Warendorf
Milte putzt sich ’raus

Donnerstag, 27.03.2008, 17:03 Uhr

Milte . Der Gasthof Biedendieck ist geschlossen, im Schaufenster des Textilhauses Temme prangt ein Schild, das vom Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe kündet. Die Inhaberin hat keinen Nachfolger, der das Geschäft weiter führen könnte. Obgleich die Schließung des Gasthofes wohl nicht von langer Dauer sein wird – im Dorf kursiert das Gerücht, dass ein neuer Pächter bereits gefunden ist – scheint der Milter Dorfkern einen langsamen Tod zu sterben. Das wollen die mittlerweile 55 Mitglieder des Arbeitskreises „Milter Bürger“, der sich inzwischen auf mehrere Arbeitsgruppen aufgeteilt hat, nicht tatenlos hinnehmen.

Von einer gewissen „Aufbruchstimmung“ spricht Rechtsanwalt Markus Pletzing , Mitglied der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit. Wenn es hart auf hart komme, müsse man möglicherweise einmal über die Umsetzung eines „kapitalistischen Modells“ in Milte nachdenken, das zum Beispiel in Jülich-Barmen und in Rhede-Krechting praktiziert wird, sagt Pletzing. Auch in diesen Gemeinden schlossen nach und nach die letzten Nahversorger ihre Pforten. Die Bewohner des kleinen Dorfes Jülich-Barmen wollten sich mit dieser Situation nicht abfinden. Sie gründeten den Verein „DORV“ – „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum-Versorgung“. „Die Aufgabe: die Bürger mit frischen Lebensmitteln und Alltagsartikeln zu versorgen. Außerdem kann man amtliche Angelegenheiten erledigen, den Sparkassenservice nutzen, Briefmarken kaufen und im Reisebüro den nächsten Urlaub buchen. Auch Alte und Schwache werden unterstützt: Eine Firma, an der die Bürger Anteilscheine besitzen, wurde gegründet und ein Nachbarschaftshilfe- und Kommunikationszentrum eingerichtet“, heißt es auf der DORV-Homepage. Mitglieder der Dorfentwicklungs-Arbeitsgruppen hätten schon einmal laut überlegt, im Gebäude Temme eine Art Bürgercafé einzurichten. „Dann könnte man im Sommer im Schatten der Kirche Kaffee trinken“, träumt Markus Pletzing von mehr Leben im Dorfkern. Die Arbeitskreise in Milte beschäftigen sich darüber hinaus mit der Gestaltung von Biotopen, mit Straßenverkehrsangelegenheiten, der Schul- und Kindergartensituation, sozialen Netzwerken, dem Leben in Generationenhäusern. Mit einem konkreten Termin wartet der Arbeitskreis Umwelt und Verkehr auf. Er lädt am 3. Mai ab 14.30 Uhr zu einer Aktion „Milte putzt sich ’raus“ ein. An diesem Nachmittag sollen die aus dem Dorf herausführenden Radwege von Unrat befreit werden. Dabei darf der Arbeitskreis „Milter Bürger“ auf Unterstützung von Seiten der Stadt hoffen. Nachdem viele Bürger im Zuge einer Befragung ein gefühltes mangelndes Interesse der Stadt Warendorf am Ortsteil Milte beklagt hatten, hatte Bürgermeister Jochen Walter die Unterstützung der an der Dorfentwicklung arbeitenden Gruppen zugesagt.

Der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit, dem neben Markus Pletzing Walburga Schulte Wien, Lena Reckhorn, Max Brügge, Christoph Gellenbeck und Stefan Micke angehören, beschäftigt sich zurzeit vor allem mit der Internetpräsenz Miltes. „Wir verstehen uns als Pressesprecher des Dorfes“, erläuterte Walburga Schulte Wien, die sich unter anderem um die Aufnahme Miltes ins Internet-Lexikon Wikipedia bemüht, die Aufgabe des Arbeitskreises „Öffentlichkeitsarbeit“. Dieser stellte sich gestern Nachmittag in der WN-Redaktion vor.

Das nächste Projekt, dem sich alle Arbeitsgruppen widmen werden, ist die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. An der Präsentation, die am 6. Mai in Haus Nottbeck (Oelde) stattfindet, wird momentan gefeilt. Die eigentliche Begehung findetam 4. Juni statt.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/567309?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F706774%2F706820%2F
Zwei Unfälle mit Betrunkenen ohne Führerschein – ein Schwerverletzter
Polizeieinsätze am Freitagabend: Zwei Unfälle mit Betrunkenen ohne Führerschein – ein Schwerverletzter
Nachrichten-Ticker