Warendorf
20 Cent für eine Mahlzeit

Mittwoch, 11.04.2007, 17:04 Uhr

Einen-Müssingen. Unbemerkt „aus der Hüfte geschossene“ Fotos faszinierten die Mitglieder des Freundeskreises der Mission am Dienstagabend im Einener Pfarrheim . Christian Engbert vermittelte ihnen damit Einblicke in ein Namibia, dass sich Touristen eher selten erschließt. Der Medizinstudent machte im vergangenen Jahr ein Praktikum am staatlichen Krankenhaus in Windhoek –in dem Hospital werden fast ausschließlich Schwarze behandelt. Oft haben die Kranken schon eine 300 bis 400 Kilometer lange Anreise hinter sich, wenn sie im 900-Betten-Haus ankommen. So ist ein Unfallopfer oder ein Kind mit einem Blinddarm-Durchbruch im schlimmsten Fall schon mal ein paar Tage auf Eselskarren oder Überland-Bus unterwegs, bevor operiert werden kann. Denn in den kleineren Medi-Zentren, die über das ganze Land verteilt sind, werden nur „leichte Fälle“ kuriert, erklärte der 27-Jährige.

Interessant war auch der Hinweis, dass die Ausstattung mit medizinischem Gerät zwar europäischen Standard habe, dessen Wartung aber nicht. So komme so schon einmal zu Engpässen und Operationen würden wegen eines fehlenden Ersatzteils abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben.
Auf besonderes Interesse stießen die Aufnahmen aus Windhoeks Township. Dorthin wurde 1959 die komplette schwarze Bevölkerung zwangsumgesiedelt. Heute lebt in Katutura rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung der namibischen Hauptstadt. Und täglich wächst der riesige Stadtteil um rund 200 Menschen. Engbert führte seine Zuhörer vom reicheren Wohnbezirk der Armen mit festen Häusern, die über eine Strom- und Wasserversorgung verfügen, bis hin zu schlichtesten Wellblechhütten, die an staubigen Wegen liegen und den Ärmsten der Armen nicht mehr als etwas Schutz vor Wind und Wetter bieten. Dort sorgen riesige Flutlichtmasten flächendeckend für Licht in den stockdunklen Abendstunden.

In Katutura liegt auch eine Vorschule, die der Freundeskreis der Mission unterstützt. Eine Lehrerin berichtete dem Gast aus Deutschland, dass für nur 20 Cent am Tag jedes Kind mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden könnte. Das sei fast so wichtig wie das Wissen, dass die Jungen und Mädchen dort vermittelt bekämen. Plakate und bunte Wandmalereien zeigten, dass auch die Vier- bis Fünfjährigen schon über Aids und Rassismus aufgeklärt werden. Am Tag des Besuches standen Vornamen auf dem Unterrichtsplan, und so schrieb ein kleiner Junge stolz seinen Namen Knowledge (Wissen) an die Tafel. Direkt neben Heike und Hans. Denn deutsche Namen haben auch bei der schwarzen Bevölkerung Windhoeks eine lange Tradition.

Die Vorsitzendes des Freundeskreises, Anne Schulze Westhoff, berichtete, dass die Zukunft des Vorschul-Kindergarten St. Martin de Porres nicht geklärt sei. Fraglich sei, ob der Staat oder die Kirche künftig die Trägerschaft übernehmen. Bis das geklärt sei, würden die beim Adventskonzert gesammelten Spendengelder zweckgebunden „eingefroren“.

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