Feierliche Einweihung auf dem Schulbauernhof Emshof
Der „Aufstieg“ einer Scheune

Telgte -

Viele Jahre lang verfiel die Durchfahrtscheune auf Schulbauernhof Emshof. Dann wurde ein ehrgeiziges Projekt gestartet. Nach vierjährigen Planungs- und Sanierungsarbeiten wurde das grundsanierte Gebäude im Rahmen einer Feierstunde mit viel Prominenz eröffnet.

Montag, 07.09.2020, 18:43 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 13:33 Uhr
Eröffneten gemeinsam die Scheune des Schulbauernhofes Emshof: (v.l.) Ute Wichelhaus (Geschäftsführerin Emshof), Sven Winkelmann (Architekt), Otto Reiners (Bündnis 90/Die Grünen in Münster), Matthias Peck (Stadtrat, Münster), Wolfgang Pieper (Bürgermeister Telgte), Markus Lewe (Oberbürgermeister Münster), Wolfgang Blanke (Vorsitzender Emshof) und Niko Lancier (geschäftsführender Vorstand FAGA).
Eröffneten gemeinsam die Scheune des Schulbauernhofes Emshof: (v.l.) Ute Wichelhaus (Geschäftsführerin Emshof), Sven Winkelmann (Architekt), Otto Reiners (Bündnis 90/Die Grünen in Münster), Matthias Peck (Stadtrat, Münster), Wolfgang Pieper (Bürgermeister Telgte), Markus Lewe (Oberbürgermeister Münster), Wolfgang Blanke (Vorsitzender Emshof) und Niko Lancier (geschäftsführender Vorstand FAGA). Foto: Bernd Pohlkamp

Der Emshof, ein ökologisch bewirtschafteter Schulbauernhof in der Bauerschaft Verth, ist um eine Attraktion reicher. Am Sonntag wurde die Scheune – Eigentümerin der Hofstelle ist die Stadt Münster – nach vierjährigen Planungs- und Sanierungsarbeiten im Rahmen einer Feierstunde eröffnet.

Die etwa 120 Jahre alte Durchfahrtscheune wurde seit 1997 nicht mehr genutzt. Sie war zu einer Bauruine geworden, die jahrelang mit einem Bauzaun gesichert werden musste. Eine Lösung schien nicht in Sicht. Wolfgang Blanke , Vorsitzender des Vereins Emshof, nahm in seinem Rückblick zur 30-jährige Vereinsgeschichte auch dieses Hofgebäude auf. Er verknüpfte den „Aufstieg“ der Scheune mit Otto Reiners , Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen in Münster. Dieser habe 2016 die Idee gehabt, die Sanierung der Scheune mit einem Beschäftigungsprojekt zu verknüpfen. Schnell fanden sich Partner: So wurden der Emshof, die Stadt Münster, das Jobcenter Münster und die Fachstelle zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit (FAGA) Träger des Projektes. Der Rat der Stadt Münster stellte eine halbe Millionen Euro bereit. Fachfirmen setzten das Gebäude grob in Stand. Die FAGA befreite die Scheune von Schutt und Müll und mauerte die Rundbogenfenster, sanierte das Mauerwerk und kümmerte sich um die Außenbereiche.

Wolfgang Blanke genoss die Eröffnungsfeier, weil die Sanierung nun zum Abschluss gekommen ist. Die sanierte Scheune mit einer Grundfläche von etwa 350 Quadratmetern ist dreigeteilt und soll multifunktional genutzt werden: Als Lagerraum für landwirtschaftliche Geräte, für eine Kinderwerkstatt und für ein Umweltlabor. Die ersten Bewohner, so Wolfgang Blanke, seien bereits eingezogen: Schleiereulen. Auch Fledermäusen und Schwalben möchte der Emshof ein Zuhause anbieten.

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe und Telgtes Bürgermeister Wolfgang Pieper waren zu der Eröffnung gekommen. Beide zeigten sich erfreut: Lewe, weil Münster mit dem Schulbauernhof eine kostbare Investition in die Bildungseinrichtung und in die Zukunft der Stadt Münster geleistet habe. Pieper, weil ihm das große Engagement aller Beteiligten ebenso imponierte wie die naturnahen Angebote, die in die Abläufe des landwirtschaftlichen Betriebes auf Telgter Gebiet eingebunden sind.

Markus Lewe bezeichnete dieses Projekt und die Partnerschaft als ein beispielhaftes Gemeinschaftsprojekt. Lewe: „Ein Stück neues Lebensumfeld ist hier entstanden. Der Emshof ist ein Ort, an dem sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen und gleichzeitig gemeinsam lernen und auch spielen können.“ Für Otto Reiners ist das Projekt etwas ganz Besonderes. Denn die Scheune wurde von Münsteranern, die bislang keine Perspektive auf einen Arbeitsplatz hatten, saniert: „Die Beteiligten hatten bei ihren handwerklichen Arbeiten Spaß, konnten ihr Selbstwertgefühl steigern und täglich sehen, was sie geschafft hatten.“ Aus diesen gewonnenen Erfahrungen wünscht sich Reiners noch mehr Projekte dieser Art, die ökologische und soziale Ziele verknüpfen. Die Stadt Münster erhalte so einen nachhaltigen Wert.

Niko Lancier, geschäftsführender Vorstand der FAGA, stellte die Identifikation mit der naturnahen Arbeit in den Mittelpunkt: Der Schulbauernhof als Lernort für Kinder und die dort oftmals ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter sei das Erfolgsrezept dieser Arbeitsgelegenheit. Münsters Stadtrat Matthias Peck sprach mit Begeisterung von einer wunderbaren Idee, die hier auf dem Schulbauernhof umgesetzt wurde. Schließlich war es dem Architekt Sven Winkelmann vorbehalten, die einzelnen Phasen der Sanierungsarbeiten zu beschreiben und bei einem Rundgang näher zu erklären.

Erfreut zeigte sich das Emshof-Team, dass die Kooperation des Schulbauernhofes mit der FAGA aufgrund der guten Erfolge vorerst bis Ende 2021 weitergehe. Diese Zusammenarbeit soll mit neuen Arbeitsinhalten – wie etwa der Bau eines Erdkellers oder einer Wasserzisterne – gestaltet werden. Als Regionalzentrum steht der Emshof in engem Kontakt mit den Schulen aus dem Raum Münster und dem Kreis Warendorf. Die Zusammenarbeit mit anderen Regionalzentren, lokalen Bildungspartnern und weiteren Kooperationspartnern führt zu einem intensiven und fruchtbaren Austausch. „Gerne möchten wir auch die Kooperation mit weiterführenden Schulen intensivieren“, so Ute Wichelhaus, Emshof-Geschäftsführerin.

Das zum 30. Geburtstag geplante Hoffest fiel wegen der Corona-Pandemie aus und soll am 12. September nächsten Jahres nachgeholt werden.

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