CO₂-neutral mit dem Elektroflieger von den Alpen an die Nordsee / Zwischenstopp in Berdel
Sieben Rekorde auf 700 Kilometern

Telgte -

Sieben Weltrekorde sollen bei einem Flug mit einem Elektroflugzeug geknackt werden. Fünf Elektro-Enthusiasten starten am Sonntag in der Schweiz und machen sich auf den Weg in Richtung Nordsee. Einen Zwischenstopp legen sie auf dem Berdel-Flugplatz ein.

Mittwoch, 26.08.2020, 16:14 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 15:00 Uhr
Mit dem Elektroflieger „Velis Electro” machen sich die fünf Elektro-Enthusiasten auf den Weg.
Mit dem Elektroflieger „Velis Electro” machen sich die fünf Elektro-Enthusiasten auf den Weg. Foto: Pipistrel/Verein Freunde der Elektromobilität

Der Passagierflug mit elektrobetriebenen Kleinflugzeug ist für die meisten reine Zukunftsmusik. Um zu beweisen, dass das schon heute Realität ist, machen sich fünf tollkühne Elektro-Enthusiasten am 30. August mit dem ersten zertifizierten elektrischen Leichtflugzeug auf den Weg. Station machen sie am kommenden Montag, 31. August, dabei auf dem Flugplatz in Berdel.

Ganz nebenbei purzeln dabei sieben Weltrekorde aus der Welt der Verbrennerflugzeuge: So braucht ihr Flugzeug für die Strecke weniger als ein Viertel der Energie als herkömmliche Flieger. Erreicht werden die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit über 700 und über 100 Kilometer sowie die höchste je mit einem Elektroflugzeug erreichte Flughöhe. Hinzu kommt die schnellste Steigleistung. Weitere Rekorde mit der geringsten Anzahl Zwischenstopps auf 700 Kilometern und der längsten elektrisch geflogenen Strecke in 24, 48, 56 Stunden werden geknackt.

Im Juni konnte der slowenische Hersteller „Pipistrel” als erster sein neuartiges Modell „Velis Electro” erfolgreich zertifizieren lassen. Um das neue Flugzeug auf Herz und Nieren zu prüfen, hat sich ein Team von Elektromobilisten für ein außergewöhnliches Langstrecken-Experiment zusammengeschlossen.

„Die meisten Kleinflugzeuge fliegen für die Ausbildung oder zum Sightseeing häufig Strecken, die kürzer sind als 200 Kilometer. Das kann man schon heute problemlos elektrisch machen“, sagt Morell Westermann, Co-Pilot und Sprecher des Vereins.

Die Gruppe könnte ungewöhnlicher nicht zusammengewürfelt sein und wurde durch den Zukunftsforscher Morell Westermann zusammengebracht: Der Schweizer Pilot Marco Buholzer leitet die einzige Elektroflugschule der Welt, während der kreative Ideengeber Tobi Pape als Bierbrauer auf Norderney schafft. Mit Tom Albrecht als Video- und Musikproduzent und Malik Aziz als Mitglied des größten deutschsprachigen Elektromobilitäts-Podcasts „Clean­Electric” sind erfahrene Medien- und Kommunikationsprofis mit an Bord. Alle fünf fahren am Boden bereits jetzt elektrisch und haben den Verein „Freunde der Elektromobilität” gegründet.

Die Strecke wird in mehreren Abschnitten geflogen, zwischen denen die Flugakkus wieder geladen werden müssen, natürlich nahe eines Rollfeldes. Im ersten Schritt musste das Team daher kleine Sportflugplätze entlang der Strecke finden, die überhaupt über den notwendigen Drehstromanschluss mit bestenfalls 32 Ampère (22 kW) verfügen. Damit können etwa 100 Kilometer Reichweite pro Stunde in die Akkus geladen werden. Da noch kein einziger Flughafen über ein entsprechendes Ladegerät verfügt, müssen diese dem Flugzeug während des Weltrekordflugs von der Bodencrew in einem Hase- und Igel-Spiel vorausgefahren werden. Die passenden Fahrzeuge stellt die Firma Tesla zur Verfügung.

Der Weltrekordflug startet am 30. August in der Schweiz vom Flugplatz Schänis, führt über Zürich, Mainz und Telgte und wird am 1. September am Flugplatz Norderney zu Ende gehen. Die genaue Route ist unter https://elektro-weltrekordflug.eu/route einsehbar.

Die Strecke führt an Tag eins von Schänis (CH) über Birrfeld (CH), Donaueschingen-Villingen, Lahr, Karlsruhe/Baden-Baden bis Bad Dürkheim. Am zweiten Tag fliegt das Team von dort weiter über Mainz-Finthen, Siegerland Flughafen, Burbach, Meschede-Schüren bis Telgte. Auch hier gibt es ausführliche Gelegenheit, Team und Flugzeug aus der Nähe zu erleben. Morell Westermann wird einen Vortrag zum Thema „Zukunft der Luftfahrt” halten. Weil die Plätze wegen der Corona-Situation begrenzt sind, wird darum gebeten, dass sich Interessierte in eine Liste eintragen: https://nuudel.digitalcourage.de/E8ODpqtbmRY2zVX9

Und Tag drei führt die Pioniere über Diepholz und Westerstede-Felde bis nach Norderney.

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