Warendorf
Bildhauer aus Leidenschaft

Freckenhorst - Damit hatten die Veranstalter wohl nicht gerechnet, doch nach kurzem Überlegen wurde umdisponiert. Während eine Gruppe von 60 Personen am Sonntagvormittag unter der Führung von Friedel Rose vom Heimatverein Freckenhorst erst die Werke...

Montag, 16.03.2009, 17:03 Uhr

Freckenhorst - Damit hatten die Veranstalter wohl nicht gerechnet, doch nach kurzem Überlegen wurde umdisponiert. Während eine Gruppe von 60 Personen am Sonntagvormittag unter der Führung von Friedel Rose vom Heimatverein Freckenhorst erst die Werke des 2007 verstorbenen Künstlers Heinrich Gerhard Bücker in der Stiftskirche bewunderte, lauschten die anderen 60 im voll besetzten Saal des Freckenhorster Pfarrheims St. Bonifatius dem Vortrag über das Leben und Werk des Vellerners.

„Heinrich Gerhard Bücker hat sich mit besonderer künstlerischer Intuition in den Kirchenbau des Mittelalters vertieft“, hob Professor Dr. Paul Leidinger, Vorsitzender des Kreisheimatvereins Beckum Warendorf , in seiner kurzen Begrüßung hervor, bevor er das Wort an Dr. Thomas Ostendorf , Leiter des Heimathauses Münsterland in Telgte, weitergab.

„Ich kann nicht sagen, was der Bücker alles gemacht hat“, zitierte Ostendorf den Künstler und löste amüsiertes Gelächter aus, denn viele der Gäste kannten Bücker persönlich. Ganz lebendig wurde der Bildhauer, Maler und Raumgestalter in dem 2006 aufgezeichnetem Interview, das Ostendorf in Ausschnitten während seines Vortrages zeigte. „Ich wollte immer nur Bildhauer werden, da gab es überhaupt keinen Zweifel“, erzählte Bücker selbst. Schon der Sechsjährige formte aus Lehm Figuren, fing mit zehn Jahren an zu schnitzen und begann 1943 eine Lehre als Stein- und Holzbildhauer in Oelde. Ein Reitunfall 1939 machte den auf einem Bauerhof Aufgewachsenen dienstunfähig.

„Von der Mutter übernahm er den festen Willen sich seine Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren“, beschrieb Ostendorf die tief religiöse Persönlichkeit. Schon früh interessierte sich Bücker außerdem für Mineralien und die Antike, eine Leidenschaft, die in seinen Werken und Materialien einen für ihn typischen Ausdruck fand. 1944 richtete sich Bücker in Vellern ein Atelier ein, wo er heimlich eine Kreuzweg-Arbeit gestaltete, die ihn 1964 berühmt machte. „1955 bis 1964 übernahm Bücker die Neu- und Umgestaltung der Freckenhorster Stiftskirche“, fuhr Ostendorf fort, beschrieb Bronzeportale, Altarraum, Glasfenster in der Krypta, Altarkreuz sowie weitere Arbeiten wie Genesis-Ikonen, Paradiesbilder, Kreuze, Bronzeplastiken, Pferdeskulpturen und Glasfenster in anderen Kirchen.

„Wir sind biologisch auf die Kunst angewiesen“, erklärte Bücker selbst, der die Öffentlichkeit um seine Person gar nicht schätzte. „Das hält mich nur von meiner Arbeit ab, dafür ist nach meinem Tod noch genügend Zeit.“

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