Kai Strauss & The Electric Blues Allstars
Blues mit Vollgas

Telgte -

Ein fulminanter Blues-Abend, der mehr Publikum verdient hätte, als die Corona-Regeln erlaubten. Trotzdem wurde das Bürgerhaus zum „Haus des Blues“ – durch Kai Strauss & The Electric Blues Allstars.

Montag, 05.10.2020, 06:48 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 17:47 Uhr
Kai Strauss agierte lässig mit seiner Gitarre. Ihm zur Rechten Thomas Feldmann, der Mann am Saxophon, dessen Soli von gleicher, überbordender Art sind.
Kai Strauss agierte lässig mit seiner Gitarre. Ihm zur Rechten Thomas Feldmann, der Mann am Saxophon, dessen Soli von gleicher, überbordender Art sind. Foto: Arndt Zinkant

Einer der Songtitel wirkte wie ein Motto: „Guest in the house of the Blues“. Der stammte von der neuen CD der Formation, und die Telgter Zuhörer gehörten am Freitag zu den ersten, die ihn hören durften. Das Bürgerhaus war zu diesem Zeitpunkt bereits nahe am Siedepunkt angelangt und tatsächlich zum „Haus des Blues geworden“ – durch Kai Strauss & The Electric Blues Allstars.

Ein fulminanter Blues-Abend, der mehr Publikum verdient gehabt hätte, als die Corona-Regeln erlaubten. Denn Strauss und seine Mannen zeigten ihre ganze Ausdruckspalette. Die reichte vom eher klassischen Sound eines B.B. King bis hin zu einem Mix der Stile, der auch Soul oder Reggae-Elemente mit anklingen ließ.

Kai Strauss agierte meist an der Rampe mit seiner Gitarre, die er so lässig bedient, wie er den Blues singt. Ihm zur Rechten Thomas Feldmann , der Mann am Saxophon, dessen Soli von gleicher, überbordender Art sind (beide übrigens aus hiesigen Gefilden: Lengericher der eine, Steinfurter der andere). Von Westfalen und dem Osnabrücker Land tragen sie den Blues in die Welt, so etwa nach London („Going to London“). „In my prime“ heißt einer der Songs aus der Feder der Band: Eine flotte Nummer mit wilden Orgel-Soli, welche vom Saxophon aufgenommen werden, bis Thomas Feldmann sein Instrument bis hinauf in quietschende „Delphin-Höhen“ treibt. Wild!

„Prime“, so nennt Frontmann Strauss seine eigene „Blütezeit“ – und der vitale Gitarrist bekennt, soeben 50 geworden zu sein. Und er macht im Publikum auch seinen früheren Englischlehrer aus, den er einige Zeit zuvor in Münsters „Hot Jazz Club“ getroffen habe. Ohne dies Treffen hätte das Telgter Konzert wohl nicht stattgefunden, sagt Strauss. Überhaupt dominieren im Saal eher ältere Semester. Hat die Jugend etwa nicht mehr den Blues? Kaum vorstellbar bei so fetzigen, tanzbaren Titeln wie jenem, bei dem Saxophonist Feldmann endlich seine Harp herausholt: Vom Mundharmonika-Blues mit Vollgas hin zum Rock‘n‘Roll, vom Tempo her jedenfalls.

„Hold her in your arms“ singt Kai Strauss an anderer Stelle – aber wen meint er? Eine Frau oder doch seine Gitarre, welche er mit soften Fingerpicking liebkost und die Saiten süffig schwingen lässt? Keine Frage: Strauss und seine vierköpfige Band spielen ihren Blues mit Herz und Seele.

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