Neues Werk von Rolf Braun
„Ein schönes Buch“ über Kreuzwege

Telgte -

Dr. Rolf Braun arbeitet mit großem Elan an einem Buch über die Telgter Kreuzwege. Viele große Bilder verspricht der Telgter. Und ein wenig Text als Erklärung. Bei seinen Recherchen hat er den Alten Kreuzweg betreffend eine erstaunliche Entdeckung gemacht.

Freitag, 19.02.2021, 19:26 Uhr aktualisiert: 19.02.2021, 19:30 Uhr
Die Bilder zeigen die jeweils sechsten Stationen des Alten Kreuzweges (oben) und des Westbeverner Kreuzwegs.
Die Bilder zeigen die jeweils sechsten Stationen des Alten Kreuzweges (oben) und des Westbeverner Kreuzwegs. Foto: Jakob Braun

Er hat Ende der 1960-er/Anfang der 1970er Jahre ein Rechenbuch für Grundschüler veröffentlicht, er malt voller Leidenschaft, hat die Telgter Ratsprotokolle von 1624 bis 1700 transkribiert oder ein Meditationsbüchlein zur Wallfahrt zum Gnadenbild geschrieben. Jüngst ist sein neuestes Buch „Wege und andere Schönheiten – Bilder und Texte aus Südfrankreich“ erschienen, eine Art Liebeserklärung an den südlichen Teil unseres Nachbarlandes. Doch wer denkt, dass Dr. Rolf Braun irgendwann kürzer treten würde, der sieht sich getäuscht. Immer hat der 78-Jährige neue Projekte in der Pipeline. Derzeit sind es die Telgter Kreuzwege, die es ihm angetan haben.

Eigentlich sollte es ein Werk voller großer Bilder werden, erklärt Braun. „Ein schönes Buch“ sollte es werden. Doch wenn es für ihn ein schönes Buch werden soll, dann muss er dabei auch tief in die Materie einsteigen, um die erklärenden Fakten richtig darzustellen. Denn zu jedem der sieben in Telgte existierenden Kreuzwege möchte er einige Sätze als Erläuterung hinzufügen. „Aber keine Geschichten“, wie er betont.

Und bei seinen Recherchen zum „Alten Kreuzweg“, der heute parallel zur Einener Straße verläuft, hat er Erstaunliches zu Tage befördert. Der jetzige Kreuzweg ist 1894 entstanden. „Es gibt aber Hinweise, die darauf hindeuten, dass es schon vorher einen gegeben hat“, erzählt Braun, der in Mathematikdidaktik promoviert hat. Dieser sei 1857 geschaffen und 1858 eingesegnet worden, habe im Straßenraum gestanden und sei wohl immer mehr vergammelt. Die Betenden seien, sagen die Quellen, durch den Fahrverkehr beeinträchtigt worden.

So weit waren viele Details über den „Alten Kreuzweg“ bekannt. „Doch es muss noch einen Vorgänger gegeben haben. Der wird in den Kirchenakten, der Akte 289, indirekt erwähnt“, berichtet Rolf Braun. Der damalige Bischof von Münster, Johann Georg Müller, antwortet darin auf ein Schreiben von Pfarrer Schaten. Schaten müsse dem Bischof geschrieben haben, dass er schon Geld für einen neuen Kreuzweg zusammenhabe. Der Bischof habe ihm darauf geantwortet, dass er sich freue, dass ein neuer Kreuzweg eingerichtet wird. „Das heißt, es muss zuvor schon einen gegeben haben“, schlussfolgert Braun, der bedauert, dass es ihm bislang nicht gelungen ist, herauszufinden, wann dieser Kreuzweg errichtet wurde. Er will aber noch versuchen, mit Hilfe von Akten im Bistumsarchiv diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen. „Aber wahrscheinlich sind diese Akten im Zweiten Weltkrieg verbrannt“, befürchtet der Telgter.

Einen Hinweis hat er aber doch gefunden. Auf der Einsegnungsurkunde des Nachfolger-Kreuzweges aus dem Jahr 1858 ist unten das Datum 10. Mai 1742 vermerkt. „Das könnte ein Hinweis auf die Einsegnung des Vorgänger-Kreuzwegs sein. Das ist aber nicht gesichert“, so Braun weiter.

Wenn sich Rolf Braun in eine Frage verbissen hat, dann scheut er keine Mühen. Er hat alle alten Kirchenrechnungen von 1650 bis 1782 – er hat sie alle auf seinem PC – durchgeschaut, um zu sehen, ob der vermeintlich erste Kreuzweg irgendwo erwähnt wird. Und tatsächlich findet sich darin eine Karfreitagsprozession, die zum Kalvarienberg geführt haben soll. „Jetzt können wir annehmen, dass es sich um den heutigen Berg handelt“, erläutert Rolf Braun. Und wirklich, heute findet sich die Kreuzigungsgruppe der XII. Station auf dem sogenannten „Kalvarienberg“.

Um unter Umständen Bestätigung für die bislang erarbeiteten Indizien zu bekommen, möchte Rolf Braun auf jeden Fall noch einen Blick in das Urkataster von 1829/30 werfen.

In den nächsten zwei bis drei Monaten möchte der Telgter sein Kreuzweg-Buchprojekt abschließen. Rund 250 Seiten wird es umfassen. Neben dem Alten Kreuzweg werden sich darin weitere Kreuzwege finden: die Kreuzwegbilder des Hungertuchs von 1623, die von Kindern gemalten Kreuzwegbilder in der ehemaligen Johanneskirche, der Bückerkreuzweg an der Ems, die Kreuzwege in Westbevern, am Rochus-Hospital sowie in der Clemenskirche und der Prozessionsweg. Wobei Letzterer kein richtiger Kreuzweg sei, sondern ein Sieben-Schmerzen-Weg, dessen Endpunkt die Pietà-Darstellung in der Gnadenkapelle ist. Teil der Veröffentlichung ist ein Aufsatz von Markwart Herzog zum Thema „Vergegenwärtigung von Entferntem und von Vergangenem“, der sich mit Kreuzwegen beschäftigt.

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