Museumsarbeit am Beispiel Religio
Viel mehr als nur Ausstellungen zeigen

Telgte -

Was macht ein Museum, wenn die Türen für den Besucherverkehr geschlossen sind? Die Arbeiten und Aufgaben umfassen sehr viel mehr als nur Ausstellungen zeigen. Das zeigt das Beispiel Museum Religio sehr deutlich.

Mittwoch, 03.06.2020, 10:08 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 16:10 Uhr
Eine Krippensammlung vor der Sichtung: Für jedes Objekt benötigt das Museumsteam ungefähr ein bis zwei Stunden Arbeit.
Eine Krippensammlung vor der Sichtung: Für jedes Objekt benötigt das Museumsteam ungefähr ein bis zwei Stunden Arbeit. Foto: Museum Religio

Was macht ein Museum, wenn die Türen für den Besucherverkehr geschlossen sind? „Es gibt für uns vielfältige Aufgaben“, sagt Anja Schöne , die Leiterin des Museums Religio. „Die Kernaufgaben von Museen sind Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln.“

In den vergangenen zehn Jahren sind mehrere Krippensammlungen ins Museum gekommen. Sie umfassen teilweise mehrere hundert Krippen. Nun erfolgt die Sichtung der einzelnen Objekte. Es wird geprüft, ob sich vergleichbare Krippen bereits in der Sammlung befinden. Falls es sich um Stücke handelt, die das Museum noch nicht besitzt, die künstlerisch wertvoll sind oder mit einer besonderen Geschichte verbunden sind, dann geht es in mehreren Arbeitsschritten weiter.

Ausführlich beschreiben

Sie bekommen eine Inventarnummer, werden ins Eingangsbuch aufgenommen, werden in der Datenbank des Museums ausführlich beschrieben und werden fotografiert. Krippenfiguren bekommen alle einzeln eine Inventarnummer, die an unsichtbarer Stelle auf die Figuren geschrieben wird. Dann werden sie sorgfältig verpackt – meist in säurefreies Papier – und in Archivkartons aufbewahrt. Für jedes Objekt benötigt das Museumsteam ungefähr ein bis zwei Stunden Arbeit.

Großzügige Förderung

Bei der Sichtung wird auch entschieden, welche Objekte restaurierungsbedürftig sind. In diesem Fall wird die Restaurierung in die Wege geleitet. „Wir konnten die Museumsschließung gut nutzen, um uns einmal konzentriert diesen Aufgaben zu widmen, für die im Museumsalltag sonst weniger Zeit ist. Für diese Arbeit wurde sogar zusätzliches Personal benötigt“, sagt die Museumsleiterin. Finanziert werde diese Arbeit mit „großzügiger Förderung“ vom LWL-Museumsamt für Westfalen.

Aktuell drei Ausstellungen

Ein weiterer Arbeitsbereich ist die Vorbereitung von Ausstellungen. Oftmals wird unterschätzt, wie lange diese dauert. Aktuell betrifft das drei Projekte: Die 80. Krippenausstellung, eine Ausstellung zum jüdischen Pessachfest und die Ausstellung „Geld und Glaube“. Zur Krippenausstellung gehen gerade die Anmeldungen ein, für die Pessach-Ausstellung werden die Förderanträge gestellt und bei „Geld und Glaube“ ist der Begleitband kurz vor der Drucklegung. Alle Ausstellungen werden von Vermittlungsangeboten begleitet.

„Dieser Blick hinter die Kulissen zeigt sehr deutlich, dass Museumsarbeit sehr viel mehr ist als Ausstellungen zeigen“, sagt Kulturvermittlerin Simone Müller. „Trotzdem freuen wir uns, dass wir wieder geöffnet haben und die Menschen unser Museum besuchen können.“

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