Prozess wegen schwerer Körperverletzung fortgesetzt
Frage nach dem Aggressor bleibt offen

Telgte -

Eine Gerichtsmedizinerin sagte jetzt unter anderem vor dem Landgericht in Münster aus. Sie hatte nach der Schlägerei am Orkotten im August 2020 vier Personen untersucht. Einer habe ein „schweres Schädel-Hirn-Trauma“ erlitten. . Er öffne zwar spontan die Augen und könne den rechten Arm bewegen. Etwas nach Aufforderung zu machen, gelinge ihm aber nicht. Womöglich bleibe der Mann dauerhaft schwerstbehindert

Dienstag, 06.04.2021, 15:06 Uhr aktualisiert: 07.04.2021, 14:22 Uhr
Die Schlägerei am Orkotten bestimmte wieder eine Verhandlung am Landgericht Münster.
Die Schlägerei am Orkotten bestimmte wieder eine Verhandlung am Landgericht Münster. Foto: dpa

Verdächtig kam einem Zeugen an dem späten Augustabend vor, was sich vor dem Übergangswohnheim am Orkotten abspielte. Drei Personen standen vor einem Markt nebenan. Gegenüber dem Wohnheim, in dem Migranten und Nichtsesshafte untergebracht sind, parkte ein Auto mit Münster-Kennzeichen und angeschaltetem Standlicht. Der Zeuge vermutete einen geplanten Überfall auf die Unterkunft. Und tatsächlich kam es vor dem Wohnheim zu einer brutalen Auseinandersetzung zwischen, wie er sich erinnerte, „etwa neun Personen“.

In der rechtlichen Aufarbeitung der Schlägerei mit zwei Schwerverletzten am Landgericht in Münster , bei der es nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft um Geschäfte mit Marihuana ging, sagte der 44 Jahre alte Geschäftsmann jetzt aus. Probleme mit Drogen und Dealern seien in Telgte in jüngster Vergangenheit „größer geworden“, sagte er. Deshalb habe er, wie schon öfter, zusammen mit einem Kollegen nach Dienstschluss eine Fahrt durch den Ort unternommen, um sich ein Bild an verdächtigen Orten zu machen. „Die Personen vor dem Markt sahen aus, als hätten sie sich abgesprochen. Und das Auto sah wie ein Fluchtfahrzeug aus“, schilderte der Telgter.

Schließlich sei eine Person zu dem Auto gerannt, und „drei bis vier Leute“ seien von der Unterkunft aus hinter ihm her. Eine Schlägerei brach demnach aus, offenbar zwischen den „Verdächtigen“ und Bewohnern. Baseballschläger wurden eingesetzt, Tritte und Schläge ausgeteilt. Dann sei erneut ein Mann „getroffen“ worden, sagte der Zeuge, eine Weile liegengeblieben, aufgestanden und wieder zusammengebrochen. „Wir haben die Polizei angerufen.“

Wer bei der Auseinandersetzung letztlich wen schwer attackiert und die Schlägerei ausgelöst hatte, war auch am vierten Verhandlungstag in Münster nicht eindeutig zuzuordnen. „Es wurde immer weniger geschlagen, weil immer mehr Leute getroffen wurden. Am Ende waren noch zwei oder drei in das Handgemenge verwickelt“, so der Zeuge. Polizei und Rettungsfahrzeuge seien schnell eingetroffen. „Plötzlich war es ruhig und friedlich, als sei nichts gewesen. Es ist auch niemand weggerannt.“

Im Verfahren angeklagt sind zwei Bewohner des Heims wegen schwerer Körperverletzung. Sie hatten selbst Blutergüsse sowie Schnitt- und Schürfwunden davongetragen. Die Männer (beide 30) sollen maßgeblich daran Schuld tragen, dass einer der Kontrahenten aus Münster (29) mehrere Knochenbrüche im Gesicht erlitt und sein jüngerer Bruder (18) lebensgefährlich verletzt wurde.

Eine Gerichtsmedizinerin, die nach dem Vorfall alle vier Personen untersucht hatte, erklärte im Gericht als Gutachterin, dass der Jüngere ein „schweres Schädel-Hirn-Trauma“ erlitten hat. Er öffne zwar spontan die Augen und könne den rechten Arm bewegen. Etwas nach Aufforderung zu machen, gelinge ihm aber nicht. Womöglich bleibe der Mann dauerhaft schwerstbehindert.

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