Elektroflieger landete in Berdel zwischen
Klimafreundlich, leise, hocheffizient

Telgte -

Elektroflugzeuge sind klimafreundlich, leise und hocheffizient. Mit einem Hightech-Fluggerät machte sich eine Gruppe von Luftfahrtpionieren von der Schweiz aus auf den Weg nach Norderney. Einen Zwischenstopp legten sie dabei auf dem Berdel-Flughafen ein.

Mittwoch, 02.09.2020, 17:45 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 18:08 Uhr
Die Crew auf dem Flugplatz Münster-Telgte: (v.l.) Tom Albrecht, Marco Buholzer, Kerstin Zulechner und Morell Westermann. Marco Buholzer (gr. Bild) aus der Schweiz ist erfahrener IFR-Pilot, Fluglehrer und leitet die einzige Elektroflugschule der Welt.
Die Crew auf dem Flugplatz Münster-Telgte: (v.l.) Tom Albrecht, Marco Buholzer, Kerstin Zulechner und Morell Westermann. Marco Buholzer (gr. Bild) aus der Schweiz ist erfahrener IFR-Pilot, Fluglehrer und leitet die einzige Elektroflugschule der Welt. Foto: Bernd Pohlkamp

Eine Weltneuheit und einen Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte gab es am Dienstag auf dem Berdelhafen zu erleben: Das erste von der europäischen Luftfahrtbehörde zugelassene Elektro-Flugzeug landete dort und wurde bei der Ankunft von rund 200 Zuschauern begrüßt.

Beim Landeanflug herrschte am Dienstagnachmittag auf dem Berdelhafen eine gespannte Atmosphäre. Ein ganz besonderes Flugzeug wurde erwartet. Es setzte dank des emissionsfreien Antriebes total leise auf dem Rollfeld des Flughafens auf. Sieben Luftfahrtpioniere – darunter der Zukunftsforscher Morell Westermann und der Schweizer Pilot Marco Buholzer mit der einzigen Elektroflugschule der Welt – strahlten nach inzwischen rund 600 zurückgelegten Flugkilometern um die Wette. Sie standen den Zuschauern, Experten und Journalisten Rede und Antwort.

In drei Tagen Deutschland überquert

Mit ihrem Elektro-Leichtflugzeug waren sie auf einer dreitägigen Deutschlandüberquerung unterwegs. Der Start in der Schweiz hatte sich wegen des schlechten Wetters um einen Tag verzögert. Telgte und damit den Berdelhafen hatten sie als eine von elf Zwischenstationen ausgewählt. Etwa 16 Stunden pausierte das gesamte Team in der Emsstadt. Übernachtet wurde im Hotel Marienlinde, bevor der Weltrekordflug zur Insel Norderney am Mittwochmorgen fortgesetzt wurde.

Beweisen wollen die Pioniere mit diesem Projekt, dass Passagierflüge mit batterie-elektrischen Kleinflugzeugen Realität sind. Am Montag hatte sich das deutsch-schweizerische Team im schweizerischen Schänis nahe St. Gallen mit dem ersten zertifizierten einmotorigen elektrischen Leichtflugzeug auf den Luftweg gemacht. Pilot Marco Buholzer flog weiter über Zürich, Donaueschingen, Bad Dürkheim, Mainz-Finthen, Siegerland, Meschede und am Dienstagnachmittag zum Berdelhafen. Am gestrigen Mittwoch erreichten die Abenteurer ihr Ziel, den Flugplatz Norderney. Auf der etwa 700 Kilometer langen Flugstrecke gab es elf Zwischenlandungen, weil bei den ausgewählten kleineren Flughäfen immer wieder die Flugakkus, die eine maximale Reichweite von 100 Kilometer haben, aufgeladen werden mussten. Da noch kein einziger der angeflogenen kleineren Flughäfen über entsprechende Ladegeräte verfügt, wurden diese von der Bodencrew, die natürlich mit Elektroautos unterwegs war, vorausgefahren.

Sieben Weltrekorde auf einem Flug

Während Fluges sollten sieben Weltrekorde aufgestellt werden. Dazu gehörten der „geringste Energieverbrauch über 700 Kilometer“, die höchste je mit einem Elektroflugzeug erreichte Flughöhe, die schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit, die geringste Anzahl Zwischenstopps auf 700 Kilometern Distanz und auch die schnellste Steigleistung sowie die längste elektrisch geflogene Strecke.

Ein Blick zurück: Im Juni hatte der slowenische Flugzeughersteller für Ultraleichtflugzeuge, „Pipistrel”, als erster sein neuartiges Modell „Velis Electro” erfolgreich zertifizieren lassen. Die Zertifizierung ist der entscheidende Schritt vom Prototypen- und Experimental-Stadium hin zur kommerziellen Nutzung durch Flugschulen und Sportflieger. Um das neue Flugzeug auf Herz und Nieren zu prüfen, hatte sich ein Team von Elektromobilisten zu dieser Deutschlandüberquerung entschlossen. „Klimafreundlich, leise, hocheffizient“, so beschreiben die Pioniere das elektronische Flugzeug. Mit dem Weltrekordflug wollen die Elektro-Enthusiasten beweisen, dass die Zukunft der Mobilität auch im Luftraum elektrisch ist. E-Flugzeuge seien ebenso effizient wie E-Autos. „Sie sind erheblich leiser als normale Flugzeuge und erzeugen keine Kondensstreifen, keine Abgase oder keinen Kerosingestank“, machte Futurist Morell Westermann deutlich.

Von Telgte geht es weiter nach Norderney

Viel Zeit nahmen sich die Elektromobilisten für die fragenden Zuschauer: Diese erfuhren auch, dass die geringere Energiedichte im Zusammenspiel mit dem Gewicht der Akkus zu realistischen Reichweiten um die 100 Kilometer führe. Außerdem mache die bislang nicht existente Ladeinfrastruktur den Weltrekordflug zu einer echten logistischen Herausforderung. Nach einer Übernachtung in Telgte startete der Elektroflieger am Mittwochmorgen auf dem Berdelhafen zu seiner letzten Etappe. Ziel die Insel Norderney. Dort wurde eine große Party gefeiert.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7563258?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F191%2F
Nachrichten-Ticker