Überwachung der Grundwassersituation an der früheren Bettfedernfabrik Kruchen
„Hydraulischer Kurzschluss“

Telgte -

Auf ihrem ehemaligen Betriebsgelände hatte die frühere Bettfedernfabrik Kruchen in den 1970er-Jahren zur Reinigung von Bettfedern – wie damals üblich und zulässig – das Reinigungsmittel Perchlorethylen (PER) eingesetzt. Dies ist als Lösemittel der Stoffgruppe der leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffe (LCKW) zuzuordnen. Teile des verwendeten Stoffes drangen in den Untergrund ein und verunreinigten den Boden, die Bodenluft und das Grundwasser. Jüngst wurde in diesem Bereich im Boden erneut ein erhöhter LCKW-Gehalt festgestellt.

Montag, 01.02.2021, 06:04 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 06:11 Uhr
In den Gebäuden der ehemaligen Bettfedernfabrik Kruchen wurden früher Bettfedern gereinigt.
In den Gebäuden der ehemaligen Bettfedernfabrik Kruchen wurden früher Bettfedern gereinigt. Foto: Andreas Große Hüttmann

Das Amt für Umweltschutz und Straßenbau des Kreises Warendorf untersucht seit 2017 regelmäßig das Grundwasser auf dem ehemaligen Gelände der früheren Bettfedernfabrik Kruchen an der Bahnhofstraße in Telgte. Dabei wurde nun ein erhöhter LCKW-Wert festgestellt. Es liegen aber keine Hinweise auf eine Gefahr für Menschen vor, da die erhöhten LCKW-Gehalte lediglich in einem sehr eng begrenzten Bereich ermittelt wurden.

Im Jahr 2017 waren nach fünf Jahren die Sanierungsarbeiten auf dem Gelände erfolgreich abgeschlossen worden. Dabei hatten die Untersuchungen der Bodenluft und des Grundwassers am Altstandort gezeigt, dass die sogenannten Leichtflüchtigen Chlorierten Kohlen-Wasserstoffe (LCKW) aus der Bodenluft weitgehend entfernt wurden. Die LCKW-Gehalte im Grundwasser wurden dabei ebenfalls soweit reduziert, dass die Sanierung eingestellt und die Anlagenkomponenten zurückgebaut werden konnten.

Fortgesetzt wird aber seitdem die Überwachung der Grundwassersituation. Dabei zeigte sich in den vergangenen Monaten, dass im Bereich des früheren Betriebswasserbrunnens an der Bahnhofstraße 48 die LCKW-Gehalte im Grundwasser wider Erwarten anstiegen.

Dieser Betriebswasserbrunnen war in der aktiven Zeit der Bettfedernfabrik so tief angelegt worden, dass ihm das oberflächennahe und auch tiefere Grundwasser zuflossen. Dieses Tiefengrundwasser wurde ebenfalls durch LCKW in einem geringeren Umfang verunreinigt, lässt sich mit technischen Mitteln in einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand aber nicht reinigen. Der Grund dafür: Das tiefere Grundwasser strömt durch diffus verlaufende Spalten, deren Lage und Fließrichtung im Untergrund nicht genau zu ermitteln sind.

Der Anstieg der LCKW-Gehalte im oberflächennahen Grundwasser lässt sich durch Undichtigkeiten im Bereich des früheren Betriebsbrunnens erklären, durch die die LCKW aus der Tiefe in das oberflächennahe Grundwasser aufsteigen können. Um diesen sogenannten „hydraulischen Kurzschluss“, der die beiden Grundwasserleiter verbindet, nun abzudichten, wird der Bereich des ehemaligen Betriebsbrunnens durch eine Tiefbaufirma überbohrt. Diese Abdichtungsmaßnahme ist ab dem 2. Februar im Bereich des Grundstücks Bahnhofstraße 48 vor der nordöstlichen Giebelwand der ehemaligen Produktionshalle geplant und wird einige Tage in Anspruch nehmen. Dieser Bereich grenzt an den Fuß-/Radweg „Hagen“. Die Bauarbeiten sollen in möglichst kurzer Zeit durchgeführt werden. Mögliche Verkehrsbehinderungen und Lärmbelästigungen werden auf ein Minimum beschränkt.

Sofern an der Bahnhofstraße und/oder am Fuß-/Radweg „Hagen“ Schäden auftreten, werden diese nach Beendigung der Arbeiten behoben. Bei der Maßnahme entstehen den Anliegern und der Stadt Telgte keine Kosten, diese werden vom Kreis Warendorf und vom Land NRW getragen. Betroffene Bürgerinnen und Bürger können Rückfragen im Vorfeld oder während der Arbeiten an das Amt für Umweltschutz und Straßenbau des Kreises richten.

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