Warendorf
Ein Team mit viel Courage

Sonntag, 05.08.2007, 16:08 Uhr

Warendorf . „Die Stadtbücherei Warendorf ist nicht normal“, erklärte Beate Möllers von der Staatskanzlei des Landes NRW in Düsseldorf im Rahmen der Neueröffnung der Stadtbibliothek an der Kurzen Kesselstraße. Und sie meinte dies genauso, wie sie es sagte, denn – mit viel Engagement und Ehrgeiz hat das Team der Stadtbücherei Warendorf in knapp drei Jahren etwas geschafft, wofür andere Bibliotheken 20 Jahre brauchen.

Am Samstagmorgen öffnete die Stadtbücherei mit einem Festaktes nach dem Umzug von der Oststraße in die Kurze Kesselstraße erstmals ihre Pforten am neuen Standort. Bisher sei der städtische Bücherhort mehr schlecht als recht untergebracht gewesen, sagte Möllers in Anspielung auf die beengten Räumlichkeiten in der Oststraße. Das hat sich mit den neuen Räumlichkeiten grundlegend geändert: Circa 700 Quadratmeter stehen nun für die Unterbringung von Büchern zur Verfügung. Nicht genug damit, endlich ist auch Platz für Neuerungen: So gibt es jetzt ein Büchercafé für Erwachsene und eine erweiterte Kinder- und Jugendbuchabteilung mit Leseecke im Erdgeschoss: hier kann jetzt in aller Ruhe geschmökert werden. Des weiteren wurde ein Schulungsraum für Bibliothekare eingerichtet und eine neue Verbuchungstechnik (RFID) installiert.

Insgesamt wurden rund 200 000 Euro für die neue Stadtbücherei investiert,, teilte Dr. Martin Thormann, Erster Beigeordneter der Stadt Warendorf, mit. Neben den rein umzugsbedingten Kosten seien darüber hinaus auch Ausgaben für die Verbesserung der Bausubstanz: die Brandschutzsituation wurde verbessert, ein Aufzug eingebaut, Räume renoviert, angefallen.

Doch finanzielle Mittel und die „Entscheidungsfreudigkeit“ der Behörden allein, so Möllers, hätten den Umzug noch nicht möglich gemacht. „Ganz wichtig seien hier engagierte und couragierte Bibliothekare, ohne sie gehe gar nichts“, sagte sie. Das war ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Birgit Lücke , der Leiterin der Stadtbücherei Warendorf. Sie habe aus der Not eine Tugend gemacht und sich bei ihrer Arbeit auf das „Machbare“ beschränkt. In diesem Fall entstand so eine intensive Kooperation mit den Warendorfer Schulen – hier sind vor allem die Stichworte Sommerleseclub und Schulportal zu nennen.

Birgit Lücke gab das Lob weiter, denn wegweisend für diese Entwicklung und auch andere neue Ideen seien neben Beate Möllers auch Wolfgang Vaupel von der Medienberatung NRW sowie Organisations- und Personalberater Meinhard Motzko aus Bremen gewesen, die ihr bei der Gestaltung des Büchereikonzeptes mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätten. „Mit ihnen hat alles angefangen“, sagte Lücke. Deswegen hatte sie die Drei auch als Festredner zur Eröffnung eingeladen.

Diese zeigten sich rundweg zufrieden: Vaupel lobte vor allem die gute Zusammenarbeit mit den Schulen, durch welche nicht nur die Lernqualität gesteigert, sondern auch die Stadtbücherei stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werde.

Der Soziologe Motzko warf in seinem Festvortrag (Titel: „Raus aus dem Elfenbeinturm! Die Bibliothek als Problemlöser“) einen Blick in die Zukunft und zeigte auf, welche „Megathemen“ eine mögliche Rolle für Bibliotheken spielen könnten. Er appellierte unter anderem daran, die Büchereien auch für die unteren Schichten der Bevölkerung interessanter zu machen. Zudem könne die Bibliothek ein wichtiger Faktor für die Integration von Migranten sein: „Die Bücherei ist aus meiner Sicht ein Ort, in dem Kontakte entstehen können.“ Motzko machte aber ebenso deutlich, dass eine Bücherei nicht alle Milieus gleichzeitig bedienen kann.

Im Anschluss an den Festakt veranstaltete das Büchereiteam einen Tag der Offenen Tür mit buntem Rahmenprogramm. Highlights waren eine Bücherrallye "Quer durchs Haus", mit der Sprechwissenschaftlerin Tina Kemnitz – und das Theaterstück „Theaterwirbel im Regal“. Unter der Leitung von Ulrike Winkelmann hatten 12 Kinder im Rahmen eines Ferienprojektes die Erzählung von der „Kleinen Geschichte, die einmal ein großes Buch werden wollte“ (nach dem Buch von José Antonio Milan) eingeübt. Am Tag der Offenen Tür führten sie das Stück erstmals auf.

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