Gedenken des Vereins Erinnerung und Mahnung und des Rochus-Hospitals
Den Opfern eine Stimme geben

Telgte -

Am nationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus trafen sich Vertreter des Vereins Erinnerung und Mahnung sowie des Rochus-Hospitals zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung.

Dienstag, 26.01.2021, 17:04 Uhr aktualisiert: 26.01.2021, 17:10 Uhr
Der Verein Erinnerung und Mahnung und das Rochus-Hospital nahmen an den am Rochus eingelassenen Stolpersteinen, die an Gladys Strauss, Julie Löwenstein und Sophia Servos erinnern sollen, diesen Tag zum Anlass, an die Telgter Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.
Der Verein Erinnerung und Mahnung und das Rochus-Hospital nahmen an den am Rochus eingelassenen Stolpersteinen, die an Gladys Strauss, Julie Löwenstein und Sophia Servos erinnern sollen, diesen Tag zum Anlass, an die Telgter Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Foto: Stefan Flockert

Vor gut 25 Jahren erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, das Datum der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, zum nationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Erinnert wird an diesem Tag an die Ermordung der europäischen Juden, aber auch an die Opfer unter den Sinti und Roma, den geistig Behinderten und psychisch Kranken, den Homosexuellen, den Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen sowie den aus politischen Gründen Verfolgten.

Mit Blick auf die jüdischen Opfer erhält der Gedenktag im Jahr 2021 einen außerordentlichen Stellenwert: Denn es ist ein bedeutsames Jubiläumsjahr, in dem an 1700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland erinnert wird. Vor dem Hintergrund dieser langen gemeinsamen Geschichte wird der Zivilisationsbruch der Judenverfolgung und des Holocausts auf ganz besonders prägnante und erschütternde Weise deutlich, schreibt Vorsitzende des Vereins Erinnerung und Mahnung Telgte, Dr. Barbara Elkeles .

Der Verein Erinnerung und Mahnung und das St.-Rochus-Hospital nahmen diesen Tag zum Anlass, an die Telgter Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Eine ursprünglich geplante Gedenkfeier konnte aufgrund der aktuellen Kontaktbeschränkungen indes nicht stattfinden.

Auch in Telgte lebten etwa 400 Jahre lang jüdische Familien, oft über mehrere Generationen. Von den jüdischen Mitbürgern, die Ende der 1930er Jahre noch in Telgte wohnten, konnten nur vier Personen emigrieren, neun kamen in den Ghettos und Vernichtungslagern ums Leben. Auch mehrere jüdische Patientinnen des St.-Rochus-Hospitals wurden Opfer der Verfolgung. Deren Namen und deren Geschichte sind bekannt. Und deshalb könne sie aus der unvorstellbaren anonymen Masse der Opfer hervorgeholt werden: Gladys Strauss, Julie Löwenstein und Sophia Servos.

Julie Löwenstein, die aus Rietberg stammte, und ihre Mitpatientin Gladys Strauss wurden am 21. September 1940 auf Anordnung des Reichsinnenministeriums aus dem St.-Rochus-Hospital in die Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf gebracht und von dort aus nach wenigen Tagen in die Tötungsanstalt Brandenburg/Havel weitertransportiert. Dort wurden sie kurze Zeit später in der Tötungsmaschinerie durch Gas ermordet.

Sophia Serphos, die aus der niederländischen Grenzregion stammte, wurde am 7. Januar 1941 zunächst in eine Heilanstalt in Eindhoven verlegt und von dort aus – trotz des verzweifelten Widerstandes der Ärzte vor Ort – 1944 über das Lager Westerbork nach Auschwitz deportiert, wo sie am 26. März 1944 ermordet wurde.

„Die Schicksale dieser drei Frauen stehen stellvertretend für die zahllosen Opfer des Nationalsozialismus, sie sind exemplarisch für ungezählte andere“, führte Elkeles weiter aus. „Die Erinnerung an ihre Leiden verleiht den Opfern eine Stimme, ein Gesicht, eine individuelle Biografie.“ Diese Auseinandersetzung solle auch dazu dienen, sie in die Erinnerungskultur der Telgter Stadtgesellschaft und des Rochus-Hospitals zu integrieren. „Und sie versteht sich als Aufruf gegen Intoleranz, Ausgrenzung und Diskriminierung.“

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