Warendorf
Ungeschriebene Geschichte schreiben

-at- Warendorf. Als Dr. Ute Küppers-Braun im Herbst Guido Knopps Fernsehreihe „Die Deutschen“ gesehen hat, muss sie heftig den Kopf geschüttelt haben: „In der Serie kommt nicht eine einzige Frau zu Wort...

Dienstag, 16.12.2008, 22:12 Uhr

-at- Warendorf . Als Dr. Ute Küppers-Braun im Herbst Guido Knopps Fernsehreihe „Die Deutschen“ gesehen hat, muss sie heftig den Kopf geschüttelt haben: „In der Serie kommt nicht eine einzige Frau zu Wort. Die huschen höchstens als Krankenschwestern durchs Bild.“

Dabei haben natürlich auch Frauen Geschichte mitgeschrieben, wengleich nicht immer so offensichtlich. Unbekannt, aber nicht unbedeutend ist zum Beispiel das medizinische Werk von Helena de Noldi, das in Warendorf 1702 verlegt wurde und das Küppers-Braun erforscht. Es ist eines der Frauenporträts aus dem Kreis Warendorf, das Herausgeberin Christa Paschert-Engelke vom Verein „kulturelles“ in „Im Garten der Roswindis “ vorstellt. Neben Helena di Noldi geht es darin um 62 andere Frauen, die im Verlauf von über 1 000 Jahren im Kreisgebiet gelebt haben oder immer noch leben: angefangen bei Roswindis, der Äbtissin des Klosters Liesborn, bis hin zu Susanne Schmitt-Rimkus, der ersten weiblichen Gestütsleiterin in Warendorf.

„Es sind Frauen, die ein Stück ihrer Zeitgeschichte vertreten“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Warendorf, Iris Blume, die mit ihren Kolleginnen im Kreis das Buch initiierte. Nicht nur Frauen, die politisch etwas bewegt haben, wie die erste Frau im Warendorfer Stadtrat, Clara Schmidt, oder die verstorbene Landfrauenvorsitzende Hedwig Diers, gehören dazu. Auch Schicksale wie das der „Hexe“ Else Rode oder der Bettlerin Maria Catharina Lücke zeigen Geschichte „von unten“ und stehen für das Leben vieler anderer Frauen.

Neben Warendorfer Autorinnen wie Mechtild Wolff, Hedwig Haarmann oder Iris Blume, haben sich aber auch Männer an die Frauenporträts gewagt. Der Historiker Jürgen Gojny stellt die umstrittene Dichterin Agnes Miegel vor; Klaus Gruhn hat sich mit Juliane Borges beschäftigt. Die eher unbekannte Warendorferin kam in den 1860er Jahren als Erzieherin in Oxford mit literarischen Zirkeln in Berührung und begann selbst zu schreiben. Später bildete sie junge Diakonissinnen aus. Zu ihren Bekannten zählte unter anderem die in England verehrte Krankenschwester Florence Nightingale. „Julie Borges ist ein gutes Beispiel für noch ungeschriebene Geschichte“, erklärt Gruhn, warum er sich mit der Warendorferin beschäftigt hat.

Fachlich begleitet hat „Im Garten der Roswindis“ die Historikerin Dr. Julia Paulus vom Westfälischen Institut für Regionalgeschichte. Mit dem Buch will der Verein „kulturelle“ eine kulturhistorische Reihe eröffnen. Teil eins ist im Ardey-Verlag erschienen und kostet 13,90 Euro. Nachzulesen sind die Kurzporträts auch im Internet.

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