Bürgermeister Wolfgang Pieper zum Lockdown
„Mitgehangen – mitgefangen“

Telgte -

Ein wenig überraschend kam die Entscheidung, den gesamten Kreis Warendorf in den Lockdown einzubeziehen, für Bürgermeister Wolfgang Pieper schon. Aber er zeigt auch Verständnis. Die Verwaltung erläutert, was in der kommenden Woche für Telgtes Bürger möglich ist und was nicht.

Mittwoch, 24.06.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 18:17 Uhr
In Telgte gibt es derzeit keinen akuten Corona-Fall, trotzdem wird das Leben für eine Woche wieder heruntergefahren.
In Telgte gibt es derzeit keinen akuten Corona-Fall, trotzdem wird das Leben für eine Woche wieder heruntergefahren. Foto: Alissa Eckert

„Ja, das kam für uns schon überraschend, weil es bis mittags danach aussah, als gebe es nur einen lokalen Lockdown für drei Städte im Süden des Kreises.“ Bürgermeister Wolfgang Pieper hat aber auch Verständnis für die Entscheidung der Landesregierung, das Leben kreisweit nach dem massiven Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh und am südöstlichen Rand des Kreises Warendorf für eine Woche herunterzufahren. „Der Landesregierung blieb fast gar nichts anderes übrig. Die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche hat der Kreis gerissen. Da blieb wohl keine Alternative“, so der Bürgermeister.

Für die Stadt Telgte und ihre Bewohner, die nun erneut mit massiven Einschränkungen leben müssen, ist das bitter, gibt es hier doch derzeit nicht eine infizierte Person. Und es gebe hier nicht einen Mitarbeiter des Fleischverarbeiters Tönnies aus Gütersloh. Dort hatte sich das Virus in den vergangenen Tagen rasant ausgebreitet.

Was ist in den Kreisen Warendorf und Gütersloh noch erlaubt?

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  • In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gibt es angesichts von mehr als 1500 infizierten Arbeitern beim Schlachtbetrieb Tönnies einen regionalen Lockdown. Was bedeutet das für die über 600.000 Menschen, die dort leben?

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  • LOCKDOWN: Die Kontaktbeschränkungen vom März 2020 treten laut der Coronaregionalverordnung ( pdf) um Mitternacht (Mittwoch, 24. Juni 2020) wieder in Kraft. Die Maßnahmen gelten laut Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet bis zum 30. Juni 2020. 

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  • TREFFEN: Diese Beschränkungen schreiben vor, dass sich nur Menschen aus einer Familie oder einem Hausstand in der Öffentlichkeit zusammen aufhalten dürfen. Treffen dürfen sich auch zwei Personen, die weder der Familie angehören noch zusammen leben. Damit sind auch die anderswo wieder erlaubten Feiern mit bis zu 50 Personen bei Anlässen wie Hochzeit, Taufe, Geburtstag verboten, genau wie Schulentlassfeiern.

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  • FREIZEIT: Bis zum 30. Juni sind wieder viele Kulturveranstaltungen sowie Sport in geschlossenen Räumen verboten. Fitnessstudios werden ebenso geschlossen wie Kinos und Indoorspielplätze und Schwimmbäder. Picknicken und Grillen im öffentlichen Raum sind untersagt.

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  • GASTRONOMIE: Der Betrieb von Bars und die Bewirtung an Theken in Gaststätten ist verboten. Restaurants dürfen unter Auflagen geöffnet bleiben. Es dürfen maximal zwei Personen oder alternativ eine Familie an einem Tisch sitzen. 

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  • SCHULEN UND KITAS: Bereits seit dem 17. Juni sind zumindest die Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh wieder geschlossen. Im Kreis Warendorf werden Schulen und Kitas ab Donnerstag geschlossen.

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  • FERIEN: Am Freitag ist der letzte Schultag in NRW. Laschet erklärte, der Lockdown bedeute kein Ausreiseverbot in den beginnenden Sommerferien. Er appellierte aber an die Betroffenen, den Kreis nicht zu verlassen. Allerdings hat Bayern ein Beherbergungsverbot für Gäste aus Landkreisen ausgesprochen, in denen die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100.000 Einwohner liegt - also Gütersloh und Warendorf. Es sei denn, die Urlauber können einen aktuellen negativen Coronatest vorlegen.

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  • QUARANTÄNE: Rund 7000 Tönnies-Mitarbeiter stehen mit ihren Familien unter Quarantäne, die auch von der Polizei überwacht wird. Das Zentrum des Corona-Ausbruchs liegt Laschet zufolge in der Fleischzerteilung des Unternehmens.

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  • TESTS: Alle Bürgerinnen und Bürger der Kreise Gütersloh und Warendorf sollen die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen Test durchführen zu lassen - in speziellen Test-Zentren oder beim Hausarzt. Die Bevölkerung soll durch Lautsprecherdurchsagen zur Testung aufgerufen werden.

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  • GESCHÄFTE: Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer verweist darauf, dass die Einschränkungen weniger umfangreich seien als im März. „Ich bin froh, dass zum Bespiel die Geschäfte weiter geöffnet bleiben dürfen″, sagte Adenauer.  „Viele Dinge, an die wir uns wieder gewöhnt haben, bleiben uns erhalten”, richtete er einen Appell an die Bewohner seines Landkreises, sich an die neuen Regeln zu halten.

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So ärgerlich das Ganze sei, auch für die Städte und Gemeinden im Kreisgebiet, die keine oder nur wenige Infizierte aufwiesen, gelte, so Wolfgang Pieper: „Mitgehangen, mitgefangen.“

Für das Verhalten der Firma von Clemens Tönnies hat der Bürgermeister kein Verständnis. „Da ist jetzt eine Menge Frust im Spiel. Das liegt am Fehlverhalten eines Unternehmen, das die Behörden an der Nase herumgeführt hat. Wenn früher informiert worden wäre, hätte schneller und gezielter gehandelt werden können“, ist sich Pieper sicher. „Das Ganze ist unter aller Sau. Aber wir müssen jetzt ein Zeichen der Solidarität mit den anderen Kommunen setzen und noch einmal die Zähne zusammenbeißen. Unsere Bürger sollten möglichst konsequent die Kontaktsperren einhalten. Denn wenn die Welle bis hierher zu uns schwappt, dann wird es noch drastischere Maßnahmen geben.“

Am Mittwochmorgen hat der Krisenstab im Telgter Rathaus noch einmal die Köpfe zusammengesteckt und beraten, was in der nun kommenden Woche geht, und was nicht. Nicht stattfinden können, so Wolfgang Pieper, die im Rahmen der Stadtranderholung geplanten Ferienmaßnahmen. Mit der Regierungspräsidentin und dem Landrat habe man sich hingegen darauf verständigt, das Waldschwimmbad geöffnet zu lassen. Für die Besucher gelten die bisher gültigen Regelungen. Die angedachten Lockerungen mit erweiterten Aufenthaltszeiten und einer größeren Zahl an Badegästen werden erst einmal nicht in Kraft gesetzt.

Aufgrund der Landesverordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen schließt die Stadt Telgte ab sofort wieder ihre städtischen Sporthallen, Sportanlagen und Merkzweckhallen bis zum 1. Juli. Die sporttreibenden Vereine wurden gebeten, die jeweils betroffenen Abteilungen, Übungsleiter und Trainer zu informieren. Ebenfalls geschlossen werden musste das Museum Religio, da dessen Betrieb ausdrücklich für unzulässig erklärt ist. Schulen und Kindertagesstätten sind ab Donnerstag wieder geschlossen, die konkreten Anforderungen und Rahmenbedingungen für eine Notbetreuung sind derzeit noch in der Abstimmung – hier fehlen klare Vorgaben des Landes, so die Verwaltung.

Weil der Lockdown aber insgesamt nicht so drastisch ausfällt wie etwa die Regelungen von Mitte März, können Geschäfte und Gastronomie unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen weiter betrieben werden. Deshalb wird auch das Telgter Rathaus wie bisher geöffnet bleiben, das Tragen des Mund-Nase-Schutzes bleibt Pflicht. Auch die Ausstellung der „Alltagsmenschen“ im Freien kann und darf fortgesetzt werden.

Auch die Spiel- und Bolzplätze werden nicht geschlossen und dürfen unter Einhaltung der Abstandsregeln genutzt werden.

Stattfinden wird am heutigen Donnerstag, die letzte Ratssitzung vor der Sommerpause. Im Bürgerhaus werde ab 17 Uhr natürlich genau darauf geachtet, dass die Abstandsregeln eingehalten werden. Es sei wichtig, so Wolfgang Pieper, diese Sitzung abzuhalten, um noch vor der Sommerpause dringend notwendige Beschlüsse zu fassen.

„Dreh- und Angelpunkt der neuen Landesregelung ist die Kontaktregelung, wonach nun zunächst bis zum 1. Juli wieder nur verwandte oder im selben Haushalt lebende Personen, ansonsten maximal zwei Personen und Begleiter von minderjährigen oder unterstützungsbedürftigen Personen im öffentlichen Raum zusammentreffen dürfen“, so die Auskunft der Stadtverwaltung. Am Wochenende soll der Ordnungsdienst des Rathauses punktuell wieder Präsenz in der Stadt zeigen, um der Einhaltung der neuen Regelungen Nachdruck zu verleihen.

Die Schulen in Telgte hatten bereits am Dienstagabend den Bedarf für die Notbetreuung für Donnerstag und Freitag abgefragt. Mit folgendem Ergebnis: An allen Grundschulen findet eine Notbetreuung von elf bis 19 Kindern statt. An der Sekundarschule sind es zwei Kinder, am Gymnasium keins. Die Schulbusse fahren bis einschließlich Freitag. In den Schulen wird, wie bereits geplant, in den ersten drei Ferienwochen keine Betreuung stattfinden, da die Träger dies personell nicht einrichten können.

Die Ferienübersicht ist aktualisiert und auf die Homepage der Stadt gestellt worden. Sie wird entsprechend den Vorgaben stetig aktualisiert.

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