Interview mit dem Stadtwerke-Geschäftsführer Winfried Münsterkötter
„Wollen ein Zeichen setzen“

Telgte/Sendenhorst/Drensteinfurt -

Zum 1. Januar stellen die Stadtwerke Ostmünsterland komplett auf Ökostrom um. Winfried Münsterkötter, Geschäftsführer des Unternehmens, erklärt im Interview warum die Stadtwerke künftig „Farbe bekennen“ wollen. Darüber hinaus erläutert er Fragen zum Anstieg der Gaspreise.

Montag, 30.11.2020, 06:35 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 14:40 Uhr
Winfried Münsterkötter sieht die Umstellung als Ökostrom als wichtigen Schritt in die Zukunft an.
Winfried Münsterkötter sieht die Umstellung als Ökostrom als wichtigen Schritt in die Zukunft an. Foto: Stadtwerke Ostmünsterland

Zum 1. Januar stellen die Stadtwerke Ostmünsterland komplett auf Ökostrom um. Darüber und über andere Themen rund um die Versorgung sprach Redaktionsmitglied Andreas Große Hüttmann mit Winfried Münsterkötter , Geschäftsführer des Unternehmens.

 

Herr Münsterkötter, am 1. Januar kommenden Jahres stellen die Stadtwerke komplett auf Ökostrom um. Was ist der Grund dafür?

 

Winfried Münsterkötter: Mit der Umstellung übernehmen wir als lokaler Energieversorger Verantwortung und möchten den Grundstein für eine neue, grüne Energiewelt legen. Dies tun wir für unsere Kunden, für unsere Region und für unsere Umwelt. Unser Ökostrom wird zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen. Um sicherzustellen, dass es sich auch wirklich um Ökostrom handelt, gibt es das Herkunftsnachweisregister des Umweltbundesamtes. Die Nachweise werden im Umweltbundesamt nach gesetzlichen Vorgaben verwaltet und garantieren, dass genauso viel Ökostrom ins Stromnetz gelangt, wie von den Kunden verbraucht wird. Durch die Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom wird der Anteil im Netz um die Mengen erhöht, die unsere Kunden verbrauchen – es fließt also bei allen mehr Ökostrom und weniger Graustrom. Und je mehr Verbraucher sich für Ökostrom entscheiden, desto grüner wird der Strom für alle.

Frage: Wie sieht es mit den Mehrkosten aus? Wer trägt die?

 

Münsterkötter: Die Mehrkosten für den Bezug von grünem Strom übernehmen die Stadtwerke Ostmünsterland. Das gilt auch für die Zertifizierung der Stromprodukte bei der Klimainvest Green Concepts GmbH, Hamburg, die sicherstellt, dass die Anforderungen des Kriterienkatalogs der TÜV-Basisrichtlinie für Ökostromprodukte eingehalten werden. Kurzum bedeutet das: Die Stadtwerke Ostmünsterland lassen sich regelmäßig vom TÜV Nord bescheinigen, dass der eingekaufte Strom vollständig aus Anlagen regenerativer Stromerzeugung stammt. So kann jeder Kunde der Stadtwerke Ostmünsterland sicher sein, tatsächlich grünen Strom verbraucht zu haben.

Sehen Sie die Umstellung als Wettbewerbsvorteil an?

 

Münsterkötter: Das Markenversprechen „Unsere Zukunft sollte nur eine Farbe haben. Grün.“ liegt uns sehr am Herzen. Als lokaler Energieversorger wollen wir deshalb ein Zeichen setzen und bieten unseren Stromkunden und allen Interessierten ab dem 1. Januar 2021 ein rundum nachhaltiges Angebot. Dazu gehört der zu 100 Prozent grüne Strom, ein persönlicher Kundenservice vor Ort, regionales Engagement und eine ehrliche, zuverlässige Versorgungsinfrastruktur. So kann ein Jeder, ganz nebenbei und mit einem guten Gefühl, Teil der Energiewende werden und zum Klimaschutz beitragen.

Wie viele Tonnen CO können Ihren Berechnungen nach insgesamt im Jahr eingespart werden? Was bedeutet das für die Klimabilanz?

 

Münsterkötter: Durch den Verbrauch unseres zu 100 Prozent grünen Stroms werden jährlich knapp 52 000 Tonnen COeingespart. Die an den Stadtwerken Ostmünsterland beteiligten Kommunen können diese Einsparung entsprechend der anteiligen Verbrauchsmengen für ihren jährlichen Klimabericht gutschreiben.

Kommen wir zum Gas. Der Ölpreis ist seit Monaten im Keller, der Gaspreis konstant hoch, es steht den Verbrauchern sogar eine geringe Erhöhung ins Haus. Wie kommt das?

 

Münsterkötter: Mit dem zum Klimaprogramm der Bundesregierung zählenden Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) wurde von der Politik festgeschrieben, dass ab dem Jahr 2021 eine CO-Abgabe auf „in Verkehr gebrachte Brenn- und Kraftstoffe“ erhoben wird. Die Abgabe wird sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Diese Mehrbelastung geben wir in unserem Produkt „Strom I SO“ einfach, also der Grund- und Ersatzversorgung, weiter, wobei damit gleichzeitig auch ein Festpreisversprechen bis Ende des Jahres 2022 einhergeht. Die übrigen Produkte bleiben zum jetzigen Stand weiterhin auf dem Niveau von 2019 und somit preisstabil.

Blicken wir ein wenig in die Zukunft: Was können die Stadtwerke-Kunden von ihrem lokalen Versorger in den nächsten Monaten und Jahren an weiteren Neuerungen erwarten?

 

Münsterkötter: Wir stehen am Anfang des Umstellungsprozesses auf CO-Neutralität. Die Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom ist ein erster Schritt. Perspektivisch wollen wir noch einen Schritt weitergehen und auch grünen Strom anbieten, der in der Region erzeugt wird. Weitere Themen im Fokus sind der Ausbau der Elektromobilität, hocheffiziente Wärmekonzepte für Neubaugebiete in unseren Gesellschafterkommunen und andere lokale Projekte zur Förderung erneuerbarer Energien sowie nachhaltige Klimaschutzmaßnahmen.

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