Tagebuch mit (Corona-)Befindlichkeiten der Telgter Bürger
Gute Idee – aber am falschen Platz

Telgte -

Anfang April hatte Christoph Matthey vor seinem Laden an der Emsstraße ein Buch ausgelegt. Ein gemeinsames Tagebuch für alle Telgter sollte in diesem so schwierigen Jahr entstehen. Doch die Resonanz war nicht gerade groß. Das könnte am Standort gelegen haben.

Sonntag, 03.01.2021, 18:59 Uhr
Christoph Matthey hatte vor seinem Laden an der Emsstraße ein Buch ausgelegt, in das Mitmenschen ihre (Corona-)Befindlichkeiten eintragen sollten.
Christoph Matthey hatte vor seinem Laden an der Emsstraße ein Buch ausgelegt, in das Mitmenschen ihre (Corona-)Befindlichkeiten eintragen sollten. Foto: Erhard Kurlemann

Anfang April hatte Christoph Matthey vor seinem Laden an der Emsstraße ein Buch ausgelegt. „Manchmal hilft es, seine Erlebnisse, Sorgen, Ängste und auch schönen Gedanken einfach niederzuschreiben.“

Die Idee dahinter: ein gemeinsames Tagebuch für alle Telgter sollte auf diese Weise entstehen – ein besonderes Dokument eines Jahres mit besonderen Herausforderungen. „Die Idee ist nach wie vor richtig – die Präsentation offenbar nicht“, betont der Buchbinder – auch wenn das Buch am Jahresende nur fünf Einträge aufweist.

Gleichwohl ist er enttäuscht, dass er mit seiner Idee keine größere Resonanz erzeugen konnte. „Vielleicht lag das Buch am falschen Platz“, glaubt er einen Grund zu kennen. „Schwellenangst“ könnte ein weiteres Hindernis gewesen sein. Er habe schon beobachtet, dass es einige Menschen gab, die in das Buch hereingeschaut haben, ohne etwas einzutragen. „Es kann ein Problem sein, wenn ich meine Ansicht zu diesem Jahr öffentlich mache, weil ich mich da eintrage“, zeigt Matthey Verständnis. Es gebe nicht viele, die „spontan druckreif schreiben“ könnten. „Und das dann auch noch fehlerfrei.“ Er würde sich dennoch dafür einsetzen, die Aktion fortzuführen. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Da haben bestimmt viele Menschen besondere Erlebnisse gehabt oder Erfahrungen gemacht.“ Die Frage sei, welcher Ort der geeignetste sei, um viele Stimmen und Meinungen zu sammeln. Gerade jetzt, wo wegen des Shutdowns kaum öffentliches Leben stattfinden könne, was möglicherweise einigen Menschen Probleme bereite.

„Die Telgter haben die Möglichkeit, ihre Gedanken zu teilen. Und jeder, der es liest, kann sie mit seinen eigenen verknüpfen und sieht vielleicht, dass er nicht alleine ist“, sieht Christoph Matthey eine neue Form der Kommunikation. „Das ist kein Krisenbuch“, betont er Matthey. Und es gehe auch nicht darum, „Romane“ zu schreiben.“ Möglichst viele Menschen sind eingeladen, ihre Gefühle niederzulegen – „ein einfacher Satz reicht völlig aus oder eine Zeichnung.“ Es sei nicht erforderlich, Einträge mit seinem Namen zu kennzeichnen. „Auch die jeweilige Schrift erzählt eine Geschichte.“

Vielleicht gibt es in der Leserschaft Ideen, welcher Ort für das Anliegen des Buches der beste ist oder sein könnte. Die Westfälischen Nachrichten sammeln Anregungen unter redaktion.tel@wn.de oder unter  0 25 04/73 35 75.

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