Verwaltungsgericht: Gebäude Mühlenstraße 3-5 ist ein Denkmal
Mit diesem Kompromiss können alle leben

Telgte -

Der Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Münster, ob das Gebäude Mühlenstraße 3-5 unter Denkmalschutz gestellt werden sollen oder nicht, endete mit einem Kompromiss: Außen ist es ein Denkmal, innen nicht.

Donnerstag, 16.07.2020, 14:52 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 12:36 Uhr
Die Häuser Mühlenstraße 3-5 stehen auch weiterhin unter Denkmalschutz. Ihr Innenleben wurde allerdings herausgenommen. Auf diesen Kompromiss einigten sich die Parteien am Donnerstagmorgen vor dem Verwaltungsgericht in Münster.
Die Häuser Mühlenstraße 3-5 stehen auch weiterhin unter Denkmalschutz. Ihr Innenleben wurde allerdings herausgenommen. Auf diesen Kompromiss einigten sich die Parteien am Donnerstagmorgen vor dem Verwaltungsgericht in Münster. Foto: Stefan Flockert

Hauseigentümer haben für gewöhnlich ein Interesse, ihre Immobilie wirtschaftlich möglichst gut zu nutzen. So auch die Eheleute Runge, denen die Häuser Mühlenstraße 3-5 in der Telgter Innenstadt gehören. Nur manchmal steht der Denkmalschutz im Wege. In einer Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Münster galt es am Donnerstagmorgen zu klären, ob die Eintragung des Gebäudes in die Denkmalschutzliste der Stadt Telgte rechtens war oder nicht. Am Ende bleibt festzuhalten, dass die beiden Gebäude denkmalschutzwürdig sind, weil das ehemalige Knickbergsche Institut, das lange Zeit ein Internat und bis 1936 eine Schule beherbergte, für die Stadt orts- und bildungsgeschichtlich bedeutsam ist.

Diese Feststellung von Richter Dr. Andreas Middeke bedeutet für die Runges allerdings nicht, dass sie ihre Umbaupläne ad acta legen müssen, denn Kläger und Beklagte einigten sich auf Vorschlag des Gerichts darauf, das Gebäudeinnere herauszunehmen. Ihm sei klar, dass ein Objekt renoviert und instandgesetzt werden müsse, hatte der Richter argumentiert. Ab er stolpere in diesem Fall darüber, dass der Innenbereich nach 1938 „fast komplett verändert worden ist“. Hier sei nicht mehr herauszulesen, dass sich dort einmal Schule und Internat befunden hätten.

Ein Knackpunkt der Verhandlung war ein möglicher Ausbau des Dachgeschosses und eine damit verbundene Anhebung von Balken. Die Eigentümer wollten erreichen, das die derzeit unterhalb der Dachpfetten liegenden Kehlbalken auf die Pfetten gelegt werden dürfen. Damit würde die Raumhöhe von 2,14 Metern um 30 Zentimeter auf auf 2,44 Meter erhöht werden. Diesem Details stimmten Bürgermeister Wolfgang Pieper als Vertreter der Unteren Denkmalbehörde und das Amt für Denkmalpflege beim LWL zu. Damit soll den Eigentümern im Dachbereich eine funktionale Ausnutzbarkeit des Daches zu Wohnzwecken ermöglicht werden.

Ob allerdings, wie von den Besitzern angestrebt, auf der Rückseite große Gauben entstehen können, wird Gegenstand weiterer Verfahren sein. Stadt und LWL hatten bei diesen Plänen große Bauchschmerzen, darf die weiterhin unter Denkmalschutz stehende Außenhülle doch nicht entscheidend verändert werden. Mit diesem Themenkomplex werden sich die Baubehörden beschäftigen müssen.

Bei der Frage, wer bei der Stadt Telgte für die Unterschutzstellung zuständig ist, der Schul- und Kulturausschuss oder der Bürgermeister, traf Richter Middeke ein weitreichende Entscheidung: Laut aktueller Rechtsprechung sei das ganz eindeutig der Bürgermeister. „Sie haben alles richtig gemacht“, sagte der Richter an Wolfgang Pieper gewandt. Letzterer hatte die Entscheidung des Ausschusses, das Gebäude wieder aus der Denkmalliste zu streichen, als rechtswidrig beanstandet. „Was der Ausschuss sagt, wird nicht weiter berücksichtigt“, stellte Dr. Middeke klar. Auch die Hauptsatzung sei nicht maßgeblich.

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