Unterwegs mit Natur-Genuss-Führer Udo Wellerdieck
Dialekte auch in der Vogelwelt

Telgte -

Rotdrosseln, Weidenlaubsänger und einen Kiebitz entdeckten Udo Wellerdieck und Ruth Tieskötter bei einer Vogel-Safari durch die Harkampsheide. Dabei erklärte der Vogelkundler viel Wissenswertes über die heimischen Arten.

Dienstag, 06.04.2021, 16:45 Uhr aktualisiert: 06.04.2021, 16:50 Uhr
Der Natur- und Vogelkundler Udo Wellerdieck zeigt auch gerne Federn, wenn etwa gerade ein Mäusebussard vorbeifliegt.
Der Natur- und Vogelkundler Udo Wellerdieck zeigt auch gerne Federn, wenn etwa gerade ein Mäusebussard vorbeifliegt. Foto: Bernd Pohlkamp

Über der Harkampsheide verläuft eine Vogelfluglinie. Das wurde auf einer Safari, an der ursprünglich viele Naturfreunde teilnehmen sollten, deutlich: Natur-Genuss-Führer Udo Wellerdieck führte jetzt – coronabedingt – die Initiatorin Ruth Tieskötter allein durch den Lebensraum der Vögel. „Wenn die Hygieneregeln es wieder zulassen, werden wir diese ,Vogelstimmenführung‘ wieder aufnehmen und einem größeren Kreis die Teilnahme ermöglichen,“ versichert Ruth Tieskötter.

Luftraum über der Harkampsheide

Auf seiner Erkundungstour erlebte das Duo, wie intensiv der Luftraum über der Harkampsheide überflogen wird. So beobachteten beide einen Schwarm Rotdrosseln, der aus dem Süden kommend in der Harkampsheide eine Rast einlegte. Udo Wellerdieck erkennt sie auch an ihrem hohen, gedehnten „tziih“.

Dann in der Ruhe ertönt ein monotones „zilp zalp zilp zalp“. Udo Wellerdieck nimmt mit seinem Fernglas den Vogel ins Visier: „Es ist der Zilpzalp oder auch Weidenlaubsänger genannt. Er überwintert im Mittelmeerraum und gehört zu den ersten Zugvögeln, die bei uns eintreffen.“

Natürlich lauern auch Gefahren für die Zugvögel in der Harkampsheide. Wellerdieck benennt hier den Sperber, den Habicht und den Wanderfalken. Dann beobachtet der Fachmann eine Goldammer: Der Gesang dieser Vögel sei sehr markant und gehöre zur Kulturlandschaft. „Wie bei anderen Vögeln auch, findet man bei diesem Dialekte. Beim Star zum Beispiel gibt es neue Dialektgruppen jeweils in einem Abstand von etwa 50 Kilometern“, erzählt Wellerdieck. Vogelgesang sei nicht nur schön, sondern erfülle auch wichtige Funktionen im sozialen Gefüge der jeweiligen Vogelart.

Gesang wichtig fürs soziale Gefüge

Die Feldlerche und das Rebhuhn, ehemalige Bewohner in der Harkampsheide, seien fast ganz verschwunden. Der Kiebitz gelte als Frühlingsbote und sei ebenfalls stark bedroht. Weil die Lebensräume verloren gehen und die Brutstätten oft zerstört werden, sei er nur noch selten anzutreffen. Udo Wellerdieck und Ruth Tieskötter haben an diesem Nachmittag Glück. Sie hören „kie-wi“ als Kontaktlaut. Mit dem Fernglas erblickt der Vogelkundler schon bald einen Kiebitz.

Am Rande eines viel besungenen Biotops listet Wellerdieck die gefährdeten Arten auf: Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Pirol, Star oder Kuckuck sind davon betroffen. Der Schlüssel zu einem gesunden Lebensraum für alle Tierarten führe über die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und sollte einhergehen mit einer naturverträglichen Gestaltung der Landschaft. „Wir müssen mehr Naturschutzgebiete ausweisen und ökologischer wirtschaften,“ fordert der Natur- und Vogelkundler.

Mehr Naturschutzgebiete

Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Als Kind hat er Vogelfedern gesammelt. Später habe er Vogelstimmen gelernt. Dann habe er sich in das „Handbuch der Vögel Mitteleuropas“ mit 24 Bänden so sehr vertieft, dass er alles über die Vogelwelt wisse. Sein kompaktes Wissen vermittelt Wellerdieck in Seminaren und Naturbegehungen.

Auf ihrem Weg kommen die Naturgänger auch durch einen Wald. „Wenn wir jetzt aufhören zu reden, hört auch das Rotkehlchen auf zu singen, weil es glaubt, dass wir es ins Visier nehmen“, weiß Wellerdieck zu berichten.

Der Spaziergang durch die Natur endet mit einem deutlichen Hinweis von Wellerdieck auf den Schutz der Artenvielfalt und der Lebensräume: „Sie sind unser größter Schatz. Denn nur in einem artenreichen Lebensraum halten sich die Kräfte gegenseitig in Schach. Jede Art hilft mit, das ökologische Gleichgewicht zu halten. Wir verstehen heute mehr und mehr, wie katastrophenanfällig Monokulturen sind. Schon deshalb lohnt sich Artenschutz.“

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