Familie viel draußen unternehmen. Beispielsweise mit dem Hund gehen. Und Maja kann sich für eine gewisse Zeit sehr gut selber beschäftigen. „Sie hat viel Fantasie“, so Jana Toonen.

Das Problem der Kinderbetreuung haben alle Familien, auch die, die bei der Telgter Stadtverwaltung arbeiten. „Es gibt etwa zwei Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kindern bis zum zwölften Lebensjahr. Zur Zeit versuchen die betreffenden Kollegen, individuelle Betreuungslösungen zu organisieren. Einige davon mussten aus diesem Grunde Anfang der Woche zunächst zuhause bleiben“, sagt Telgtes Bürgermeister Wolfgang Pieper auf Anfrage.

Die Stadt versucht natürlich weitestgehend, ihre Mitarbeiter in dieser Situation zu unterstützen: „Selbstverständlich sind wir bemüht, die betreffenden Kollegen zu unterstützen, damit diese besondere Herausforderung gemeistert werden kann“, betont Wolfgang Pieper. Am Montag hat die Stadtverwaltung mit dem Personalrat und der Gleichstellungsbeauftragten vereinbart, dass Mitarbeiter mit Kindern bis zum zwölften Lebensjahr ohne Gehaltskürzungen vorläufig bis zu 30 Prozent ihrer Wochenarbeitszeit aus Gründen der Kinderbetreuung nutzen können. „Durch eine Ausweitung der Gleitzeitregelungen möchten wir darüber hinaus mehr Flexibilität geben, um den Anforderungen an die dienstlichen Aufgaben und die Kinderbetreuung besser gerecht werden zu können“, so der Bürgermeister.

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