Warendorf
Branche mit Perspektive: „Öko schafft Arbeitsplätze“

Montag, 26.12.2011, 07:12 Uhr

Warendorf - „Damals, als ich anfing, galt ich bestimmt als Spinner“. erinnert sich Michael Radau schmunzelnd.

„Seit 1982 arbeitete ich in Münster-Hiltrup in einem der ersten Bioläden in Deutschland , den ich 1985 übernahm.“ 2001 wandelte der heutige Vorstand und zugleich Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münsterland das ursprüngliche Geschäft in die SuperBioMarkt AG um. „Das war die pragmatischste Lösung, um eine Mitarbeiterbeteiligung einzuführen“, so der Referent des Themenabends der Warendorfer Grünen in seinem anschaulichen Vortrag „Öko schafft Arbeitsplätze “.

Aktuell beschäftigt die SuperBioMarkt AG 270 Mitarbeiter, davon 27 Auszubildende, an 15 Standorten in NRW und Niedersachsen. „2006 gab es im Umweltschutz 1,8 Millionen Arbeitsplätze, in der Biobranche in der Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Forschung, Gastronomie und Hotelgewerbe etwa 170000 Beschäftigte“, informierte Radau die 22 aufmerksam zuhörenden Gäste. „Für eine so junge Branche ist das eine erhebliche Zahl. Kennzeichnend ist, dass es sich um nachhaltige, zumeist langfristig angelegte, selbstbestimmte und verantwortungsvolle Arbeitsplätze handelt.“

Ausführlich ging Radau auf die Geschichte des ökologischen Landbaus ein. Demeter-, Bioland-Verband sowie das 1992 eingeführte „EU-Bio“-Siegel seien wichtige Schritte gewesen. „Bio ist heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Allerdings beschränke sich der „Bio-Gedanke“ nicht auf die Herstellung pestizidfreier Produkte. Regionalität, Saisonalität und ein ganzheitliches Bild seien entscheidend. „Sie geben Ihre Verantwortung als Verbraucher nicht ab, indem Sie Bio-Produkte einkaufen“, mahnte der Unternehmer. Allerdings: „Bio ist nicht gleich Bio.“ Kritisch nahm Radau auch in der anschließenden regen Diskussion zu Preispolitik, Fair-Trade-Produkten und dem Umgang mit Lebensmitteln in Deutschland Stellung.

Ein funktionierendes Kontrollsystem sowie ein eigenes Berufsbild für Einzelhandelskaufleute mit dem Schwerpunkt Ökologische Lebensmittel („Das ist eine Ausbildung mit echter Perspektive“) seien überlebenswichtig für die Bio-Branche. Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Situation sagte Radau: „Ich bin sicher, dass es eine lang anhaltende und nachhaltige Entwicklung geben wird.“

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