Unbezahlbares Engagement des Heimatvereins
274 Sitzbänke in Betreuung

Telgte -

Karl Berger, Klaus Odendahl und Konrad Runde vom Telgter Heimatverein verschönern die Stadt seit Jahren mit Sitzbänken. Das 50. Exemplar verlässt in dieser Woche ihre Werkstatt in Raestrup. Insgesamt kümmert sich der Heimatverein um den Erhalt und die Instandsetzung von 274 Bänken.

Montag, 15.06.2020, 19:01 Uhr aktualisiert: 16.06.2020, 13:32 Uhr
Sechs neue, schwere und stabile Sitzbänke mit Gusseisenfüßen werden in dieser Woche vom Heimatverein durch den Bauhof neu aufgestellt. Über ihr gelungenes Werk freuen sich (v.l.) Konrad Runde, Karl Berger und Klaus Odendahl. Kleines Bild: Karl Berger und Klaus Odendahl in der Werkstatt. Eine marode Sitzbank liegt auf dem „OP-Tisch“ und muss behandelt werden.
Sechs neue, schwere und stabile Sitzbänke mit Gusseisenfüßen werden in dieser Woche vom Heimatverein durch den Bauhof neu aufgestellt. Über ihr gelungenes Werk freuen sich (v.l.) Konrad Runde, Karl Berger und Klaus Odendahl. Kleines Bild: Karl Berger und Klaus Odendahl in der Werkstatt. Eine marode Sitzbank liegt auf dem „OP-Tisch“ und muss behandelt werden.

Ein kleines Jubiläum feiern Karl Berger , Klaus Odendahl und Konrad Runde vom Heimatverein Telgte in dieser Woche. Die 50. nagelneue Sitzbank verlässt die Werkstatt des Heimatvereins.

Seit sechs Jahren verschönern die Heimatfreunde ihre Heimatstadt und die Grünanlagen mit Sitzbänken. Sie restaurieren bestehende Bänke und produzieren auch neue Sitzgelegenheiten. „Bevor wir vor sechs Jahren begonnen haben, hat uns der Anblick durch Vandalismus beschädigter oder verschmutzter Parkbänke gestört. Zudem haben wir an vielen Stellen Sitzgelegenheiten vermisst“, sagen die Mitglieder des Heimatvereins, die vor ihrer Werkstatt auf einem ehemaligen Bauernhof in Raestrup bei einem kühlen Getränk und mit Abstand die Fertigstellung von gleich sechs neuen Sitzbänken feiern.

Sie erinnern sich noch daran, wie alles begann. „Handwerkliches und organisatorisches Talent hatten wir.“ Allen voran Karl Berger und Klaus Odendahl. Die räumlichen und technischen Voraussetzungen waren ebenfalls vorhanden. „Also setzten wir uns hin, gründeten einen Arbeitskreis, holten uns einen Stadtplan und begannen zu planen. 2014 haben wir eine Vereinbarung mit der Stadt Telgte geschlossen“, so Organisator Konrad Runde. Diese betrifft die Pflege und Unterhaltung der Sitzbänke. Dafür übernimmt der Heimatverein Telgte die Verantwortung. Die Abmachung entlastet sowohl die Stadt als auch den Bauhof deutlich – und nimmt den Heimatverein in die Pflicht.

Die „Sitzbankspezialisten“ nehmen sich jede einzelne Bank vor. Das sind immerhin bereits 274 in Telgte. Etwa 3200 Stunden haben sie ehrenamtlich damit verbracht, dieses Vorhaben erfolgreich zu gestalten. Stolz dürfen sie sein, wenn in dieser Woche bereits die 50. nagelneue Sitzbank durch den Bauhof aufgestellt wird. Nach dem Vorbild des Westbeverner Krink ist jede Bank auch mit einer Nummernplakette versehen. So können Verunglückte oder Verunfallte Rettungskräften mitteilen, wo sie sich genau befinden. „Wir haben ein Bank-Kataster mit genauen Koordinaten erstellt, auf dem jeder Standort der 274 Bänke gelistet ist“, erzählt Runde.

Doch mit einer Herausforderung werden sie allein nicht fertig. „Wir sind alle um die 80 und suchen Nachwuchs“, weist das Trio auf den personellen Engpass hin. „Wir freuen uns, wenn jüngere Telgter im Rentenalter mit handwerklichem Geschick Spaß haben und bei uns mitmachen.“ Die Aufgaben werden nicht weniger, denn in der Werkstatt warten bereits weitere beschädigte Bänke darauf, restauriert und stabilisiert zu werden.

Rückschläge erleidet das Trio immer wieder einmal. So berichten sie: „Nachdem wir 30 neue Eisenbänke entlang der Ems, im Pappelwald, beidseitig der Ems in den Emsauen, in Grünanlagen und um Maria Frieden fertig- und aufgestellt hatten, wurde die Bank mit der Nummer 117 entwendet.“

Inzwischen werden alle Bänke mit einem stabilen Grundgerüst ausgestattet, sodass Diebstahl unmöglich wird. Aus der Alltagsarbeit berichten die drei Telgter, dass sie im November vergangenen Jahres Fotos von 17 verfaulten und zerstörten Bänken auf Spielplätzen  der Stadt erhielten. Diese mussten dringend erneuert werden, denn eine normale Nutzung war nicht mehr gefahrlos möglich. „Wir haben uns der Aufgabe angenommen. In unserer Werkstatt haben wir daraufhin 17 Sitze und 17 Rückenlehnen in der gewünschten Farbe Gelb angefertigt.“ Mit Hilfe des Bauhofs der Stadt Telgte wurden die Bänke ausgewechselt.

„Unser Bestreben“, so die drei Telgter, „war es, dass die Spielplätze nach der Corona-Krise und ihrer Wiedereröffnung in einem ordentlichen Zustand von den Nutzern angetroffen werden. Das ist uns gelungen.“

Manchmal werden die Bankmacher aber auch ausgebremst. Als Beispiel nennen sie die Bahnhofstraße, auf der sie gerne Ruhebänke aufgestellt hätten. Das sei leider am Einspruch  dortiger Anwohner bis heute gescheitert.

Wie viel Arbeit, Zeit und Kosten in der Pflege und Instandsetzung stecken, kann nur verstehen, wer schon einmal eine solche Arbeit geleistet hat. So sind die Männer in der Raestruper Werkstatt fast täglich aktiv: Sie sägen Bretter, schrauben, schleifen, runden Seiten ab, grundieren, spachteln, streichen, schleifen nochmals, und letztendlich werden die Bänke lackiert.

„Wer jetzt Spaß hat, mit Hand anzulegen, ist bei uns herzlich willkommen.“ Interessierte melden sich bei Konrad Runde,  58 48.

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