Krinkhütte „Zur Fledermaus“ existiert seit einem Vierteljahrhundert
Beispiellose Gemeinschaftsaktion

Westbevern -

25 Jahre sind vergangen, seit die ersten Arbeiten an der Krinkhütte „Zur Fledermaus“ aufgenommen wurden. Seit dem stecken unzählige Arbeitsstunden in den Objekt, das jährlich von rund 1500 Personen genutzt wird.

Samstag, 02.01.2021, 05:56 Uhr aktualisiert: 02.01.2021, 06:01 Uhr
An Silvester 1995
An Silvester 1995 Foto: Bernhard Niemann

Unzählige Einzelpersonen und Gruppen nutzen auf ihren Wander- und Radtouren die idyllisch gelegene Krinkhütte „Zur Fledermaus“ für eine Rast. Rund 1500 Personen suchen sie pro Jahr auf.

Die Schutzhütte, mit deren eigentlichem Bau am 27. Dezember 1995 begonnen wurde und an der Silvester ein kleines Richtfest gefeiert wurde, die sich zwischen Vadrup und Westbevern-Dorf befindet, steht allen Interessierten zur Verfügung. Von dort aus können die Gäste die schöne Landschaft um Haus Langen erkunden. Zu erreichen ist sie von der Landesstraße zwischen Westbevern Dorf und Vadrup. Der Wegweiser ist eigentlich nicht zu übersehen. Zwischen 15 und 25 Gruppen nutzen die Krinkhütte über „Tourismus + Kultur Telgte“ Jahr für Jahr.

970 Stunden ehrenamtlicher von Rentnern ausgeführter Arbeit führten vor 25 Jahren zum Bau der Krinkhütte „Zur Fledermaus“. Eingeweiht wurde sie anlässlich der Winterwanderung im März 1996. Eine kleine Chronik, die sich auch im Inneren der Schutzhütte befindet, erzählt die Erfolgsgeschichte. Nicht nur Details über den Bau der Hütte sind zu finden. Auch die Ursprünge finden Erwähnung. Initiator war Franz-Josef Schründer , Bauleiter Olaf Pohlmann . Ehrenamtliche Helfer im Jahr 1995 waren Bernhard Baumkötter, Dr. Alfred Denis, Franz Drücker, Karl-Hermann Erfmann, Hans Holtgreve, Rudi Lau, Hermann Merschkötter, Anton Sielenkemper, Alfred Sommer und Franz-Josef Schründer.

Diese zehn „Baumeister“ gründeten im Mai 1996 auch die Gruppe der Krinkrentner, die inzwischen mehr als 120 Mitglieder zählt. Durch Geld und Sachspenden wurde die Krinkhütte finanziert, so dass die Stadt damals mit keiner „D-Mark“ belastet wurde. Das Grundstück stellte Albert Schulze Topphoff kostenlos zur Verfügung. Diese kleine Chronik vermittelt nicht nur interessante Zahlen und Fakten, sie dokumentiert auch das ehrenamtliche Engagement, das beim Bau, der Instandhaltung und der Pflege bis heute vonnöten war und ist.

Der Name Krinkhütte „ Zur Fledermaus“ wurde von der Familie Sommer eingebracht, deren Sohn Reinhard seinerzeit aktiv beim BUND tätig war. Der BUND hatte ein Jahr zuvor mit einem „Massenfund“ Fledermäuse zu tun, von denen sich rund 400 in einem hohlen gefällten Baumstamm befanden. Das war der größte Fund dieser Art in Westfalen. Sie wurden überwiegend in rheinischen Gebieten notdürftig untergebracht und später wieder zum Haus Langen zurückgebracht. Der hohle Buchenstamm wurde von Baron von Beverförde dem Westbeverner Krink überlassen. Rund eineinhalb Meter des Stammes wurden neben der Krinkhütte als Erinnerung an diesen seltenen Fund aufgestellt.

Doch schon einen Tag nach der Winterwanderung, an dem sich etwa 180 Mitwanderer den Stamm von innen ansehen konnten, wurde dieser über Nacht von Dieben entwendet und nie wieder aufgefunden.

Den kirchlichen Segen bekam die Krinkhütte dann im März 1996 von Pfarrer Ludger Reckers im Beisein der Anlieger, der fleißigen Rentner und der zahlreichen Sponsoren.

Dem Bau der Krinkhütte ging eine lange Vorbereitungszeit voraus. Im Jahr 1992 brachte der damalige Beisitzer und Mitbegründer des Westbeverner Krink, Franz-Josef Schründer, bei einer Vorstandssitzung den Bau einer Schutzhütte ins Gespräch, die zentral im Bereich Bever und Ems am Haus Langen errichtet werden könnte. So wurden als mögliche Standorte – ein (heute nicht mehr vorhandener) Grillplatz an der Emsbrücke in Richtung Lauheide, ein ehemaliger Standort einer Hütte an der Bevermündung sowie in der Nähe des Eckbergs, der höchsten Westbeverner Erhebung mit 42 Metern – ins Spiel gebracht. Der Vorstand musste jedoch alle drei möglichen Standorte aufgrund starker Sicherheitsbedenken der Stadtverwaltung Telgte und des Kreises Warendorf aufgeben. Schutzhütten waren bis 1999 noch genehmigungspflichtig.

Krink-Geschäftsführer Reinhold Hobeling hatte einige Monte später die Idee, einen Standort vor der Westbeverner Kläranlage auf Haus Langen ins Auge zu fassen. Hauptgrund: die tägliche Kontrolle des Standortes durch Bedienstete der Stadt Telgte, die Landwirte als Bewirtschafter der Felder und Wiesen in der Beveraue sowie des Hegerings TelgteWestbevern. Vorstand und auch Wanderwart Franz - Josef Schründer stimmten dem Vorschlag des Geschäftsführers zu. Auch die Stadtverwaltung gab grünes Licht und bat um Baupläne, die umgehend von den örtlichen Bauunternehmern Heinz Böcker und Olaf Pohlmann erstellt wurden. Eingeholt wurde von Geschäftsführer Reinhold Hobeling die erforderliche Zustimmung der Grundstückseigentümer Karl Große Vogelsang, Albert Schulze Topphoff und Freiherr Hubertus von Beverförde. Die Umweltbehörde, die Untere Wasserbehörde und das zuständige Kreisbauamt hatten keine Bedenken.

Franz-Josef Schründer hatte sich zwischenzeitlich um die finanzielle Seite gekümmert und Spenden in fünfstelliger D-Mark-Höhe zusammengetragen.

Mitglieder des Westbeverner Krink, vornehmlich die Krinkrentner, kümmern sich stets im Vorfeld der Wander- und Radfahrsaison um eine Frühjahrsrenovierung, bei der Tische, Bänke sowie der Innenbereich der achteckigen Schutzhütte mit einem Durchmesser von 4,85 Metern und das Außengelände auf Vordermann gebracht werden. Hüttenwart Günter Sundermann oder sein Vertreter Hubert Burlage sorgen für die fast tägliche Pflege. In den Sommermonaten ist das an jedem Tag der Fall.

Als Service wurden ein geräumiger Fahrradplatz und ein Stellplatz für zwei Autos neben der Straße vor der Krinkhütte angelegt. „Alles in und rund um die Krinkhütte muss einladend auf die Besucher wirken, die hier eine Verschnaufpause einlegen“, lautet der Grundsatz der Krinkrentner. Sie wünschen sich von allen Gästen, dass diese bei ihren Stopps das Umfeld sauber halten. Dass es im Laufe der vergangenen Jahre einige Verunreinigungen durch einzelne Besucher oder Gruppen gab, stieß bei den Ehrenamtlichen nicht nur „sauer“ auf.

Die Krinkhütte wird von Wanderern, die selbst aus den Niederlanden kommen, natürlich aber auch von den Krinkrentnern, die sie erbaut haben und Sitzgelegenheiten draußen hinzugefügt haben, bei ihren monatlichen Treffen und bei diversen anderen Veranstaltungen genutzt. Ob Krinkrentner, Gast oder Kind, der Blick der meisten fällt bei einem Halt an der Krinkhütte sofort auf die Fledermäuse, die die Künstler Gaby und Edgar Pehle aus Mettingen vor vier Jahren aus einem Holzstamm geschaffen haben und dort aufgestellt haben.

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