Schauspieler Ansgar Schäfer berichtet über seine Erfahrungen in der Corona-Zeit
Kampf um jedes Engagement und jede Gage

Telgte -

Freischaffende Künstler haben es in Corona-Zeiten sehr schwer. Das hat auch der gebürtig aus Telgte stammende Ansgar Schäfer zu spüren bekommen.

Sonntag, 03.01.2021, 17:06 Uhr aktualisiert: 03.01.2021, 17:10 Uhr
Auch für einen gefragten Schauspieler wie Ansgar Schäfer ist die Corona-Zeit hart.
Auch für einen gefragten Schauspieler wie Ansgar Schäfer ist die Corona-Zeit hart. Foto: privat

Ansgar Schäfer , der gebürtig aus Telgte stammt, ist ein gefragter Schauspieler. Bei zahlreichen Stücken stand er bundesweit in Hauptrollen auf der Bühne. Zudem hatte er einige Fernseh-Engagements, etwa in kleineren Rollen im Tatort, beim Bergdoktor oder der Serie „Soko Wismar“.

Im Gespräch berichtet er über die Corona-Pandemie und die Auswirkungen auf seine Engagement: „Meine Situation, als im März 2020 der Lockdown kam, war sehr schlecht – einfach alles dicht“, berichtet er. Gerade sei er an der Staatsoper Hannover für die letzten Vorstellungen der Operette „Märchen im Grandhotel“ von Paul Abraham engagiert gewesen, da sei der Lockdown gekommen.

„Das ist alles soweit nachvollziehbar, aber wie es um freischaffende Künstler bestellt ist, kam dann zutage. Erst einmal sollten die noch ausstehenden Gagen nicht gezahlt werden, obwohl es ja eine versicherungspflichtige Beschäftigung war mit allen sozial- und steuerrechtlichen Abgaben“, gibt er einen Einblick. Nach einigem Hin und Her und nervenaufreibenden Meetings konnte dann ein kleiner Erfolg erreicht werden – 50 Prozent der Gage wurden überwiesen.

Dann der nächste Rückschlag: Am Theater Hagen wurde die Anatevka-Produktion, bei der der gebürtige Telgter den Tevje spielen soll, vorsichtshalber auf den November verschoben, um sie dann einige Wochen später auf den März 2021 zu verlegen. „Jetzt kam eine Nachricht, dass eventuell alles ganz abgesagt wird und ich leer ausgehe, obwohl ich alle Termine frei gehalten hatte, in der Vorfreude, dass es wenigstens in 2021 wieder etwas zu verdienen gibt am Theater, bricht dann auch dieses Einnahmepotenzial wieder weg“, gibt er einen Einblick.

Ähnlich ist es an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy, an der er als Lehrbeauftragter angehenden Opernsängern Schauspielunterricht gibt: Ein ganzes Semester war kein Unterricht möglich. Die Hochschule habe den Lehrbeauftragten aber ohne großes Hin und Her einen Großteil des Stundenkontingentes ausgezahlt, ohne dass der Unterricht vorerst stattfand. Das sei sehr hilfreich gewesen. Staatliche Hilfen hätten für die Freiberufler nicht gegriffen. Im September habe nach den Lockerungen unter strengsten Abstandsregeln der Unterricht begonnen. Und das sehr ausgedünnt, denn die Räume durften nur einmal pro Tag genutzt werden.

In den September fiel auch seine Regiearbeit zu Mozarts Oper „Entführung aus dem Serail“ beim Klassik für Kinder Festival. „Schon im Bühnenbildkonzept habe ich den Abstand und einiges mehr mit einfließen lassen“, erzählt er. Der Palast des Bassa Selim, den er selbst spielte, wurde renoviert. „Somit konnte ich Absperrungen aufbauen oder Baufolien und Planen hängen, damit die Sänger dennoch zueinander kommen konnten, um ihre Liebe zu besingen.“ Dazu kam dann noch das große Orchester der Musikalischen Komödie, das auch nur unter Abstandsregeln spielen durfte. Das habe bedeutet, dass der Fagottist 40 Meter vom Paukisten entfernt saß und dennoch alle zusammen gleichzeitig spielten. Eine große Herausforderung, die das Orchester aber gemeistert habe, „denn spielen wollten wir alle endlich wieder“, so Schäfer.

Im Zuschauerraum der reformierten Kirche sei es leider auch so gewesen, dass statt der 350 Besucher nur 100 zugelassen gewesen seien. „Es sieht dann verdammt leer aus, obwohl wir ausverkauft waren“, berichtet Schäfer. „Wir probten also und bauten das Bühnenbild. Und dann drei Tage vorher kam erst das Okay des Gesundheitsamtes, dass unser Hygienekonzept genehmigt wurde. Das ist eine absurde Situation, dass du in der Kunst so abhängig von einer Amtsentscheidung bist. Aber meine Kreativität ist unerschöpflich und mein Mut auch, denn das unterscheidet uns Menschen von Schwein und Kuh: Wir könne durch die Kunst etwas erleben und erfahren, was uns seelische Nahrung gibt, die es an keiner Tanke oder im Supermarkt gibt.“

Und in diesen Coronazeiten sei dann die Idee von Ottmar Breitenhuber und Walter Kiesbauer zu einer CD entstanden, denn die ließe sich ja im Studio ohne Zuschauer produzieren. Und so hätten alle zusammen das Projekt in die Tat umgesetzt, und es sei eine wunderbare CD entstanden, die für zum Preis von 15 Euro – drei Euro gehen an ein soziales Projekt des Bonifatiuswerkes – erhältlich ist. Wer sie bei Ansgar Schäfer bestellt, bekommt sie signiert – und tut auch ihm etwas Gutes.

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