Warendorf
Maria spielt eine zentrale Rolle

Mittwoch, 15.08.2007, 17:08 Uhr

Warendorf . Die Identifikation mit den Grundsätzen und Riten der christlichen Kirche findet in der Regel recht einfach statt: Seit Jahrhunderten wachsen die Menschen mit den Grundsätzen ihres Glaubens auf. Über andere Religionen wissen sie hingegen wenig. Die sind oft etwas suspekt, da fremd – und deswegen manchmal auch mit Vorurteilen behaftet. Dabei gibt es nicht selten Gemeinsamkeiten zwischen den Glaubensrichtrungen.

Etwas Licht ins Dunkel brachte Prof. Dr. Assaad Elias Kattan im Pfarrheim St. Laurentius. Der Referent wurde 1967 in Beirut ( Libanon ) geboren. Er studierte von 1985 bis 1990 an der Universität Balamand im Libanon christlich-orthodoxe Theologie. Weitere zehn Jahre nutzte er für Aufbaustudien in Thessaloniki (Griechenland), Erlangen und Marburg, wo er 2000 promovierte.

Von 2002 bis 2004 arbeitete Kattan als Assistenzprofessor am „Institut für Geschichte, Archäologie und Erbe des Vorderen Orients“ der Universität Balamand. Seit September 2005 ist er Inhaber des Lehrstuhls für christlich-orthodoxe Theologie am Centrum für Religiöse Studien (CRS) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In seinem Referat über „Die Mutter Gottes in der orthodoxen Kirche“ zeigte er Gemeinsamkeiten der katholischen und orthodoxen Kirche in der Marienverehrung auf.

Dazu hatte er den Abend in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil galt es, das Marienbild unter orthodoxen Aspekten zu umreißen, wobei Kattan sich auch auf außerbiblische Erzählungen bezog. Die Funktion Mariens in der orthodoxen Frömmigkeit war ebenfalls ein Thema. Die Marienfigur zieht sich aber auch durch andere Religionen und wird selbst im Koran erwähnt.

Es gibt ein gemeinsames Fest, das in der christlichen und orthodoxen Kirche gefeiert wird – Mariä Himmelfahrt. Mit der Himmelfahrt ist der Tod Marias gemeint. Der Tod bedeute die Rückführung zu Jesus Christus. In der orthodoxen Kirche spricht man statt von Himmelfahrt von „Entschlafen“. In der Liturgie spielt dieses Fest eine große Rolle. Jedoch gebe es keine dogmatisch verbindliche Aussage dazu, so der Referent.

Im zweiten Jahrhundert wurde eine Parallele zwischen Maria (Die Gehorsame) und Eva (Die Ungehorsame) entdeckt. Seit dem fünften Jahrhundert führt Maria in der orthodoxen Kirche den Titel der „Gottesgebärerin“. Im Konzil in Konstantinopel wurde sie zur „Immer währenden Jungfrau“ ernannt. „Ob sie immer Jungfrau geblieben ist, ist nicht bekannt“, stellte Kattan fest. Schon aus der Keuschheitsfrage heraus spielt Maria eine zentrale Rolle für alle Orthodoxen. Ein Beispiel: „Frauen dürfen die griechische Insel Pathos nicht betreten, um das Keuschheitsgelübde der Mönche nicht zu gefährden. Nur die Mutter Gottes darf als Vorbild den Berg „betreten“. Aus diesem Grunde werde der Berg „Garten der Jungfrau“ genannt.

Im zweiten Teil zeigte Kattan Dias von dreißig verschiedenen Marien-Ikonen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/498841?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F706825%2F706883%2F
Nachrichten-Ticker