Warendorf
Als Kälte noch gesammelt werden musste

Mittwoch, 18.07.2007, 07:07 Uhr

Warendorf . Zum bislang heißesten Sommerwochenende hatten sich die Mitglieder der Hausnotrufgruppe der Warendorfer Malteser einen Ort ausgesucht, wie er passender nicht sein konnte: Die alten Eiskelleranlagen der ehemaligen Brauerei Beuing in Altenberge . Die stammen aus einer Zeit, als es noch keine Kühlschränke gab.

In kalten Jahreszeiten wurde daher an vielen Orten Eis aus Seen und Flüssen gesägt und eingelagert. In Altenberge, wo der nächste Fluss zu weit entfernt war, wurde das Eis von eigens dafür gefluteten Wiesen „geerntet“. Heute erinnern nur noch sehr wenige Eiskeller an die alte Technik. Einer davon, vielleicht der schönste, ist der Eiskeller der ehemaligen Brauerei Beuing.

Werner Witte , Vorsitzender des Heimatvereins Altenberge, begrüßte die Malteser auf ihrem Ausflug mit ihren Familien im Museum, der „Eisscholle“. Schnell schlug er eine Brücke in das Jahr 1860, als die Gebrüder Beuing für den Brauereiprozess den Kühlschrank im XXL-Format bauen ließen. Er wurde mit rund 800 000 Backsteinen in den Berghang gebaut.

Gästeführer Witte erzählt von alten Zeiten in denen wochenlange Temperaturen unter 20 Grad keine Seltenheit waren, in denen Tagelöhner und Kötter aus der Gegend sich als Eisbauern verdingten und das Eis mit Pferdewagen an der Brauerei anlieferten. Durch oberirdische Öffnungen wurde es in die Keller hinuntergeworfen, Schicht um Schicht von den Menschen verfestigt, mit Wasser verfüllt das dann auch gefror und so einen riesenhaften Eisblock bildete. „Nur allzu leicht vergisst man heute, wie lang und mühsam damals der Weg bis zum Genuss gekühlter Lebensmittel war“, erläutert Witte anhand der Exponate in der Ausstellung. Er erinnert daran, dass erst 1903 die erste Banane in Deutschland ankam, zeigt einen Kühlschrank aus dem Jahr 1938, erzählt spannende Geschichten und Geschichtchen rund um Eis, Kühlen sowie Bierbrauen – und erzählt, warum das Eisbein eigentlich Eisbein heißt.

Durch Gänge, Gemäuer über Treppen und Stiegen geht es dann hinab bis in ein kirchenschiffartiges Gewölbe. „Man fühlt sich wie Däumling in einem gigantischen gemauerten Kühlschrank“, so der imposante Eindruck der Besucher. Hier in den Kellern der Brauerei hielt sich das Eis durch geschickte Wasserführung und ausgeklügelte Lüftungskanäle dann bis zu zwei Jahren. „Hier unten im Keller erreichte man Temperaturen von fünf bis sieben Grad, sowie Gär- und Lagerungstemperaturen bis zum Gefrierpunkt“, erklärt Eiskellerexperte Witte. Nebenbei gibt er noch einige Erläuterungen über Fledermäuse, die in dem großen Rundeiskeller mit seinem wunderschönen Dominikalgewölbe überwintern, so dass dieser Teil der Anlage auch nur im Sommer zu besichtigen ist. Staunend erfuhren die Besucher, dass das „braune Langohr“, die „Wasserfledermaus“ und die „Fransenfledermaus“, die hier im Winterschlaf verharren, ihre Körpertemperatur um mehr als 30 Grad innerhalb von 25 Minuten absenken und nur noch vier Mal in der Stunde atmen. Von den oberirdischen Anlagen der Brauerei ist heute nur noch wenig vorhanden.

Dass diese Anlage in ihrer Einzigartigkeit so wieder vorhanden ist, verdanken die Besucher unter anderem der Regionale 2004 und der NRW-Stiftung. „Wir wussten zwar dass hier diese Keller irgendwie vorhanden waren, da sie im Krieg auch als Bunker dienten. Aber irgendwie waren die fast in Vergessenheit geraten, als wir auf die Idee kamen die Räume wieder zu erschließen. Dass wir dabei auf einen solchen Schatz stießen, hätten wir nicht gedacht.“

Nach einem Frühstück in Altenberge machten sich die Malteser mit dem Fahrrad auf den Heimweg. Beim anschließenden Grillen wurde noch viel über die Erfahrungen des Tages diskutiert und alle waren sich einig, dass man über die Plackereien der Altvorderen kaum noch nachdenkt, wenn man sich heute ganz selbstverständlich ein kaltes Getränk aus dem Kühlschrank holt. Nähere Informationen zu Führungen im Eiskeller bei der Gemeinde Altenberge unter 0 25 05 / 82 33 oder

|www.altenberge.de

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