Warendorf
Ein Hotel für Insekten

Montag, 25.05.2009, 16:05 Uhr

Warendorf - „Ein Insektenhotel ? Was ist denn das?“, fragten sich die Georgs-Pfadfinder, als es darum ging, ein Projekt für die bundesweite 72- Stunden- Aktion auszuwählen. Dieter Nissen , Vorsitzender der Warendorfer Georgs-Pfadfinder, hatte so ein „Ding“ erstmals bei der Bundesgartenschau gesehen. Das Insektenhotel wurde somit kreisweit zum einzigen ökologischen Projekt dieser Aktion.

Zuerst informierten sich die Pfadfinder darüber, was ein Insektenhotel eigentlich ist, welchen Zweck es erfüllt und wie es gebaut wird. Im Internet wurde gestöbert, Firmen wurden angesprochen und Material besorgt. Mit dem Bauhof Warendorf wurde der Standort abgestimmt. Dann ging es los. Und das Ergebnis steht jetzt bezugsfertig am Emssee, nahe der Streuobstwiese. „Beim Bau gab es viel zu berücksichtigen“, weiß Frank Winkler . „Der Lehm muss eine bestimmte Mischung haben, damit er hält.“ Auch dass Bambus nicht geschnitten, sondern gesägt werden muss, lernten die ökologischen Pfadfinder. „Learning by doing“, wurde so groß geschrieben.

„Beim Bau eines Insektenhotels sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, weiß Winkler mittlerweile. „Damit sich die Nützlinge dort einnisten, gibt es allerdings einiges zu beachten.“

Für dieses Jahr ist es fast schon zu spät. Aber im nächsten Jahr werde im Hotel so einiges los sein, vermuten die „Hoteliers“. „Es wird von Jahr zu Jahr immer mehr werden.“

Damit die Insekten das passende „Zimmer“ finden, sind Löcher in die Aststücke gebohrt worden und rote Mauersteine in die Konstruktion mit eingearbeitet.

„Diese ,Hotelzimmer sind vor allem für solitäre Wespen und Bienen gedacht“, erklärt Christel Johanterwage, Gruppenleiterin der Naturschutzjugend. Mit Stroh gefüllte Tontöpfe sollen die so genannten Ohrenkneifer anlocken. Zu den Lieblingsspeisen der Ohrwürmer zählen die Blattläuse. Sie sind demnach ein wichtiger Beitrag zur natürlichen Schädlingsbekämpfung. „Dass die Tiere in Ohren kriechen und kneifen, stimmt übrigens nicht“, fügt Winkler hinzu. Von der Antike bis in die frühe Neuzeit hinein wurden die Tiere pulverisiert als Medizin gegen Ohrkrankheiten und Taubheit verabreicht. Das brachte ihnen den Namen ein.

Nützlinge sollen mit dem Insektenhotel gefördert werden. Die Honigbiene zum Beispiel ist nur eine der rund 500 in Deutschland vorkommenden Bienenarten. Die Solitärbienen bauen ihre Nester an sehr unterschiedlichen Orten, wie zum Beispiel in Totholz, in Lößwänden, oder einfach nur in der Erde.

In jede Brutzelle kommt zu dem Ei ein Pollenvorrat als Nahrung für die später schlüpfenden Larven. Sind alle Brutzellen belegt, wird das Eingangsloch mit einer dicken Wand aus Erde, Lehm oder Blättern verschlossen. Die Rote Mauerbiene gehört zu den ersten und häufigsten Besiedlern von Nisthilfen.

Die unter Naturschutz stehenden Solitärbienen sind in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Die immer intensivere Landnutzung, Flurbereinigung, der Straßenbau und die einförmige Bepflanzung von Grünanlagen und Ziergärten haben zum Verlust ihrer natürlichen Nistgelegenheiten und Nahrungspflanzen geführt. Dem sollen die Insektenhotels entgegen wirken.

Denn die Solitärbienen sind für unseren Naturhaushalt unverzichtbar. Durch die Bestäubung von Obstbäumen profitiert auch der Mensch von ihnen. „Insektenhotels haben für Mensch und Tier im Obstanbau einen sinnvollen Einsatz“, bemerkt Christel Johanterwage. „Es wäre zu wünschen, wenn das Projekt möglichst viele Nachahmer finden würde“, hoffen Nissen, Winkler und Johanterwage. Die Pfadfinder überlegen, als Projektaufgabe auch künftig bei dem Bau von Insektenhotels an öffentlichen Standorten mitzuhelfen. Genügend Knowhow haben sie ja nun.

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