Warendorf
Brunnenwasser half bei Augenleiden

Dienstag, 11.09.2007, 17:09 Uhr

Freckenhorst . „Was fällt euch auf, wenn ihr die Fassade anschaut?“ Heinz-Willi Kehren ist ganz schön hartnäckig. Doch die 14 Kinder und elf Erwachsenen, die am Sonntagnachmittag vor der Freckenhorster Stiftskirche stehen, schlagen sich wacker. „Da sind keine Fenster“, weiß ein Mädchen. „Richtig“, lobt der Gästeführer. Denn die Kirchen waren früher auch Schutzburgen, boten den Menschen bei Gefahr einen sicheren Ort.

Schon geht es spannend weiter. Am Tag des offenen Denkmals , der erstmalig sakrale Bauten der Öffentlichkeit zugänglich macht, entdecken die Teilnehmer Kirche einmal ganz anders. Saxophonist Andreas Wickel begleitet mit gekonnten Improvisationen und langsamen Weisen die einzelnen Stationen.

Zahlreiche Details ergänzen die Erläuterungen, da staunen auch die Großen. „Vor 150 Jahren gab es keine Bänke.“ „Wer sind die Figuren an der Metalltür am Seitenschiff?“ Mit Wachsmalkreide und Pergamentpapier pausen Besucher Namen durch und formen mit Knete Figuren und Edelsteine, während Ingrid Rickmann die Bedeutung erklärt.

„Hat schon jemand einen Brunnen in der Kirche gesehen?“ Neugierig blicken alle in die Tiefe. Beim Bau der ersten Kirche befand sich die Quelle noch außerhalb der Mauern, bei der zweiten sind sich die Historiker nicht einig. Doch als die dritte, heutige Kirche 1129 eingeweiht wurde, war der Brunnen integriert. „Das beste Wasser in Freckenhorst“, meint Kehren und holt mit dem Eimer das kühle Nass nach oben. Wissenschaftliche Analysen bestätigten die hohe Qualität des Wassers. „Bei Augenleiden nutzten die Menschen es als Heilwasser.“

Der Taufstein ist die nächste Station, danach wandern alle mit den an der Osterkerze angezündeten Kerzen in die Krypta. Auch hier gibt es viel zu entdecken: Die Bedeutung der mit Edelsteinen geschmückten Fensterkreuze, die Inschriften am Grab der Geva und vieles mehr. Weiter in den Altarraum und den Glockenturm. Alles Orte, die Gläubigen sonst verschlossen sind. Mit sichtlichem Vergnügen lassen die Besucher in der Läutstube die Glocken durch das Ziehen an den Seilen minutenlang erklingen. Einige ganz Mutige wagen sich sogar ganz oben in die Kirchtturmspitze.

Sakrale Bauten einmal ganz anders entdecken – das ist das Besondere diesen Tag des offenen Denkmals.

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